SZ +
Merken

Visionen für ein malerisches Kleinod

Sternekoch Stefan Hermann freut sich zum Tag der offenen Tür in der Villa Sorgenfrei über regen Andrang – und erzählt, was er hier alles vorhat.

Teilen
Folgen
© Norbert Millauer

Von Nicole Czerwinka

Einen schöneren Tag hätte sich der Sternekoch Stefan Hermann kaum aussuchen können, um die Radebeuler zu einer kleinen Stippvisite in die Villa Sorgenfrei einzuladen: Die Frühlingssonne scheint sanft durch das Blätterdach der Lindenallee vor dem Haus, die goldenen Ziffern der Uhr auf dem kleinen Dachtürmchen glitzern hell in ihrem Licht.

Mit dem gestrigen Tag der offenen Tür will der Spitzenkoch aus Dresden, der das Romantikhotel in der Lößnitz seit dem 1. Mai als Betreiber übernommen hat, auch Vorurteile abbauen. „Wir wollen hier in Zukunft moderne Landhausküche anbieten, auch à la carte Gerichte für die Radebeuler“, sagt er.

Der 43-Jährige wirkt entspannt. Bei einem kurzen Rundgang durch die 1783 bis 1789 erbaute Villa, das Kutscherhaus, den ehemaligen Pferdestall und die malerische Gartenanlage begrüßt er seine Gäste freundlich, lässt sich mit dem einen oder anderen auf einen kurzen Plausch ein. Die meisten wünschen ihm viel Glück mit dem Romantikhotel. Auch einige Nachbarn schauen vorbei und nutzen die Gelegenheit für ein Gespräch. Stefan Hermann hat schon eine sehr genaue Vision davon, wie er dieses Kleinod inmitten der Lößnitz weiterentwickeln will. Neben einem Blick für das Schöne hat der Sternekoch auch einen Blick fürs Detail und ein feines Gespür für guten Service.

Im Restaurant und auch im Park servieren seine Mitarbeiter an diesem Nachmittag auch einige kleine Kostproben, wie eine Spargelquiche und sündhaft süße Schokobrownies. Jeder Gast bekommt zudem sogleich ein Glas süffigen Wackerbarth-Sekt in die Hand gedrückt. Die Radebeuler genießen diesen Hauch von Luxus in gediegener Park-Atmosphäre sichtlich. Immer wieder kommen Neugierige die schattige Einfahrt entlang, wandeln durch Garten und Haus, schütteln dem neuen Chef die Hand.

„Dieses Anwesen ist eine Perle, die eigentlich nur mal poliert und wachgeküsst werden muss“, sagt Hermann. Behutsam möchte er seine Vision von einem charmanten Romantikhotel für Gäste mit Anspruch hier wahr werden lassen. „Wir haben in den letzten Tagen schon viel entrümpelt und aufgeräumt“, sagt er. So habe er die Schuppen im Hof bereits entfernt, das wuchtige Buffet im ehemaligen Pferdestall herausgerissen. Nun sind die Heuraufen und die sandsteinernen Wassertraufen wieder erkennbar, sie sind ein historischer Blickfänger in dem weiß getünchten Raum.

Der Garten hinter dem Haus gleicht einer verwunschenen Märchenlandschaft. Ein bisschen Unkraut wuchert noch, der Brunnen inmitten des kleinen Wäldchens liegt derzeit trocken. Das alles möchte Hermann in den nächsten Monaten wieder mit Leben erfüllen. „Vielleicht bauen wir auf der hinteren Wiese irgendwann eine Sauna für die Hotelgäste, die vordere werden wir bald als Liegewiese zur Verfügung stellen“, sagt er. Es sind keine großen Dinge, die er ändern möchte. Eher Details. Entscheidende Details. In dem alten Kutscherhaus mit der historischen Balkendecke möchte Hermann die Fensterfront mit klappbaren Fenstern versehen. Der Raum eignet sich gut für Tagungen und Firmenfeiern. Im Restaurant soll die eckige Kaffeemaschine aus dem Sichtbereich verschwinden.

Die Zimmer haben alle ihren eigenen Charme, auch der soll erhalten bleiben, nur hier und da möchte Hermann behutsame Verfeinerungen am Ambiente vornehmen. So wie in der Küche: Christoph Poser, lange Zeit stellvertretender Küchenchef in Hermanns Sternerestaurant „beans&beluga“ auf dem Weißen Hirsch in Dresden, wird das Küchenteam der Villa Sorgenfrei unterstützen. Die Rolle der Gastgeberin für das Hotel übernimmt Antje Kirsch. Doch das Küchenkonzept von Stefan Hermann ist ohne einen Umbau nicht in Gänze zu verwirklichen. Anfang des kommenden Jahres will Hermann das Restaurant daher für vier Wochen schließen. Bis zum Sommer dieses Jahres will er zunächst die Fassade des Hauses erneuern, neue Fenster einsetzen und eine zweite Suite für das Hotel ausbauen. „Insgesamt habe ich mir eineinhalb Jahre gegeben, um hier meine Ideen umzusetzen“, sagt er.

Die Radebeuler seien in der Villa Sorgenfrei herzlich willkommen. Doch auch Dresdner Touristen will Hermann in die Lößnitz locken. Dank seiner guten Kontakte zur Sächsischen Staatsoper und dem Dresdner Staatsschauspiel – Hermann zeichnet an beiden Häusern für das Catering verantwortlich – könne er jetzt auch richtige Kulturpakte für die Gäste anbieten, inklusive Shuttleservice und Gourmetküche.