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Vierbeinige Spielkameraden

Beim therapeutischen Reiten lernen Kinder mehr als nur den Umgang mit dem Pferd.

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Von Jenny Ebert

Erstaunlich, wie mutig die kleinen Kinder auf die riesigen Pferde klettern, den suchenden Lippen geduldig die Belohnungsmöhre entgegenstrecken und stolz die Vierbeiner umherführen. Als täten sie ihr ganzes Leben lang nichts anderes.

„Die Kinder verändern sich schon ziemlich, wenn sie länger zu uns kommen“, bestätigt auch Eva-Christine Hoffmann, Reittherapeutin am Moosmutzel-Hof in Kollm. „Sie werden motorisch geschickter und auch selbstständiger.“

Einladung zum Kennenlernen

Davon konnte sich jeder selbst überzeugen, der Donnerstagnachmittag den Weg nach Kollm fand. Im Rahmen der laufenden Gesundheitswoche hatte das Gesundheitsamt nämlich gemeinsam mit der Regionalen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung im Landkreis und Eva-Christine Hoffmann zum Kennenlernen des therapeutischen Reitens eingeladen. Die Organisatoren des Gesundheitsamtes haben im Vorfeld Kontakt zur Grundschule Niesky-See aufgenommen, um gezielt einige Schüler auf den Moosmutzel-Hof zu holen. „Leider war die Resonanz dazu sehr schlecht. Es kam gerade einmal ein einziger Elternbrief zurück“, bedauert Angela Richter vom Gesundheitsamt. Also konnte man leider nur Kinder beobachten, die schon länger die Therapiestunden auf dem Kollmer Hof besuchen.

Auch wenn das eigentlich nicht zu bedauern war. Denn den Kleinen beim Toben zuzuschauen, machte richtig Spaß. Sie hopsten auf den Rücken der trabenden Pferde herum wie Gummibälle, zankten sich um die Reitreihenfolge und erfüllten die Luft mit ihrem lauten Lachen. Kaum vorstellbar, dass es alles psychisch kranke Kinder sind, die hier im Rahmen ihrer Ergotherapie auch die Arbeit mit dem Pferd kennenlernen.

Doch natürlich ist aller Anfang schwer. Beim ersten Besuch bekämen die Kleinen erstmal nur eine Führung über den Hof, erzählt Eva-Christine Hoffmann. „Dann werden sie wieder nach Hause geschickt, die neuen Eindrücke in Ruhe verarbeiten.“ Dann werde nach und nach mehr mit dem Pferd gearbeitet. Auch andere Beschäftigungsstunden wie Zeichnen stünden auf dem Programm.

Neben dem Reiten gebe es aber auch Aufgaben im Umgang untereinander. „Die Kinder müssen miteinander klarkommen, bestimmte Probleme allein lösen. Zum Beispiel sollen sie es selbst merken, wenn sie zu laut sind und die Pferde dadurch unruhig werden“, erklärt die Reittherapeutin.

Aber die drei Stuten machen einen so friedlichen Eindruck, dass sie wohl nur selten aus der Ruhe zu bringen sind. „Die Pferde hier haben alle ein anderes Temperament, sodass die Kinder sich darauf einstellen müssen. Vor allem aber sollen sie hier lernen, loslassen zu können, sich einfach mal tragen zu lassen“, so Hoffmann weiter. Und dies sei gerade für diese Kinder schwerer als für andere. So hat beispielsweise eines der Kinder Missbrauchserfahrungen machen müssen und daher besonders Probleme, sich fallen zu lassen.

Ballspielen hoch zu Ross

Aber Rappstute Mira macht es den Kleinen leicht, dreht geduldig an der Longe ihre Runden und nimmt es nicht übel, wenn sie mal einen Ball an den Kopf bekommt. Denn die Kinder reiten hier nicht einfach, sie spielen zusammen. Ein Kind sitzt auf dem Pferd und wirft sich mit einem anderen, das im Longierzirkel mitläuft, einen Ball zu.

Währenddessen zieht Mascara mit Stefan gemütlich ihre Runden. „Diese Stute ist unser schwierigstes Pferd. Wenn man nicht aufpasst und abschaltet, rennt sie entweder los oder bleibt einfach stehen“, erklärt Eva-Christine Hoffmann. Also das perfekte Pferd für Stefan, der Konzentrationsprobleme hat. Wenn er wegträumt, merkt das Pferd das sofort und fordert somit seine ständige Aufmerksamkeit.

Wer Interesse am therapeutischen Reiten bekommen hat, kann sich heute beim Tag der offenen Tür auf dem Moosmutzel-Hof umsehen. Ab 14 Uhr gibt es ein Schauprogramm und danach kann jeder sich am Reiten versuchen.