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Vokabeln pauken für kauflustige Tschechen

Die Nachbarn wünschen sich bessere Tschechischkenntnisse bei Dresdner Verkäufern. Diese belegen jetzt schon in der Ausbildung extra Sprachkurse.

© Jörn Haufe

Von Sandro Rahrisch

Stephanie Füssel hat sich bei den Damenjacken postiert. An den üppigen Kapuzenpelzen werden die meisten tschechischen Kundinnen nicht einfach so vorbeigehen, weiß die Verkäuferin aus Erfahrung. Seit zwei Monaten kann sie die ausländischen Gäste mit einem herzlichen „Dobrý den“ im Karstadt begrüßen, denn für die schnell wachsende Kundschaft aus Osteuropa lernt die 17-Jährige jetzt deren Sprache.

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Im Schnitt geben tschechische Kunden an einem Shoppingtag in Dresden 187 Euro aus, Tendenz steigend. Es ist weniger der Preis, der die Tschechen in die City lockt, sondern das breite Angebot, wie aus einer Kundenumfrage der IHK hervorgeht. Demnach kaufen die Nachbarn hier vor allem Bekleidung, Schuhe und Lederwaren. „Oft kommen sie dann mit richtigen Bergen an die Kasse“, sagt Stephanie Füssel. Die meisten von ihnen kommen aus Prag. Die Tschechen nehmen für die Shoppingtour eine Strecke von durschnittlich 120 Kilometern in Kauf. Die IHK fand auch heraus, dass die Tschechen bei den Sprachkenntnissen der deutschen Verkäufer die größten Reserven sehen. Trotzdem ist Stephanie Füssel nur eine von insgesamt 15 Schülern im Tolkewitzer Berufsschulzentrum „Franz Ludwig Gehe“, die den neu angebotenen Tschechisch-Kurs belegen. „Die Aussprache ist schwer“, sagt die Auszubildende, die kurz vor ihrem Berufsabschluss steht. Die Laute werden sehr weich und lang ausgesprochen. Das Alphabet habe außerdem fünf Buchstaben mehr als das deutsche. Zu Hause müsse die junge Dresdnerin dann lange Vokabeln pauken, während ihre Mitschüler längst Feierabend hätten. „Ich sehe das aber so: Ganz ohne Fremdsprachenkenntnisse könnte ich diesen Job nicht machen, schließlich arbeite ich auf der größten Einkaufsstraße Dresdens“, sagt Stephanie Füssel. Und für die wachsende tschechische Kundschaft sei sie eine der wenigen Verkäufer in der Stadt, die sich nicht mit Englisch behelfen muss.

Den nächsten großen Ansturm tschechischer Kunden in der Karstadt-Damen-abteilung erwartet Stephanie Füssel am 17. November, dann haben die Nachbarn Nationalfeiertag.