SZ +
Merken

Volle Kraft auf die Meißner

Der Bauherr Verkehrsbetriebe will mit größerer Mannschaft die Baustelle voranbringen. Es gibt neue Ziele für die Nordfahrbahn.

Teilen
Folgen

Von Peter Redlich

Hier ist der Wurm voll drin, sagt Torsten Zingel. Der Verkehrsbetriebe-Projektleiter für die Baustelle Meißner Straße in Radebeul ist ziemlich angefressen. Wieder Frost, wieder Schnee, wieder müssen Arbeiten verschoben werden. So ging das in den letzten Wochen am laufenden Band.

Zumindest ein paar Plusgrade sind nötig, sagt Zingel. Zum Beispiel, um eine Gasleitung zwischen Querstraße und der Tankstelle in West verlegen und vor allem die Stücken verschweißen zu können.

Man habe zwar schon überlegt, wieder – wie vor Weihnachten – Zelte aufzubauen und die zu beheizen. Aber über die gesamte 500 Meter lange Strecke auf der Nordseite der Meißner Straße geht das sowieso nicht, ganz abgesehen von den hohen Energiekosten.

Jetzt setzen die Bauleute und deren Manager voll auf steigende Temperaturen in der nächsten Woche. Zingel: „Wir haben uns beraten und beschlossen, ab Montag mit voller Kraft und verstärkter Mannschaft an der Meißner Straße zu arbeiten.“ Besonders wichtig sei, in den nächsten vier Wochen soweit zu kommen, dass die Fahrbahn asphaltiert werden kann.

Immerhin, die Tiefbauarbeiten sind zumeist erledigt. Auf der Nordseite, unmittelbar neben der Straßenbahntrasse, mussten über 20 Hausanschlüsse vor den Grundstücken neu verlegt werden. Das sei jetzt erledigt und bei der Kälte nicht einfach gewesen, so der Projektleiter. Jetzt müssen noch Beleuchtungskabel entlang der Nordseite verlegt, anschließend sollen die Borde vorgesetzt werden. Und wenn die stehen, dann können die Asphaltiermaschinen anrücken.

Thomas Zingel: „Wenn die Bauarbeiter von der Firma Hentschke ab nächste Woche dann mal durchziehen können, ist Mitte April als Freigabe für den Autoverkehr realistisch.“ Aber versprechen will das der Projektleiter nicht.

Die Baustelle Meißner Straße, zwischen Radebeul-Mitte und dem Gradsteg im Westen ist seit dem Bau der Meißner vor den Landesbühnen die größte Straßenbaustelle in der Stadt. In beide Richtungen mussten 1 600 Meter Gleis auf einem komplett neu betonierten Unterbau verlegt werden. Mindestens 15 Jahre sollen die neuen Gleise halten. Die gesamte Schienenanlage samt Entwässerung sei auf 80 Jahre Bahnbetrieb ausgelegt, sagen die Fachleute. Damit die Straßenbahnlinie 4 seit Weihnachten 2012 sicher und ruhig auf dem bislang maroden Abschnitt rollen kann, mussten auch die verschlissenen Strommasten und Leitungen mit ersetzt werden. Über 80 Stück sind das. Viele davon stehen in Privatgrundstücken. Aufgestellt zu DDR-Zeiten. Auf dem Fußweg wäre auch heute zu wenig Platz. Erst recht für die fünf bis sechs Meter tiefen Gründungen für die schweren Masten.

Schwer diskutiert wurde auch zwischen der Stadt und der Bürgerinitiative Meißner Straße um einen sogenannten Flüsterasphalt, der die Rollgeräusche der 20 000 Fahrzeuge auf Radebeuls größter Straße vermindern soll. Der kommt nicht, aber immerhin einer, der besser ist als alles Vorherige, hat Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) angekündigt. Jetzt warten alle, dass dies bald und nicht erst im Mai geschieht.