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VMS verschiebt Erhöhung der Ticketpreise

Die Senkung der Mehrwertsteuer gibt der Verkehrsverbund nicht an die Fahrgäste weiter. Die müssen ab Januar 4,2 Prozent mehr bezahlen.

Die Preise für Bus und Bahn im Verbundgebiet des VMS, zu dem auch Mittelsachsen gehört, steigen ab 1. Januar.
Die Preise für Bus und Bahn im Verbundgebiet des VMS, zu dem auch Mittelsachsen gehört, steigen ab 1. Januar. © VMS

Die Fahrgäste des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (ZVMS) müssen ab dem 1. Januar 2020 tiefer in die Tasche greifen. Um im Schnitt 4,2 Prozent werden die Preise steigen. Das hat am Freitagvormittag die Verbandsversammlung des ZVMS beschlossen.

Geplant war die Erhöhung bereits für den 1. August 2020. Doch der entsprechende Beschluss für die Tarifänderung konnte im April nicht gefasst werden, da die Sitzung des Gremiums aufgrund der Corona-Pandemie ausgefallen war.

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Eine Million weniger Einnahmen

Zwischenzeitlich war die Entscheidung der Bundesregierung zur Absenkung der Mehrwertsteuer vom 1. Juli bis zum 31. Dezember gefasst worden. Diese wird der ZVMS nicht an seine Kunden weitergeben. Dafür jedoch wird nun die für August geplante Tariferhöhung auf den 1. Januar 2021 verschoben.

Die Verkehrsunternehmen im VMS verzichten damit auf Einnahmen in Höhe von rund einer Millionen Euro. Für die Kunden sei die Einsparung durch die Verschiebung der Tariferhöhung deutlich größer, als bei der Umsetzung der Absenkung der Mehrwertsteuer von sieben auf fünf Prozent, sagte Dr. Christoph Scheurer, Landrat von Zwickau und Vorsitzender des ZVMS. 

Lohn steigt bis 2012 um 14 Prozent

Grund für die Erhöhung der Tarife sind vor allem die gestiegenen Lohnkosten. Bis 2021 belaufen sich die Tarifkostensteigerungen auf 14 Prozent, schilderte VMS-Geschäftsführer Dr. Harald Neuhaus. Im Jahr 2019 waren Lohntarifabschlüsse gefasst worden.

Im Regionalbusverkehr wurde mit der Gewerkschaft Verdi zum 1. März 2019 eine monatliche Lohnsteigerung von 140 Euro vereinbart. Zum 1. Februar erfolgte eine erneute Lohnsteigerung von 5,4 Prozent, 2021 wird es eine nochmalige Steigerung um weitere 2,2 Prozent geben. In den Stadtbus- sowie Eisenbahnunternehmen sei die Kostenentwicklung ähnlich, sagte Harald Neuhaus.

Auf rund 3,8 Prozent mehr Einnahmen hofft der VMS durch die Anpassung der Tarife, wenn die Fahrgastzahlen sich wieder normalisieren. Das ist, aufgrund der Pandemie aber noch immer nicht der Fall.

Verschiebung um ein Jahr abgelehnt

Zwickaus Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß (SPD) sprach sich für eine Verschiebung der Tariferhöhung bis zum 1. August 2021 aus. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei der Beschluss nachvollziehbar, politisch jedoch nicht. Den Kunden sei es schwer zu vermitteln, dass die Senkung der Mehrwertsteuer nicht weitergegeben werde, aber zum 1. Januar 2021 die Preise steigen. Das stehe auch dem Ziel entgegen, nach der Abkehr der Kunden vom ÖPNV während der Corona-Krise wieder mehr Fahrgäste zu gewinnen.

Ihr Vorschlag fand jedoch keine Zustimmung. Verbandsvorsitzender Scheurer machte deutlich, dass dann Mehrkosten auf die Landkreise zukommen, um die fehlenden Einnahmen zu kompensieren. 2,7 Millionen Euro seien für das erste Jahr der Tariferhöhung bei normaler Fahrgasthöhe eingeplant, informierte Jens Müller, Teamleiter Tarif beim VMS.

Auch aus Sicht der Verkehrsbetriebe sei die weitere Verschiebung problematisch, wie Roland Richter, Geschäftsführer der Regionalverkehr Erzgebirge (RVE) sagte: „Ich rate dringend davon ab. Wir werden finanziell sehr schwierige Zeiten haben. Wir brauchen das Geld, um den ÖPNV aufrecht zu erhalten.“Findeiß enthielt sich bei dem Beschluss ihrer Stimme.

Neues Senioren-Partner-Ticket

Die Tarifanpassung wurde mehrheitlich beschlossen. Damit steigt der Preis für eine Tageskarte auf 15 statt bisher 14 Euro. Das Ticket für eine Einzelfahrt in Zone 3 wird 5,70 statt bisher 5,30 Euro kosten. Für die Wochenkarte, die im gesamten Verbundraum gilt, müssen ab 1. Januar 72,60 Euro gezahlt werden. Bisher kostet die Wochenkarte 67 Euro. Der Preis der „kleinen“ Wochenkarte in Tarifzone 3 wird 50,50 Euro betragen. Bisher sind 46 Euro fällig.

Im Zuge der Tarifänderung gab es auch die Zustimmung zu einem neuen Angebot des VMS, dem Senioren-Partner-Ticket. Mit diesem sollen neue Kunden ab 63 gewonnen werden. Der Preis für das Seniorenticket steigt ab Januar von 49 auf 55 Euro. Das Partnerticket soll 29 Euro kosten. Bezahlt werden muss es vom selben Bankkonto. Das Modell habe sich in anderen Landkreisen bereits bewährt und zu einer Steigerung der Einnahmen geführt, so Neuhaus.

Eine Erhöhung gibt es auch beim Azubiticket, dessen Preis um vier Euro auf 48 Euro steigen wird. Hier habe der VMS mit den anderen Verbünden in Sachsen gleichgezogen, begründete der Geschäftsführer des VMS. Im Bereich der Schülerverbundkarte wurde versucht, die Kosten weiter niedrig zu halten. Unverändert bleibt auch das Junge-Leute-Ticket bis zum 26. Geburtstag für 48 Euro, das Schülerfreizeitticket für zehn Euro, gleich bleibt auch der auch der Preis für das Ferienticket für den VMS und das Vogtland in Höhe von 19 Euro sowie für ganz Sachsen in Höhe von 30 Euro.

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