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Volksmusik gegen Corona-Einsamkeit

Seit Wochen können die Bewohner des Pflegeheims in Kriebethal ihre Angehörigen nicht sehen. Die „Hutzenbossen“ sorgen für musikalische Aufmunterung.

„De Hutzenbossen“ brachten am Dienstag Stimmung ins Pflegeheim Kriebethal. Andreas Tiede (links) und Peter Kreißl begeisterten die Bewohner mit Volksmusik, vor allem aus dem Erzgebirge.
„De Hutzenbossen“ brachten am Dienstag Stimmung ins Pflegeheim Kriebethal. Andreas Tiede (links) und Peter Kreißl begeisterten die Bewohner mit Volksmusik, vor allem aus dem Erzgebirge. © Dietmar Thomas

Kriebstein. Es dauert nicht lange, da ist der Funke übergesprungen. Die Bewohner des DRK-Seniorenpflegeheims in Kriebethal wippen mit den Füßen, klatschen und singen. Sie sitzen auf der Terrasse oder vor den geöffneten Fenstern. Grund für die gute Laune ist ein Hofkonzert mit dem Volksmusik-Duo. „De Hutzenbossen of dur“ steht auf Sächsisch an ihrem schwarzen Kleinbus, mit dem sie vor das Gebäude an der Goethestraße gefahren sind.

Im Gepäck haben die beiden Vollblutmusiker Lieder aus dem Erzgebirge, denn von dort kommen sie. Sie spielen aber auch andere bekannte Melodien, von denen sie wissen, dass das Publikum textsicher ist. Für das Konzert in Kriebethal in der Nähe der Talsperre haben sie extra das Lied von der „Fischerin am Bodensee“ in die „Fischerin vom Kriebsteinsee“ umgedichtet.

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Die Idee für die Hofkonzerte kam von einem Chemnitzer Pflegeheim, dessen Leitung bei den Musikern wegen eines Konzerts anfragte. Die überlegten nicht lange. „Derzeit können wir ansonsten überhaupt nicht öffentlich auftreten“ erklärt Andreas Tiede. Bis Ende August seien alle Konzerte, Dorf- und Feuerwehrfeste oder auch das Bergstadtfest in Freiberg, für das sie regelmäßig gebucht werden, abgesagt. 

Unterwegs sind die beiden Musiker nun trotzdem jeden Tag, und zwar in Altenheimen in ganz Sachsen. „Die Nachfrage nach den Hofkonzerten ist groß. Wir bringen den Bewohnern ein bisschen Aufmunterung, und auch für uns ist es gut für die Psyche, wenn wir Musik machen können“, sagt Peter Kreißl und lacht.

Das Hofkonzert ist wohl eine der letzten Veranstaltungen für die Bewohner der Kriebethaler Pflegeeinrichtung. Denn diese gibt es als solche nur noch wenige Monate. Ende August wird das Heim geschlossen. Die Bewohner ziehen nach Mittweida um. Dort investiert der DRK-Kreisverband Döbeln-Hainichen in einen Anbau an die bereits im Jahr 2004 erbaute Pflegeeinrichtung. 

„Einige Bewohner werden künftig zudem in unserem Heim in Hainichen leben“, sagt Enrico Preiß, stellvertretender Leiter des Hauses. „Wir haben die Bewohner nach ihren Wünschen gefragt“, sagt er.

Konzept noch offen

In dem Heim in Kriebethal hätten sich die für ein Altenpflegeheim geforderten Standards nicht mehr umsetzen lassen. Das sei nach vielen Überlegungen, die erst eine Sanierung des Hauses vorsahen, der Hauptgrund für die Schließung gewesen. So gebe es in den Zimmern keine Nasszellen, sondern nur ein Waschbecken. 

Auch die Brandschutzauflagen seien zuletzt nur noch mit großem Aufwand umsetzbar gewesen. Vor Kurzem wurde eine Außentreppe als zweiter Fluchtweg gebaut.
Eigentümerin des Hauses ist die Gemeinde Kriebstein. „Wir möchten es als Pächter behalten und auch weiter bewirtschaften“, so Preiß. 

Welches Konzept in Kriebethal umgesetzt wird, stehe allerdings noch nicht fest. An eine Kurzzeitpflege oder eine Tagespflegeeinrichtung mit betreutem Wohnen sei schon gedacht worden. Entschieden sei aber noch nichts.

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Die Pflegeeinrichtung entspricht nicht mehr den erforderlichen Standards. Deshalb müssen die Bewohner bald umziehen.

Im Moment beschäftige das wegen der Corona-Pandemie bestehende Besuchsverbot die Bewohner auch in Kriebethal sehr. Die Pflegekräfte würden immer wieder erklären, warum Besuche von Angehörigen zurzeit nicht möglich sind. „Trotzdem bleibt die Situation für die Bewohner schwierig.“

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