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Diese Volksbank-Filialen schließen

Die Bank trennt sich von weiteren Zweigstellen. Vier Orte in Ostsachsen sind besonders betroffen.

Das Geld entfernt sich: Die Volksbank Dresden-Bautzen dünnt im kommenden Jahr ihr Filialnetz weiter aus. Bis Ende März wird sich die Bank aus vier Orten in Ostsachsen komplett zurückziehen. Außerdem werden weitere Filialen in SB-Standorte umgebaut.
Das Geld entfernt sich: Die Volksbank Dresden-Bautzen dünnt im kommenden Jahr ihr Filialnetz weiter aus. Bis Ende März wird sich die Bank aus vier Orten in Ostsachsen komplett zurückziehen. Außerdem werden weitere Filialen in SB-Standorte umgebaut. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen.  Die Bürgermeister der Orte habe man bereits informiert, die Mitarbeiter sowieso. Doch der schwierigste Schritt, der steht Thomas Müller, Vorstandssprecher der Volksbank Dresden-Bautzen, noch bevor. Die Kunden müssen davon erfahren, was sich Experten monatelang ausgeklügelt haben. „Wir optimieren unser Filialnetz“, sagt Müller gleich zu Beginn. Es sind gut zurechtgelegte Worte, die weniger negativ klingen sollen. Doch hinter dem schlichten Satz verbirgt sich für einige Kunden eine schlechte Nachricht.

Die Volksbank Dresden-Bautzen wird ihr Filialnetz weiter ausdünnen. Von den bislang 31 Filialen werden ab April nur noch 25 übrig bleiben. Im Detail heißt das: Von drei Standorten verabschiedet sich die Genossenschaftsbank komplett. Betroffen sind Bernsdorf, Guttau und Radeburg. Zudem fällt der Geldautomat in Tharandt aufgrund der sehr unterdurchschnittlichen Nutzung ab dem 1. April ersatzlos weg.

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Und damit ist es noch nicht getan. Die Volksbank-Filialen in Cossebaude, Königswartha und Wilthen werden zu einer Selbstbedienungsstelle (SB) umgebaut. Das heißt, die Mitarbeiter werden gehen, ein Automat bleibt. Die Kunden können zwar noch Geld abheben, werden an diesem Standort aber nicht mehr persönlich beraten. Ähnlich verhält sich das in Altenberg und Neukirch. Auch diese Filialen werden zu SB-Standorten. Es gibt aber eine Besonderheit. Nach Terminvereinbarung finden in den Räumen weiterhin Beratungen statt. Ein Sonderfall ist auch Kamenz. Momentan gibt es dort sogar noch zwei Filialen. Künftig möchte man die Mitarbeiter auf ein Haus konzentrieren. Im anderen Gebäude wird immerhin ein Automat übrig bleiben.

Investition in Millionen-Höhe

An einer Stelle wird gestrichen, an anderer investiert. Etwa drei Millionen Euro will die Volksbank Dresden-Bautzen in den nächsten zwei Jahren in ihre größeren Standorte stecken. Dabei geht es um neue Technik und die Sanierung von Häusern.

Gründe für den Wandel im Filialnetz gibt es viele. Thomas Müller spricht vor allem von der Digitalisierung. Sie verdränge die klassischen Serviceleistungen. Das könne man an einem einfachen Beispiel sehen, sagt er. 98 Prozent der eingehenden Überweisungen kämen heute auf elektronischem Weg zu den Mitarbeitern der Volksbank. „An allen Standorten haben wir eine geringere Frequenz, aber in den kleineren Filialen drückt sich das besonders stark aus“, erklärt Müller. Das heißt, immer weniger Kunden besuchen die Häuser für ihre Geldgeschäfte. Die langanhaltenden Niedrigzinsen spielen natürlich auch eine Rolle bei der Entscheidung. Mit der Konzentration auf die größeren Standorte soll laut Müller „die Wirtschaftlichkeit des Filialnetzes verbesser werden.“ Doch nach welchen Kriterien wurden jetzt jene Filialen ausgesucht, die ab Ende März geschlossen werden? Man habe zunächst viele Daten gesammelt, erklärt der Vorstandssprecher und geht noch etwas weiter ins Detail. Bei der Bewertung der Standorte spielte eine Rolle, wie weit die nächste Filiale entfernt ist, wie viele Einwohner die Gemeinde hat, sogar, wie viele Autos und Fußgänger pro Tag an der Filiale vorbeikommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Banken in Ostsachsen Filialschließungen ankündigen. Bisher war allerdings vor allem der Kreis Görlitz betroffen. So hat zum Beispiel die Volks- und Raiffeisenbank Niederschlesien seit 2012 ihren Bestand um ein Drittel gekürzt. Die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien betrieb im Jahr 2011 noch 45 Filialen. Bis 2020 wird diese Zahl auf 31 schrumpfen. Und auch die Volksbank Dresden-Bautzen musste sich in der Vergangenheit schon von Standorten verabschieden. Erst im März baute das Geldinstitut einen Automaten in Weißenberg und einen in Kreischa ab. Im April legte die Genossenschaftsbank die Filialen in Großröhrsdorf und Bretnig zusammen. Damals hieß es noch, weitere Schließungen von Standorten seien nicht nötig. Man versuche über verkürzte Öffnungszeiten, das Filialnetz aufrecht zu erhalten. Dieser Plan scheint nicht aufgegangen zu sein.

Bankenbranche wandelt sich

Thomas Müller äußert sich nun vorsichtiger. Man kürze das Filialnetz vorerst wie beschrieben. Wobei er mit „vorerst“ nicht sagen will, dass bereits weitere Schritte geplant sind. Vielmehr geht es ihm darum, zu zeigen, wie schnell sich die Bankenbranche wandelt. Man könne nicht sagen, wie es in fünf oder zehn Jahren aussieht.

Und wie kommen vor allem die älteren Menschen nun zu ihrem Bargeld? Thomas Müller antwortet mit einem Beispiel. Er spricht von der Gemeinde Kubschütz im Kreis Bautzen. Dort gab es einst eine Filiale. Inzwischen können die Einwohner bei Edeka ihr Geld abheben. Solche Kooperationen mit Supermärkten hält er für sehr sinnvoll. „Außerdem wird künftig das bargeldlose Bezahlen eine immer größere Rolle spielen“, ist sich Thomas Müller sicher. Der Vorstandssprecher äußert sich auch zu den Mitarbeitern der betroffenen Filialen. Die müssten sich keine Sorgen machen, betont er. Man benötige diese Angestellten in anderen Bereichen. Zum Beispiel im Multikontaktcenter. Hinter diesem langen Begriff verbirgt sich eine Beratungsstelle, die die Kunden per Telefon erreichen können.

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Die Volksbank Dresden-Bautzen hat 111.300 Kunden und 44.800 Mitglieder. Die Bilanzsumme stieg 2019 auf 2.200 Millionen Euro. Das ist ein Plus von 2,6 Prozent. Die Höhe der Kundeneinlagen stieg um 2,8 Prozent auf nunmehr 1.900 Millionen Euro

So verändert sich das Filialnetz.
So verändert sich das Filialnetz. © SZ-Grafik

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