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Volkssolidarität will Plattenbauten erhalten

Mit einem überraschenden Vorschlag mischt sich die Volkssolidarität in die Debatte um den Abriss von Plattenbauten ein. Die Hilfsorganisation will ehemalige Woba-Häuser in Seidnitz vor dem Bagger retten und sie zu einem sozialen Zentrum umbauen.

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Von Thilo Alexe

Mit einem überraschenden Vorschlag mischt sich die Volkssolidarität in die Debatte um den Abriss von Plattenbauten ein. Die Hilfsorganisation will ehemalige Woba-Häuser in Seidnitz vor dem Bagger retten und sie zu einem sozialen Zentrum umbauen.

Der Volkssolidaritäts-Vorsitzende Werner Schnuppe begründet den Vorschlag mit der demografischen Entwicklung. Anstatt abgerissen zu werden, sollen die Häuser nach einer Sanierung als Anlage für betreutes Wohnen für Senioren fungieren. Die Idee könnte Modellcharakter für die Stadtentwicklung haben und den weiteren Rückbau von preisgünstigen Wohnungen verhindern.

Im Kern geht es um die Plattenbauten auf dem Reichenauer Weg 18 bis 26. Deren Aus ist eigentlich besiegelt. Die Stadt hatte im Zuge der Woba-Privatisierung vor knapp drei Jahren dem neuen Eigner Gagfah den Abriss von 3881 Wohnungen aufgetragen. Doch steigende Bevölkerungszahlen und wachsender Bedarf an billigen Wohnungen haben eine hitzige Debatte in Gang gebracht. Stadt und Gagfah speckten das Abrissprogramm ab.

Die Zeile auf dem Reichenauer Weg, in der Frisör, Sparkasse und der Volkssolidaritäts-Treff Marie beheimatet sind, soll aber dem Bagger weichen. „Bezahlbare Wohnungen müssen erhalten bleiben“, sagt Schnuppe. Seine Idee: Die Volkssolidarität baut die Häuser mit eigenem Geld und ursprünglich für den Abriss geplanten Fördermitteln um. „Es geht um ein Stadtteilzentrum für etwa 13000 Einwohner“, sagt Schuppe mit Blick auf den dicht besiedelten Dresdner Osten. „Wir können das Zentrum selbst und ohne Zuschuss betreiben.“

Betreutes Wohnen umfasst ein Anlaufzentrum mit Sozialarbeitern, Treffpunkte, aber auch die Pflege von Senioren in der Wohnung. „In den östlichen Stadtteilen gibt es zu wenig solcher Angebote“, bemängelt Volkssolidaritäts-Geschäftsführerin Elke Keiner. Der Vorstoß löst ein geteiltes Echo aus. Unwahrscheinlich ist, dass Abriss-Fördermittel in Sanierungsprojekte fließen können. Gagfah-Sprecher Torsten Tragl verweist auf Vereinbarungen mit der Stadt. Der Abriss sei beschlossen. Das Rathaus schließt Verhandlungen nicht aus.