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Vogelgrippe-Sorgen im Görlitzer Tierpark

Im Zoo Rostock wütete der Erreger. 60 Vögel starben. Die Gefahr besteht auch für den Landkreis.

© nikolaischmidt.de

Von Sebastian Beutler

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Noch stolzieren die Störche über die Wiesen, noch fühlen sich Hühner und Gänse wohl, noch drehen Enten im Teich entspannt ihre Runden. Die Besucher des Görlitzer Tierparks merken nichts von einer Gefahr. Genauso geht es auch den Familien, die die Anlagen in Zittau und in Weißwasser aufsuchen. Doch die Tierparkdirektoren spielen mit ihren Mitarbeitern seit Tagen den Fall durch, was wäre wenn...

Was wäre, wenn sich wie im Zoo Rostock ein Storch mit dem hochansteckenden Vogelgrippevirus H5N8 infiziert und ihn anschließend an weitere Tiere weitergibt? 60 Tiere mussten in Rostock getötet werden oder verendeten, darunter auch Ibisse, Nacht- und Seidenreiher. Fast zehn Tage war der Zoo geschlossen, erst seit Montag ist er komplett wieder geöffnet – bis auf ausgewählte Bereiche wie die Stelzvogelwiesen und Seevogelvoliere.

Auch im Landkreis sind die Ereignisse im größten Zoo Mecklenburg-Vorpommerns aufmerksam verfolgt worden. Erste Vorsichtsmaßnahmen wurden ergriffen. Denn die Seuchengefahr wird als erhöht eingeschätzt. Das Veterinäramt besuchte die Tierparks in Zittau und Görlitz, Weißwasser folgt demnächst. Zittaus Tierparkdirektor Bernd Großer hat zudem in der vergangenen Woche den ohnehin bestehenden Seuchenalarmplan nochmals mit Amtstierarzt Dr. Ralph Schönfelder abgestimmt. „Auch unsere Mitarbeiter haben wir nochmals für dieses Thema sensibilisiert“, sagt Großer. In Weißwasser hat Direktor Gert Emmrich entschieden, keine Wildvögel mehr in der Tierauffangstation aufzunehmen. Und der Görlitzer Direktor Dr. Sven Hammer beobachtet jetzt noch akribischer, wie sich die frei herumlaufenden Hühnervögel bewegen. Sie sind besonders empfindlich auf das Vogelgrippe-Virus. „Sie spielen für mich eine Art Veterinärpolizei. Denn sie würde es als Erste treffen, wenn der Virus im Tierpark wäre“, sagt Hammer, der auch Tierarzt ist.

Dass die Möglichkeit einer Ansteckung jederzeit besteht, ist allen klar. Alle drei Tierparks im Landkreis haben Vögel, zumeist Gänse, Enten, Hühner und Störche, aber auch Sittiche, Geier, Fasane oder Kraniche. Und der Zittauer Bernd Großer will auch für seine Pinguine die Gefahr nicht ausschließen. Deswegen steht auch das Veterinäramt des Landkreises im laufenden Kontakt mit ihnen. Über eine zentrale Nachrichtenstelle im Freistaat verfolgt Ralph Schönfelder die Lage in Rostock sowie die Mitteilungen anderer Bundesländer über Vogelgrippe-Fälle. So wurde der Virus jüngst bei zwei Wildenten im Norden Sachsen-Anhalts und bei einer Stockente in Nordthüringen festgestellt. Der H5N8-Virus tauchte Anfang November in einem Putenhof in Mecklenburg-Vorpommern auf, später in Niedersachsen und mehreren Ländern Europas. Unklar ist, ob die Übertragung über Wildvögel oder den Futter- und Geflügelhandel erfolgte.

Vorsichtshalber erließ der Landkreis vor Weihnachten eine unbefristete Stallpflicht für Geflügel rund um die großen Seen im Kreis sowie entlang der Neiße. Betroffen davon sind auch der Berzdorfer See, der Olbersdorfer See oder der Halbendorfer See sowie die Talsperre Quitzdorf. Bislang, so bestätigt Schönfelder, sind in diesen Schutzzonen, die neben dem Gewässer immer 500 Meter Ufersaum umfassen, kein totes oder ein infiziertes Tier gefunden worden. Trotzdem nimmt der Kreis die Gefahr nicht auf die leichte Schulter und hat jetzt den Transport von Enten oder Gänsen zur Schlachtung, zu Geflügelausstellungen oder -märkten eingeschränkt. Bis Ende März müssen die Tiere sieben Tage vor dem Transport auf das Vogelgrippe-Virus untersucht werden. Bei großen Transporten müssen mindestens 60 Tiere getestet sein.

Bei aller Vorsicht besteht die Gefahr aber latent. Niemand kann verhindern, dass sich Wildvögel mit dem Virus in den Tierparks niederlassen. Immerhin suchen ja auch immer mehr Wasservögel den Berzdorfer See auf. „Passieren kann immer was“, sagt deswegen auch Gert Emmrich. Auch wenn „wir nichts herbeireden wollen“, wie es sein Zittauer Kollege Bernd Großer sagt. Sie hoffen genauso wie der Görlitzer Tierparkchef auf den baldigen Frühling. „Im Winter sind die Tiere gleich aus zwei Gründen anfälliger“, sagt Sven Hammer. „Zum einen versammeln sie sich stärker im Winter, und zum anderen ist ihr Immunsystem geschwächt.“

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