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Bei den Mufflons purzeln die Pfunde

Im Wildpark Osterzgebirge bei Geising vermissen Tiere die Besucher. Dabei geht es nicht nur um das willkommene Zusatzfutter.

Auch das Streichelgehege ist verwaist. Fünf junge Ziegen wuseln hier herum. Bei Klemens Schneider gibt es Schmuseeinheiten.
Auch das Streichelgehege ist verwaist. Fünf junge Ziegen wuseln hier herum. Bei Klemens Schneider gibt es Schmuseeinheiten. © Egbert Kamprath

Ostern, das hätte im Normalfall für den Wildpark Osterzgebirge bei Geising traditionell einen Besucheransturm bedeutet. Die Kinder hätten auf dem weitläufigen Areal Ostereier gesucht, während die Erwachsenen bei Blasmusik gesellig im Biergarten gesessen hätten. Doch in diesem Jahr steht leider immer wieder das Wort „hätte“ davor. Die Tore des beliebten Ausflugsziels sind seit drei Wochen zu - und bleiben es auch während der Feiertage. 

Doch die Bewohner, vom Hirsch bis zur Gans, sind nach wie vor da und müssen betreut werden. Wildparkleiter Frank Gössel dazu: „Durch Ostern entgehen uns eine ganze Menge Einnahmen. Jetzt wäre unser Saisonbeginn, und bei dem angekündigten Wetter wären sicher mehrere Tausend Besucher gekommen." Allein von Freitag bis Montag sei das ein geschätzter Ausfall von rund 25.000 Euro. "In einer normalen Woche fehlen jetzt rund 18.000 Euro an Eintrittsgeldern", sagt Gössel. "Vor dem Kassensturz in diesem Jahr habe ich schon etwas Angst. Geldspenden wären da eine große Hilfe. Zumindest ist das Futter gesichert, da die Großmärkte weiter geöffnet haben und damit wie gewohnt Obst und Gemüse liefern.“

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Nachwuchs im Wildpark Osterzgebirge: Ein junges Känguru schaut aus dem Beutel der Mutter.
Nachwuchs im Wildpark Osterzgebirge: Ein junges Känguru schaut aus dem Beutel der Mutter. © Egbert Kamprath

Der Tierbestand ist nicht gefährdet, so Frank Gössel. Dafür stehen die Pfleger jeden Tag bereit. Allerdings gibt es jetzt zwei komplett getrennte Schichten, um einem Komplettausfall des Personals durch Infektion vorzubeugen.

Schade ist für die Besucher, dass sich gerade jetzt ein Wildparkbesuch lohnen würde. Bei vielen Tieren hat sich Nachwuchs eingestellt. So schaut ein junges Känguru aus dem Beutel und erkundet neugierig die Welt. Am 19. März wurde ein junger Esel geboren, der nun an der Seite seiner Mutter durch das Gehege tollt. Tierkinder gibt es außerdem bei den Kamerunschafen, den Mufflons und bei den Ziegen.

Besonders niedlich: Zu Ostern gibt es auch bei den Zwergkaninchen Junge. Doch auch über diese kleinen Wollknäuel können sich nur die Pfleger freuen. Üblicherweise war genau die gefüllte Tierkinderstube ein Garant dafür, dass vor allem viele Familien in den Wildpark kamen. 

Kurz vor dem Osterfest gibt es auch Nachwuchs bei den Zwergkaninchen.
Kurz vor dem Osterfest gibt es auch Nachwuchs bei den Zwergkaninchen. © Egbert Kamprath

Dass die Leute fehlen, ist den Tieren deutlich anzumerken. „Es gibt den gewohnten Trubel nicht mehr. Damwild, Mufflons und Steinwild stehen am Zaun und warten vergeblich auf die Besucher mit den Futterbechern“, erzählt Frank Gössel. Das hat allerdings auch den kleinen Nebeneffekt einer Schlankheitskur, und es purzeln einige überflüssige Pfunde. Andere Tiere schieben lange Weile und laufen unablässig im Kreis. Die Pfleger versuchen, für Beschäftigung zu sorgen, indem sie zum Beispiel das Futter etwas verstecken oder es im ganzen Gehege verteilen.

Erfahrungen mit einer längeren Schließung gibt es im Wildpark bereits. Nach dem Hochwasser 2002 war die Einrichtung ein Vierteljahr zu. Damals zeigte sich, dass die Tiere von den Besuchern entwöhnt waren. 

Am 19. Marz wurde dieser Esel geboren, der inzwischen ausgelassen durch das Gehege tollt, hier mit Tierpflegerin Maika Naß.
Am 19. Marz wurde dieser Esel geboren, der inzwischen ausgelassen durch das Gehege tollt, hier mit Tierpflegerin Maika Naß. © Egbert Kamprath

Das sah man zum Beispiel im Streichelgehege, als die Ziegen aggressiv reagierten. Die Tiere wurden zur Sicherheit vor allem für kleine Kinder ausgetauscht. Aber Frank Gössel hofft, dass die Schließung diesmal nicht so lange dauert. 

Eine weitere Sorge ist die nach wie vor geschlossene Grenze nach Tschechien. Zuletzt kam immerhin ein Viertel der Besucher aus dem Nachbarland. Dass im Wildpark kein Begängnis mehr ist, hat allerdings auch ein ganz anderer festgestellt. Der Fuchs, der normalerweise den Trubel meidet, hat sich unter dem Zaun durch gegraben und drei Hühner und einen Pfau geholt. Das restliche Federvieh hat sich jetzt freiwillig in der schützenden Voliere in Quarantäne begeben.        

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