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Vier Naturschützer, die viele(s) bewegen

Die Ortsgruppe Berthelsdorf vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) in Sachsen erhält heute den 1. Umweltpreis vom Landkreis Löbau-Zittau. Besonders die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf dem Gebiet des Naturschutzes wird damit gewürdigt.

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Von Torsten Töpler

Dass in der alten Berthelsdorfer Sumpfwiese noch immer die wasserziehenden Dinger liegen, ärgert Bärbel Lorenz mächtig. „Die Drainage-Rohre wurden zu DDR-Zeiten gelegt.“ Dass die vielleicht doch einmal verschwinden, ist einer von vielen Wünschen der BUND-Ortsgruppe Berthelsdorf.

Vier Mitglieder zählt der kleine Interessenverband in Sachen Umwelt und Naturschutz. Seit seiner Gründung im November 1991 leitet Bärbel Lorenz die kleine Truppe. Doch die Naturfreunde kannten sich da untereinander schon. „Das erste, was wir mal gemacht haben, war, unser Wassereinzugsgebiet von der Quelle aus abzulaufen“, berichtet die 63-Jährige. In der Folgezeit hatte dann jeder das Gefühl, seine Kräfte bündeln zu wollen. „Hier müssen wir was machen, können nicht so einfach herumschwirren“, umschreibt sie schmunzelnd die einstige Suche nach einem Interessenhort. Nach der Wende hätten ja viele Leute gedacht, dass sie in irgendeine Partei oder Interessengruppe müssten. Schließlich fanden sich die Berthelsdorfer im BUND am besten aufgehoben. Erste Aktivitäten ließen nicht lange auf sich warten. „Unser Naturlehrpfad“, erzählt Bärbel Lorenz, „war eigentlich eine gemeinsame Idee vom Bürgermeister und mir.“

Stück für Stück sei der Pfad über Jahre entstanden. Sogar das MDR-Fernsehen wurde in den Neunzigern gelegentlich mit eingespannt. Das Team der Sendereihe „Mach dich ran“ ließ mit schwerer Lasttechnik heimische Bäume und einen echten Findling aus dem Tagebau Nochten herantransportieren. „Vier bis fünf Tonnen war der schwer“, ist Bärbel Lorenz noch heute von der Aktion begeistert.

Unzählige Aktivitäten

Unzählige jährliche Aktivitäten plant und organisiert sie in Eigenregie. Denn die Rentnerin hat gegenüber den anderen berufstätigen Mitgliedern der BUND-Ortsgruppe den weitaus größeren Batzen Freizeit. Selbstverständlich drehen sich auch diese Veranstaltungen um Natur- und Umweltschutz. Meistens wird dazu per selbst gestalteter Ankündigung im örtlichen Aushang und in einem Regionalblatt aufgerufen. „Wer da ist, ist eben da“, umschreibt Bärbel Lorenz eine ständige Resonanz.

Neben verschiedensten Veranstaltungen für Senioren und Erwachsene widmet sie sich stark den jüngeren Generationen. Und das kommt nicht von ungefähr. Denn die ursprünglich gelernte Kindergärtnerin kam 1995 als Lehrerin an die Förderschule „Johann Amos Comenius“ der Herrnhuter Diakonie. Dort gibt sie auch heute noch hin und wieder ein paar Stunden Religionsunterricht. In vielen Kinder- und Jugendeinrichtungen umliegender Orte ist sie deshalb bestens als Natur- und Umweltfreundin bekannt. Ob Vortrag, Exkursion, Basteln, Puppentheater oder Quiz – Bärbel Lorenz lässt sich auch für junge Leute immer etwas einfallen.

Die Kinder sollen auf besondere Weise für den Schutz ihrer Umwelt sensibel gemacht werden. Die Finanzen für große Aktionen werden zum Großteil über erhaltene Preisgelder abgedeckt. Schon einige Auszeichnungen kann die kleine Berthelsdorfer Gruppe vorweisen. So war das beispielsweise 1996 der 3. Preis des Naturschutzwettbewerbs der Feldschlösschen-Brauerei. Den erfolgreichen Berthelsdorfer Umweltleuten fehlt an sich nur noch eines: ein eigenes Domizil. Ein altes Umgebindehaus im Ort hat man dafür schon mal erworben. „Ein Begegnungszentrum mit Umweltbibliothek soll es werden“, schwärmt Bärbel Lorenz.