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Anbieter fürchten Anschläge auf Handymasten

Trotz Corona-Krise läuft der Netzaufbau weiter. Allerdings machen gefährliche Fake-News die Runde - und gipfeln in Straftaten.

Bis Jahresende will Vodafone 8.000 Antennen an 2.800 Standorten für 5G freischalten.
Bis Jahresende will Vodafone 8.000 Antennen an 2.800 Standorten für 5G freischalten. © Federico Gambarini/dpa

Die beiden größten deutschen Mobilfunkanbieter, die Deutsche Telekom und Vodafone, liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wer zuerst den neuen Mobilfunkstandard 5G in die Masse bringt. Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter gab am Mittwoch in einer Video-Pressekonferenz den Startschuss für den Ausbau in der Fläche. 

Der fiel in Berge (Meschede) im Hochsauerland, wo die erste 5G-Mobilfunkstation in Betrieb ging. Bis Jahresende will der britische Telekommunikationskonzern 8.000 Antennen an 2.800 Standorten für 5G freischalten und so das superschnelle Netz auf eine Fläche größer als die Niederlande oder Dänemark bringen. Ab Sommer sollen auch in den ländlichen Regionen in Sachsen 5G-Mobilfunkstationen folgen, heißt es. 

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Noch am gleichen Tag kündigte die Deutsche Telekom an, die „größte 5G-Initiative Deutschlands“ zu starten. Bis zum Jahresende will die Telekom die Hälfte der deutschen Bevölkerung mit 5G versorgen. Beide Unternehmen setzen dabei auf die neue Technologie Dynamic Spectrum Sharing, kurz DSS. Eine Antenne bringt zwei Netze zum Kunden, 5G oder LTE. Je nachdem, ob er mit einem LTE oder einem 5G-Handy im Umkreis der Mobilfunkstation surft, wird das passende Netz bereitgestellt.

Vodafone nutzt für den Ausbau in der Fläche 700 Megahertz-Frequenzen. Sie wurden erst vor wenigen Monaten von der Bundesnetzagentur zur Verfügung gestellt. Ihr Vorteil: Eine 700 Megahertz-Mobilfunkstation versorgt eine Fläche von etwa 20 Quadratkilometern mit 5G. Das ist fünf Mal mehr als eine 3,5 Gigahertz-Mobilfunkstation erreicht. Die 3,5 Gigahertz-Frequenzen werden vor allem zum Netzaufbau in den Großstädten oder auf Flughäfen und in der Industrie genutzt, wo sehr hohe Bandbreiten notwendig sind. Auch dringen 700 Megahertz-Funkwellen tiefer durch Hauswände hindurch. Die schon vorhandenen LTE-Funkmasten werden umgerüstet. So drohen keine Antennen-Wälder, betonen die Vodafone-Manager. 

Der Nachteil: weniger Bandbreite. Während mit 5G auf 3,5 Gigahertz-Grundlage mit mehr als einem Gigabit pro Sekunde gesurft werden kann, erreicht man mit 700 Megahertz nur eine Geschwindigkeit von 200 Megabit pro Sekunde. Aber das sei immer noch erheblich schneller verglichen zu dem Schneckentempo, mit dem sich die Menschen im ländlichen Raum derzeit begnügen müssten, heißt es. „Mit niedrigen Frequenzen bringen wir hohe Bandbreiten bis tief in die Häuser hinein“, erklärt Vodafone Technik-Chef Gerhard Mack. Mit dem neuen Router GigaCube5G, der Anfang Mai auf den Markt kommt und das 5G-Signal in sicheres WLAN umwandelt, würde sich auch so schnelles Internet zu Hause realisieren lassen, wirbt der Mobilfunkanbieter. Deutschland ist das erste Land, dass die 700 Megahertz-Frequenzen zum 5G-Ausbau nutzt.

Eine Verzögerung des Netzausbaus durch die Corona-Pandemie befürchtet Vodafone nicht. In den ersten Wochen des Stillstands habe man sich auf die Grundversorgung konzentriert, dass das vorhandene Netz stabil läuft. Aber auch der Ausbau von 5G und LTE laufe sehr gut. Die Befürchtung, dass sich Genehmigungen für neue Mobilfunkmasten verzögern würden, weil viele Kommunen nun aus dem Homeoffice heraus verwaltet werden, hätten sich nicht bewahrheitet. 

Auch hofft die Geschäftsführung von Vodafone Deutschland, dass ihnen Anschläge auf Handymasten erspart bleiben. In den vergangenen Wochen wurden in Großbritannien und den Niederlanden Dutzende von 5G-Masten angezündet. Auslöser der Anschläge waren Fake News und Verschwörungstheorien, die behaupten, 5G sei Auslöser oder beschleunige die Verbreitung von COVID-19. Laut Ametsreiter war auch das Nightingale Hospital in London betroffen gewesen. Notrufe waren nicht mehr möglich. Er nannte dies „sehr traurig und fahrlässig“.

Aber auch in Deutschland sinkt die Akzeptanz für neue Mobilfunkmasten wie eine Anfang der Woche veröffentlichte Studie des Branchenverbandes Bitkom zeigt. Während sich die eine Hälfte (48 Prozent) der über 1000 Befragten für die Errichtung von Funkmasten ausspricht, sind ebenso viele (48 Prozent) dagegen. Viele machen sich Sorgen um die Gesundheit. Knapp jeder Zweite (45 Prozent) fürchtet elektromagnetische Felder von Funkmasten. „Diese Umfrage hat mich nicht optimistischer werden lassen, ob wir in Zukunft ausreichend Standorte für neue Mobilfunkstationen finden werden“, sagte Vodafone-Technikchef Mack. Trotz Umrüstung bestehender Antennen müssten noch viele tausend neue Masten entstehen, um die Versorgungsauflagen erfüllen zu können, betonte er.

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