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AfD-Wahlkämpfer bedrängt?

Der Fahrer eines Ford soll kurz vor Rundteil einen Kleintransporter erst überholt, dann stark gebremst und den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt haben.

Symbolfoto
Symbolfoto © dpa

Von Anne Schicht

Alle drei Insassen des Kleintransporters können sich noch gut an den Augustnachmittag erinnern. Sie seien mit etwa 50 bis 60 Kilometer pro Stunde den Berg zwischen Possendorf und Rundteil hochgefahren, sagten sie aus, als sie von einem Kleinwagen überholt worden seien. Nichts ungewöhnliches, ist ja dieser Teil zweispurig und außerhalb der Ortschaften schnelleres Fahren erlaubt. 

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Doch kurz danach, nun schon im Ort, soll der jetzt vor ihnen fahrende Pkw so stark abgebremst haben, dass alle drei Insassen des Transporters nach vorn geschleudert worden seien: „Wäre ich nicht angeschnallt gewesen, wäre ich durch die Fensterscheibe geflogen“, sagte einer der Geschädigten. Gegenstände von hinten seien aber nicht nach vorn gerutscht.

Der Abstand zwischen den Wagen hätte da maximal zweieinhalb Meter betragen. Kurz darauf soll der Ford nochmals beschleunigt und wieder gebremst haben, wenn auch nicht ganz so stark wie beim ersten Mal. Die drei im Transporter fühlten sich genötigt, und sie glauben auch den Grund zu kennen. 

Denn ihrem Fahrzeug war durch Aufdrucke deutlich anzusehen, für welche Partei die Insassen eintreten. Die Männer machten gerade für die AfD Wahlkampf, kamen vom Plakate aufhängen und wollten als nächstes eine Abendveranstaltung vorbereiten.

Einer der Insassen des Transporters zückte nun sein Handy und filmte den Ford. Er erinnert sich, dass sie dann beschlossen hätten: „Jetzt fahren wir dem mal hinterher, um zu sehen, wo er wohnt“, und setzt hinzu: „Um mit ihm ins Gespräch zu kommen.“ 

Der Ford sei dann aber in einen Feldweg abgebogen, dort konnte der Kleintransporter nicht mehr hinterher. Die AfDler drehten um, fuhren nach Dippoldiswalde, um bei der Polizei eine Anzeige aufzugeben. Bei der Polizei hätten sie dann gehört, dass sich schon ein Mann gemeldet hätte, weil er verfolgt worden sei.

Richter ordnet anthropologisches Gutachten an

Der Halter des Kleinwagens, Konrad H., erhielt schließlich einen Strafantrag. diesen ficht er an. Denn er bestreitet, dass er tatsächlich gefahren ist. So landete die Sache vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde. H.s Verteidiger Rico Liebl wies darauf hin, dass es erst kurz nach dem Ortseingangsschild einspurig wird und dort ein beliebter Blitzerplatz der Polizei sei, was wohl das starke Bremsen erklären soll. Noch dazu habe er es selbst schon häufig erlebt, dass man als Linksfahrender dort einfach nicht in die rechte Spur gelassen werde.

Als Zeuge wurde der Polizeibeamte befragt, der die Anzeige aufgenommen hatte. Er konnte sich erinnern, dass zuerst die drei Männer der AfD gekommen wären. Circa zehn Minuten später wäre er von dem Fahrer des Kleinwagens angerufen worden. Auch dieser wollte eine Anzeige aufgeben. 

Auf die Nachfrage des Verteidigers, woher er denn wisse, dass der Anrufer identisch mit dem Angeklagten sei, sagte der Polizeibeamte: „Es war nicht die Rede davon, dass er nicht der Fahrer sei.“ Der Anrufer hätte den Vorfall so geschildert, als wäre er selbst dabei gewesen. Und einen weiteren Insassen des Fords wollen die Geschädigten nicht erkannt haben. 

Auch den Stinkefinger haben sie während der Fahrt wohl nicht gesehen, sondern erst auf dem Video. Der Verteidiger hingegen kann auf dem Video gar keinen ausgestreckten Mittelfinger erkennen. Im Gegenteil, man könne eventuell auch einen gereckten Daumen nach oben vermuten.

Richter Christian Mansch ordnete nun ein anthropologisches Gutachten an. Das soll klären, ob der Fordfahrer auf dem Handyvideo tatsächlich Konrad H. ist. Das Video selbst soll dann am nächsten Verhandlungstag angesehen werden.  

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