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Vier-Sterne-Hotel an den IBA-Terrassen

Seenland. Möbelhändler setzt auf Tourismus und will Fälschermuseumam Grubenrand eröffnen.

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Von Ralf Krüger

Gerold Schellstede hatte sich weit aus dem Fenster gelehnt, als er vor 15 Jahren versprach, das in der Lausitz verdiente Geld auch in der Lausitz zu lassen. Als der gebürtige Niedersachse 1991 in Großräschen das Möbelzentrum eröffnete, gab es noch viele Skeptiker. Inzwischen ist Bürgermeister Thomas Zenker froh, dass der 67-Jährige sich noch immer nicht zur Ruhe setzt. „Der Mann ist mit seinem wirtschaftlichen und sozialen Engagement ein Glücksfall für uns“, sagt Großräschens Bürgermeister über den Unternehmer.

Das neueste „Baby“ des studierten Kaufmanns soll in Sachen Gastlichkeit im Seenland Maßstäbe setzen. Ein Vier-Sterne-Hotel wird direkt an den IBA-Terrassen in Großräschen entstehen, mit 44 Zimmern, Konferenzräumen und einem Glaspavillon als Veranstaltungsort. „Seehotel Weißes Haus“ soll der Gebäudekomplex heißen. Dazu wird das 1923 errichtete ehemalige Ledigenheim der Ilse Bergbau AG denkmalschutzgerecht saniert. Etwa drei Millionen Euro will Schellstede zunächst in den Bau investieren. Bereits im Spätsommer 2007 soll die Eröffnung sein. In einem weiteren Bauabschnitt könnte außerdem ein Wellnessbereich mit Bettenhaus entstehen. In einem Flügel des Gebäudes will Schellstede ein „Fälschermuseum“ einrichten. Hier sollen die Werke der legendären Brüder Posin ausgestellt werden. Die Posins zogen 1989 von St. Petersburg nach Berlin und betreiben dort eine florierende Galerie. „Sie kopieren von Van Gogh bis da Vinci alles täuschend echt. Das wäre doch mal ein touristischer Anziehungspunkt“, so Schellstede. Er sehe im Tourismus erhebliches Potenzial für die Lausitz, auch nach dem Ende der Internationalen Bauausstellung (IBA) im Jahr 2010. „Der Bedarf an niveauvoller Unterbringung im Herzen des Seenlandes wird steigen“ ist der Investor überzeugt.

Van Gogh im Ledigenheim

Der Mann hat sich in der wirtschaftlich gebeutelten Region einen Namen gemacht. Im Möbelzentrum Großräschen beschäftigt er etwa 100 Mitarbeiter. Außerdem unterstützt Schellstede seit Jahren soziale und sportliche Aktivitäten, unter anderem den Schüleraustausch mit Polen und das Arbeitslosenzentrum in Großräschen. Zudem fördert er den mit 5000 Euro dotierten Innovationspreis der Stadt. Für sein Engagement erhielt er 2005 von Ministerpräsident Matthias Platzeck den Landesorden des Landes Brandenburg überreicht.

Dass sein Engagement immer wieder für Gesprächsstoff sorgt, stört den früheren Präsidenten des VfB Oldenburg nicht. Hintergrund: Der Unternehmer hat in Großräschen zahlreiche Grundstücke gekauft und Gebäude wie das frühere Marktcafé und das Standesamt saniert. „Mit diesen Investitionen sorge ich nur dafür, dass wertvolle Gebäude erhalten bleiben, die ansonsten verloren wären.“