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Vier Wege im Dresdner Sport, mit Corona umzugehen

Für die Eislöwen ist die Saison beendet, die DSC-Volleyballerinnen sollten ohne Zuschauer weiterspielen - bis zur Absage. Und der Citylauf bietet eine Alternative.

© Bonß, Rietschel

Den am Dienstag beschlossenen Abbruch der Saison im deutschen Eishockey nimmt man bei den Eislöwen mit Galgenhumor, also zumindest der Trainer. „Eigentlich hätten wir einen Pokal bekommen müssen“, sagt Rico Rossi. „Immerhin haben wir das letzte Saisonspiel gewonnen.“ Im Eishockey wäre man dann normalerweise Meister. Doch was ist in diesen Zeiten noch normal? Außerdem war das 8:3 gegen Bad Nauheim am vergangenen Sonntag weit davon entfernt, eine Finalpartie zu sein, davor hätten Viertel- und Halbfinale ausgetragen werden müssen.

Für die wären die Dresdner bestens vorbereitet gewesen, glaubt Marco Stichnoth, der sportliche Berater des Klubs. „Gerade die engen Spiele zum Ende der Hauptrunde hatten noch einmal viel gebracht für den Zusammenhalt in der Mannschaft“, erklärt der 54-Jährige: „Die Überzeugung war da, dass es gegen Frankfurt zumindest eine enge Serie geworden wäre.“

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Die Saison mit Geisterspielen zu Ende zu bringen, sei aber keine Option gewesen, betont der Eislöwen-Geschäftsführer Maik Walsdorf: „Im Eishockey machen die Zuschauereinnahmen wenigstens 30 Prozent des Etats aus, die Ausfälle hatte man auf Dauer nicht kompensieren können. Vielleicht ein, zwei Spiele – aber dann wäre der Ofen aus.“

Die Dresdner Eislöwen dürfen nicht mehr jubeln. 
Die Dresdner Eislöwen dürfen nicht mehr jubeln.  © Ronald Bonß

Die wirtschaftlich beste Zeit fehlt

Die Vorstellung, Partien mit maximal 1.000 Zuschauern zu absolvieren, wäre für Walsdorf aber noch schmerzhafter. „Da zählen ja auch die Mannschaften und Betreuer und alle Offiziellen als Gäste. Da wäre man schnell nur noch bei 600, 700 zahlenden Gästen gewesen. Wir haben aber mehr als 1.000 Dauerkartenbesitzer, wie hätte man da entscheiden sollen, wer darf rein und wer nicht“, fragt der 32-Jährige.

Finanzielle Probleme sieht Walsdorf im Moment nicht: „Die Lizenzplanung muss durch die Hauptrunde gedeckt sein, dass wird auch von Wirtschaftsprüfern bestätigt.“ Allerdings fällt nun die Zeit aus, „die uns am meisten Spaß macht“. In den Play-offs zahle man den Spielern zwar Prämien, bekomme aber auch welche von den Sponsoren. „Und durch die Zuschauer hätten wir uns jetzt den ein oder anderen Euro für die nächste Spielzeit dazuverdienen können.“ Stattdessen muss nun individuell geklärt werden, wie die Prämienregelungen mit den Spielern aussehen. Außerdem wird geprüft, ob Ansprüche gegen das Land geltend gemacht werden können.

Doch anders als in der ersten Liga stelle sich die Frage nach staatlichen Hilfsgeldern in der DEL2 nicht. In der DEL sei „die Lage durch die Fernsehverträge und sich daraus eventuell ergebenden Regressforderungen noch einmal eine andere als bei uns“, erklärt Walsdorf, der auch dank des Eishockey-Open-Airs Anfang Januar im Rudolf-Harbig-Stadion mit einem guten Ergebnis in dieser Saison rechnet. Er schränkt allerdings ein: „Natürlich war das Open Air auch finanziell eine schöne Sache, aber es darf nicht vergessen werden, dass wir zu Saisonbeginn zwei Entscheidungen getroffen haben, die sicher nicht kostenfrei waren.“ Damit sind die Freistellungen von Trainer Bradley Gratton und Sportgeschäftsführer Thomas Barth gemeint.

Mareen von Römer (l.) und ihre Volleyballerinnen spielen - nun doch nicht.
Mareen von Römer (l.) und ihre Volleyballerinnen spielen - nun doch nicht. © Matthias Rietschel

Die Volleyballerinnen des Dresdner SC bestreiten ihr letztes Spiel der Bundesliga-Normalrunde am Samstag, 19 Uhr, gegen Wiesbaden in der Margon-Arena – ohne Zuschauer. Davon ging der Klub zumindest bis zum Donnerstagabend aus. Doch dann entschied die Volleyball-Bundesliga nach intensivem Austausch mit allen Vereinen, „die Spielzeit der 1. Bundesliga der Frauen und Männer mit sofortiger Wirkung abzubrechen“.

