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Pirna

Visiere aus dem 3-D-Drucker

Eigentlich versorgt der Heidenauer Betrieb von Ralf Andrich Busfirmen mit kleinen, wichtigen Teilen. Jetzt werden andere kleine und noch wichtigere Dinge gedruckt.

Wenn der Vater mit dem Sohn: Ralf Andrich (r.) und Franz Andrich von der A&K Fahrzeugteile Heidenau GmbH mit den Schutzmasken.
Wenn der Vater mit dem Sohn: Ralf Andrich (r.) und Franz Andrich von der A&K Fahrzeugteile Heidenau GmbH mit den Schutzmasken. © Daniel Schäfer

Der Clip am Sonnenrollo des Fahrers, ein Ersatzteil am Sitz, eine Halterung beim Gurt: Ein Bus ist voller kleiner und winziger Teile, die immer mal kaputt gehen. Die A&K Fahrzeugteile Heidenau GmbH hat sich genau darauf spezialisiert. Sie beliefert damit ganz Deutschland und Europa. Für gewöhnlich. Vor und hoffentlich auch wieder nach Corona. 

Doch jetzt stehen die Reisebusflotten und werden so schnell auch nicht wieder ins Rollen kommen, sagt Seniorchef Ralf Andrich. Die Unternehmen haben ihre Fernbuslinien auf Eis gelegt, die Schulbusse werden nicht gebraucht und der öffentliche Personennahverkehr wird ausgedünnt. Noch werden Ersatzteile benötigt, noch wird repariert und werden Wartungsintervalle vorgezogen, aber lange sollte das nicht mehr so gehen, sagt er. Trotzdem: Sitzen und abwarten? Nein.

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Acht Stirnteile am Tag

Andrich-Junior und -Senior haben überlegt. Schließlich haben sie einen 3-D-Drucker, der sonst kleine Ersatzteile druckt, umfunktioniert. Nun rattert er Tag und Nacht, um Stirnteile für Schutzvisiere zu drucken. Acht Stück am Tag schafft er. Die ersten 20 wurden jetzt unter anderem den Johannitern übergeben. Nun arbeitet der Drucker den Wunsch einer Berliner Klinik ab, sagt Andrich.

Drei Teile, ein Schutzvisier: Folie, Kunststoffkörper aus dem 3-D-Drucker und Gummiband.
Drei Teile, ein Schutzvisier: Folie, Kunststoffkörper aus dem 3-D-Drucker und Gummiband. © Daniel Schäfer

Reichlich zwölf Tage wird es dauern, bis die 100 Teile fertig sind. Sie werden dann mit dem eigentlichen Visier und dem Gummiband zusammengebaut. Die Johanniter haben das selbst gemacht, sind zufrieden und haben gleich noch weitere zehn Schutzvisiere bestellt. Eigentlich könnten noch viel mehr 3-D-Drucker das machen, sagt Andrich. Und natürlich wäre es effektiver, wenn man gleich mehrere hat.  Aber ihm und seinem Sohn geht es nicht in erster Linie um Effektivität, sondern ums Helfen.

Erinnerungen an Jahrhundertflut 2002

Der Materialaufwand ist für die Heidenauer Firma gering, sagt Andrich, und wird gespendet. "Wenn in dieser Krise jeder einen kleinen Beitrag leistet, sollten wir es alle schaffen", so Andrich. "Federn werden wir alle lassen müssen." Doch zurücklehnen und zugucken war noch nie sein Ding. Andrich fühlt sich an das Jahrhunderthochwasser 2002 erinnert. "Damals haben wir auch um unser Überleben gekämpft. Jetzt sind Zusammenhalt und Kampfgeist gefragt." Es kommen noch schwere Zeiten auf uns sagt, sagt Ralf Andrich. Bis dahin druckt der Drucker weiter kleine, aber derzeit sehr wichtige Teile. 

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