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VMS hofft auf Rettungsschirm

Eltern fordern ein kostenfreies Ferienticket für die Schüler. Bei 30 Millionen Euro Verlust ist das fast unmöglich.

Seit Corona ist nicht nur Mund-Nasen-Schutz im ÖPNV Pflicht, sondern auch die regelmäßige Reinigung. Und die kostet.
Seit Corona ist nicht nur Mund-Nasen-Schutz im ÖPNV Pflicht, sondern auch die regelmäßige Reinigung. Und die kostet. © Norbert Millauer

Mittelsachsen. Die Diskussion um die Kosten für die Schülerbeförderung dauert an. Auch in Bezug auf die geplante Tariferhöhung im Bereich des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) gab es erneut Hinweise von Eltern, dass trotz Homeschooling das Geld für die Schülerbeförderung bezahlt wurde. Kritisiert wurde zudem, dass die Bescheide für die Kosten über die Schülerbeförderung für das neue Schuljahr noch eher als sonst verschickt worden sind.

Das kann Falk Ester, Sprecher des VMS, bestätigen. „Durchschnittlich betrachtet gingen die Bescheide etwa 14 Tage früher raus. Das hängt unter anderem mit einer coronabedingten Umstrukturierung der Bearbeitungsprozesse zusammen“, informierte Ester. Die Zahlungsfristen hätten sich jedoch prinzipiell nicht geändert, ergänzte der Sprecher.

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Eltern fordern kostenfreies Ferienticket

Wenig Hoffnung lässt er den Eltern, die sich, gewissermaßen als Entschädigung für die Kosten ohne Nutzung der Beförderung für ein kostenfreies Ferienticket für die Schüler ausgesprochen haben. Das kostet im Normalfall für das Gebiet des VMS und des Verkehrsverbunds Vogtland (VVV) zusammen 19 Euro, für ganz Sachsen 30 Euro. Für den Preis können die Schüler und Azubis bis zum 21. Geburtstag während der Sommerferien vom 18. Juli bis zum 30. August alle Busse, Straßenbahnen, Nahverkehrszüge und fast alle Fähren nutzen.

„Zu finanzieren wäre eine solche Gratis-Ferienticketaktion, die für alle gelten müsste, seitens des VMS nur über die Verkehrsunternehmen. Diesen 17 Unternehmen entstehe im Jahr 2020 coronabedingt ein Verlust von knapp 30 Millionen Euro. „Es ist schlicht kein Geld für Geschenke da“, betont Ester. Vielmehr möchten die Unternehmen um Verständnis bitten, dass ein solcher Schritt angesichts der Zustände nicht möglich ist.

Schulfahrplan in den Ferien

Landtagsabgeordnete Marika Tändler-Walenta (Die Linke) fordert indes eine Änderung der Satz über die Schülerbeförderung. Es sei einfach nicht vermittelbar, die Familien der Schüler für die nicht in Anspruch genommenen Leistungen aufkommen zu lassen, so die Politikerin. „Es ist auch über die Sommerferien hinaus nicht abzusehen, inwieweit neue Ausbrüche weitere Schulschließungen erzwingen könnten oder, ab wann ein Regelbetrieb wie wir ihn kannten mit langfristiger Planung, stattfindet. Daher wird eine Anpassung der Satzung, welche Möglichkeiten zur Rückerstattung einräumt, unter Umständen die einzige Option sein“, meint Tändler-Walenta.

Darüber hinaus regt sie an, dass während der geplanten Sommerschule in der ersten und fünften Woche der Sommerferien nach normalem Schulbusbetrieb gefahren werden sollte. „Damit an den Bildungsangeboten jeder Schüler teilnehmen kann“, begründet Tändler-Walenta.

Fast 14.500 Schüler mit dem VMS unterwegs

Doch auch das wird so ohne Weiteres möglich sein, verdeutlicht Falk Ester. Die Ferienzeit liege außerhalb der geförderten notwendigen Schülerbeförderung, da diese nur nach stundenplanmäßiger Unterrichtszeit erfolge. Die Bildungsangebote in der ersten wie fünften Ferienwoche seien freiwillig. Daher sei hierfür der reguläre ÖPNV zu nutzen. „Oder die Kinder werden privat befördert“, sagt Ester. Eine Schülerbeförderung in dieser Zeit, wie sie die Linken-Abgeordnete wünscht, müsse gesondert finanziert werden.

Diesbezüglich sei aber noch niemand auf den Zweckverband zugekommen. Im Gegenteil: In einem Schreiben des Sächsischen Kultusministeriums an die Schulen, dass dem ZVMS vorliegt, heißt es: „Es wird davon ausgegangen, dass Schüler den ÖPNV nutzen oder auf privater Basis die Beförderung planen. Das SMK wird sich bei den Trägern des ÖPNV für eine möglichst flexible Planung in den betreffenden Sommerwochen einsetzen. Die Schulleiter sollen die Taktzeiten des ÖPNV bei der Angebotsplanung berücksichtigen.“

Im Schuljahr 2019/2020 sind vom ZVMS im Auftrag des Landkreises 14.453 Schüler befördert worden. Mit rund 13.300 haben die Meisten davon den Linienverkehr genutzt. Rund 1.100 haben auf den freigestellten Schülerverkehr zurückgegriffen.
Ausfälle bis zu 100 Prozent

Fahrgastverluste bis zu 100 Prozent

Wie sehr sich die Corona-Krise bisher auf den VMS ausgewirkt hat, ist während der jüngsten Sitzung des Verbandes kurz angesprochen worden. „Wir hatten massiv sinkende Fahrgastzahlen“, sagte Mathias Korda, zuständig für Verkehr/Infrastruktur beim VMS. Vor allem den überregionalen Bereichen habe es hart getroffen. Die Ausfälle in den Verbindungen nach Dresden, Leipzig, Riesa oder Hof hätten bei 90 bis 100 Prozent gelegen. Teilweise wurden Fahrpläne ausgedünnt. Auf der anderen Seite musste der VMS mehr in Schutzvorrichtungen, Desinfektion und Reinigung investieren. „Der Aufwand ist deutlich größer, als zuvor. Das kostet Geld. Aber wer bezahlt das eigentlich?“, so Korda.

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