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Riesa

Vodafone-Kunde fühlt sich verschaukelt

Ein Riesaer versucht verzweifelt, seinen Vertrag zu kündigen. Man habe ihm falsche Versprechen gemacht, sagt er.

Schon Anfang des Jahres kursierten einzelne Warnungen vor unseriösen Internet- und Fernsehverträgen. Damals beruhigte der Anbieter. Und nun?
Schon Anfang des Jahres kursierten einzelne Warnungen vor unseriösen Internet- und Fernsehverträgen. Damals beruhigte der Anbieter. Und nun? © Christin Klose/dpa (Symbolbild)

Riesa. Der Tisch in Peter Kreckschs Wohnung ist voll. Ein Dokument liegt am anderen: Vertragsabschlüsse, Kündigungen, Antwortschreiben, Beschwerdebriefe. Seit Monaten kämpft der Riesaer darum, aus einem Vertrag mit dem Telefonanbieter Vodafone auszusteigen, den er erst Anfang des Jahres abgeschlossen hatte. Die Schreiben auf seinem Tisch, sie waren bisher vergebens, erzählt der Rentner.

Hintergrund des Streits mit dem Anbieter ist eine Umstellung des Fernsehanbieters von Anfang des Jahres. Vodafone übernahm die Grundversorgung – und informierte im Rahmen dieses Anbieterwechsels auch über weitere Angebote, die die Mieter kostenpflichtig dazubuchen konnten. Ein soweit gängiges Prozedere. Nachdem im Netz Warnungen kursierten, dass einigen Mietern unnötige Zusatzleistungen aufgedrängt würden, stellte ein Vodafone-Sprecher nochmals klar: „Die Berater sind nicht darauf aus, den Kunden Sachen aufzuschwatzen.“ 

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In Peter Kreckschs vier Wänden sei aber genau das der Fall gewesen – zumindest schildert es der Riesaer so. Gleich in zwei Punkten fühle er sich getäuscht, sagt Krecksch. Abgeschlossen hatte der leidenschaftliche Anhänger des FC Hansa Rostock die Zusatzverträge nämlich wegen des Sport-Angebots. Der neue Vertrag sollte sein laufendes Abo beim Bezahlsender Sky ersetzen – und noch einige Euro günstiger sein. Jedenfalls sei ihm das suggeriert worden, argumentiert Krecksch. Nur: Beides sei überhaupt nicht der Fall. „Ich hab zwar einige Sky-Programme, aber nicht die, die ich eigentlich will“, erklärt er. „Die müsste ich für weitere zehn Euro dazubuchen.“ Darüber hinaus zahle er zusammengenommen mehr, als ihm der Berater vor Ort vorgerechnet hatte – und mehr als beim Bezahlsender. Unter diesen Voraussetzungen hätte er das Zusatzpaket nie abgeschlossen, sagt Peter Krecksch. Den Versuch einer Aussprache mit dem Vodafone-Kundenberater habe es schon gegeben. Doch der habe Kreckschs Darstellung widersprochen.

Als wäre das nicht genug, hat Krecksch auch noch ständig technische Probleme mit der „Giga-Box“, die für den Empfang notwendig ist. Ständig kämen Fehlermeldungen, beim schrittweisen Durchschalten springe der Sender plötzlich dutzende Programme weiter. Er selbst verstehe nicht viel von der Technik. „Das macht immer mein Junge.“ Auch der sei aber ratlos gewesen. Ein Tausch des Geräts habe bisher noch nicht geholfen, ebenso wenig der Besuch eines Technikers. „Ich will nur noch aus dem Vertrag raus“, sagt Peter Krecksch. Die Kündigung sei auch schon bestätigt – allerdings für Januar 2021. Die Widerspruchsfrist von zwei Wochen ist längst vorbei, für den Vertrag gilt die Mindestlaufzeit. „Ich habe einfach erst spät bemerkt, dass ich mehr zahle als versprochen – weil ich dem Vodafone-Berater geglaubt habe.“ 

In seinem letzten Schreiben an den Anbieter pocht Krecksch auf das Sonderkündigungsrecht. Wenn nicht wegen der angeblich aufgeschwatzten Verträge, dann wenigstens wegen der technischen Probleme. In der Antwort hieß es bisher lediglich, man prüfe, ob ein Kündigungsgrund vorliege und werde zeitnah informieren. „Das war Ende April.“ Auf eine Anfrage zum aktuellen Stand dieser Überprüfung und zu den Vorwürfen gegen den Vertragspartner hat der Anbieter bislang nicht reagiert.

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Auch an die Verbraucherzentrale hat sich der Riesaer schon gewandt. Andere Beschwerden zu diesem Thema „hatten wir in der Form noch nicht“, sagt Mitarbeiterin Karolin Reiber. „Das kann aber noch kommen.“ Vorfristig aus einem Vertrag herauszukommen, sei schwierig – zumindest dann, wenn der Verbraucher auch eine Belehrung beim Vertragsabschluss unterzeichnet hat. Dennoch werde sie nun gemeinsam mit dem Riesaer zunächst einen Widerruf aufsetzen. „Dann müssen wir schauen, wie Vodafone darauf reagiert.“