Wie auch im Eishockey wird es nun in der Saison 2019/20 keine Meister geben. Zudem wurde entschieden, dass es aufgrund der außergewöhnlichen Situation keine Regelabsteiger aus der 1. Bundesliga geben wird. Über die finale Rangfolge in der Tabelle und die damit verbundene Vergabe der Startplätze im Europapokal wird eine Regelung entscheiden, die nun gemeinsam mit dem Deutschen Volleyball-Verband (DVV) für alle Ligen erarbeitet werden soll. Wie es für den DSC nun weitergeht, will der Verein am Freitag mitteilen.

Klar ist aber, dass den Käufern einer Karte für das Heimspiel gegen Wiesbaden der Ticketpreis zurückerstattet wird und Dauerkartenbesitzer individuell kontaktiert und über das Verfahren zur Rückerstattung informiert werden.

Gleichzeitig hatte der Verein seine Anhänger, zu überlegen, ob man auf die Rückforderung verzichtet, um in der Gemeinschaft solidarisch die Mannschaft zu unterstützen, da jetzt noch nicht abschätzbare finanzielle Probleme auf den Verein zulaufen. „Die Entscheidung, ohne Zuschauer zu spielen, stellt uns vor noch nie da gewesene Herausforderungen in der Organisation und bereitet uns auch finanziell große Sorgen, um den Einnahmen-Ausfall sowie kurzfristige Absagen bei Spieltagessponsoren zu ersetzen“, sagt Zimmermann. Dieses Problem steht zumindest in Teilen auch nach dem vorzeitigen Saisonende.

Derzeit wird in diversen professionellen Spielsportarten die Forderung nach Ausgleichszahlungen durch den Bund diskutiert. Wie bezüglich der weiteren Spiele des DSC im Europapokal-Halbfinale entschieden wird, ist gegenwärtig noch offen.

2020 kann der Citylauf nur individuell ausgetragen werden.
2020 kann der Citylauf nur individuell ausgetragen werden. © Ronald Bonß

Gegen eine Absage haben sich die Veranstalter des Dresdner Citylaufs entscheiden wollen, was am wenigsten mit dem Jubiläum zu tun hat. Zum 30. Mal sollte am Sonntag die Straßenlaufsaison in Deutschland eröffnet werden. Bis zuletzt haben sie darum gekämpft und alternative Vorschläge entwickelt. Rund 3.500 Teilnehmer haben sich immerhin angemeldet, davon etwa 2.000 für den 10-Kilometer-Hauptlauf.

„Dass dieser so nicht stattfinden kann, ist uns vollkommen klar. Doch unser Ziel ist es immer, Dinge umzusetzen statt abzusagen“, sagt André Egger von der Laufszene Events GmbH, die den Citylauf organisiert. „Und ich denke, wir haben auch ein paar coole Ideen entwickelt, kleinere Startwellen zum Beispiel. Doch am Ende müssen wir mitteilen, dass der Citylauf an diesem Wochenende nicht stattfinden kann.“

Einfach mal so absagen geht nicht

Um die Ausbreitung und das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren, gebe es keine andere Möglichkeit als die Absage, so Egger. Zum ersten Mal in 30 Jahren muss der Citylauf ausfallen. Und das hat Konsequenzen: Straßensperrungen müssen aufgehoben, das Catering abbestellt, der Aufbau für die Laufmesse in der Messehalle gestoppt, Helfer und nicht zuletzt Teilnehmer informiert werden.

Zumindest die Finishermedaillen sollen nicht umsonst bestellt sein, meinen die Organisatoren und rufen zum ganz individuellen Citylauf auf. „Egal, ob vor der Haustür, im Großen Garten oder wo auch immer ihr am liebsten lauft“, heißt es in der Laufszene-Info an die Teilnehmer, die dann zudem am Sonntag zwischen 9 und 15 Uhr sich ihre Finishermedaillen im Steyer-Stadion abholen können. „Schnappt euch die Laufschuhe und lasst uns aus dieser Situation das Beste machen“, sagt Egger.

Georg Voigtmann (l.) wartet auf die Play-offs. 
Georg Voigtmann (l.) wartet auf die Play-offs.  © Matthias Rietschel

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