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Vier Millionen Euro für neue Grundschule

Im Bischofswerdaer Ortsteil Goldbach wurde am Dienstag der Grundstein für einen Neubau gelegt. Für den Schulleiter war es zugleich ein Abschied.

Letzte Amtshandlung für Schulleiter Uwe Barkow (r.): Zusammen mit OB Holm Große legte er den Grundstein für die neue Goldbacher Grundschule.
Letzte Amtshandlung für Schulleiter Uwe Barkow (r.): Zusammen mit OB Holm Große legte er den Grundstein für die neue Goldbacher Grundschule. © Carmen Schumann

Bischofswerda. Die Schule gehört ins Dorf! Darin sind sich alle einig, die sich am Dienstagvormittag an der Baugrube trafen, um sechs Wochen nach Baubeginn den Grundstein für den Schulneubau in Goldbach zu legen. Dazu gehörten neben dem Bischofswerdaer Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) auch Stadt- und Ortschaftsräte sowie Landtagsabgeordnete und Landrat Michael Harig (CDU).

Holm Große erinnerte in seiner Rede daran, dass es schon 2011 erste Ideen für eine neue Schule in Goldbach gab. Sogar einen Fördermittelbescheid hatte die Stadt 2015 schon bekommen, musste den aber zurückgeben, weil die Stadt die nötigen Eigenmittel nicht aufbringen konnte, da sie sich zu dem Zeitpunkt in der Haushaltskonsolidierung befand.

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Jetzt sieht das anders aus: Nun sei die Stadt in der Lage, eine Million Euro aufzubringen, um die Gesamtsumme von rund vier Millionen abzurunden. Der Großteil der Kosten wird über Fördermittel abgedeckt, davon stammen rund 2,3 Millionen aus dem sächsischen Programm „Brücken in die Zukunft“ und rund 664.000 Euro aus dem Topf für schulische Infrastruktur.

Dass die Entscheidung gefallen ist, einen Schulneubau zu wagen und die alte Schule abzureißen, empfindet der scheidende Schulleiter Uwe Barkow als richtigen Schritt. Denn der Altbau, der vor reichlich 100 Jahren, nämlich 1912, einen großen Fortschritt darstellte, habe nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprochen. Zudem sei der Keller feucht und der Dachboden viel zu groß gewesen. In der neuen Schule, die Ende 2021 fertiggestellt sein soll, könnten die Räume nun optimal zugeschnitten werden.

Für Uwe Barkow stellte die Grundsteinlegung in doppelter Hinsicht ein besonderes Ereignis dar: In die Freude über das, was entsteht, mischte sich ein Wermutstropfen. Denn er wird dort nicht mehr unterrichten, er verabschiedet sich in den Ruhestand. Die Schulleitung übernimmt ab dem 1. August seine Nachfolgerin Peggy Rosenkranz.

Sie freut sich, beruflich wieder näher an ihren Heimatort heranrücken zu können. Die Großharthauerin leitet zurzeit noch die Grundschule in Laußnitz. Sie hat sich vorgenommen, die Goldbacher Schule in bewährter Weise fortzuführen. Denn die Atmosphäre in der Grundschule habe sie bei ihren bisherigen Besuchen als sehr wohltuend empfunden. Das sei zum großen Teil dem Wirken von Uwe Barkow zu verdanken, der den Dank wiederum an sein Team weiterreicht.

Zur Interimsschule eine besondere Beziehung

Allerdings konnten die wenigsten Lehrerinnen und Lehrer an der Grundsteinlegung teilnehmen. Denn zur Vormittagsstunde unterrichteten sie ihre Schüler an der Grundschule Süd in Bischofswerda, wohin die Schule umziehen musste, weil das alte Schulgebäude abgerissen wurde. Uwe Barkow berichtet: „Wir hatten uns gerade eingerichtet und der Stundenplan begann zu funktionieren – da kam Corona!“ Doch inzwischen laufe der Schulbetrieb fast wieder normal.

Zu der Grundschule in Bischofswerda-Süd, wo die Goldbacher Schüler nun interimsmäßig unterrichtet werden, hat Uwe Barkow eine besondere Beziehung: Er besuchte sie selbst noch ab der 9. Klasse, absolvierte dort vor dem Studium ein Praktikum. Seine Frau war dort Lehrerin, und seine Tochter und sein Sohn besuchten ebenfalls die Grundschule Süd. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: Auch die beiden Enkel, die jetzt in die 6. und 11. Kasse des Gymnasiums gehen, lernten in eben jener Grundschule.

Uwe Barkows erste Amtshandlung nach seinem Eintritt in den Ruhestand wird der Umzug in eine neue Wohnung in Bischofswerda-Süd sein. Damit rückt er wieder näher an die Wohnorte seiner Tochter und seiner Eltern heran. Über zu viel Ruhe im Ruhestand wird sich der 63-Jährige nicht beschweren können.

Neue Aufgaben für den Ruhestand

Voriges Jahr übernahm er den Posten des Stadionsprechers beim BFV. Uwe Barkow hat seiner Mannschaft seit seinem 14. Lebensjahr bei jedem Heimspiel die Daumen gedrückt. Nun hat er sich neben seiner Rolle als Stadionsprecher auch vorgenommen, beim Aufbau des geplanten Fußball-Museums mitzuhelfen. Außerdem ist Uwe Barkow Vorsitzender des Bischofswerdaer Karneval Clubs, in dem auch alle seine Familienmitglieder mitmischen. Dass er in Bischofswerda bekannt ist, wie der sprichwörtliche „bunte Hund“ liegt aber auch daran, dass Uwe Barkow 25 Jahre Stadtrat war.

Für den „Vollblut-Pädagogen“, wie ihn Oberbürgermeister Holm Große bezeichnet, war sein Metier immer ein Traumberuf. Er ist seit 1977 ununterbrochen als Lehrer tätig gewesen, die Goldbacher Grundschule leitete er seit 2007. In den vier Grundschuljahren sei der Entwicklungsfortschritt der Kinder immens. Es sei für ihn immer wieder sehr befriedigend gewesen, dass in der Grundschule das Fundament für die weitere Entwicklung der Schüler gelegt wird.

In die Kassette, die in einem feierliche Akt in das Fundament der neuen Schule versenkt wurde, kamen nicht nur die Pläne für den Neubau, sondern auch Dokumente, die  Ortschronistin Gisela Heusinger bezüglich der alten Schule zusammengetragen hatte. Sie war als Schulleiterin die Vorgängerin von Uwe Barkow, der nach wie vor engen Kontakt zu ihr pflegt. In die Grundstein-Kassette kamen außerdem ein aktuelles Exemplar der Sächsischen Zeitung sowie Münzen und ein Klassenfoto der letzten vierten Klasse.

Staatssekretär Herbert Wolff, aus dessen Händen Holm Große vor einem Jahr den Fördermittelbescheid entgegengenommen hatte, war auch zur Grundsteinlegung anwesend. Rückblickend auf die Corona-Zeit seit März sagte er, die Grundschule als sozialer Erfahrungsraum sei durch nichts zu ersetzen. In der Zeit, als die Schulen geschlossen werden mussten, habe man in aller Deutlichkeit gemerkt, wie wichtig Schule für alle Beteiligten ist. Eine Schulschließung sei nicht über einen längeren Zeitraum zu verkraften.

So soll der Neubau der Goldbacher Schule einmal aussehen.
So soll der Neubau der Goldbacher Schule einmal aussehen. © Stadtverwaltung Bischofswerda

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