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Alexander Waibls provokante Anspielung

Der Trainer der DSC-Volleyballerinnen verweist auf finanzielle Hilfe für Profi-Klubs in Stuttgart. Wieso gibt’s die in Dresden nicht?

Alexander Waibl blickt ein wenig neidisch nach Stuttgart. Dort bekommen Profi-Vereine eine Existenzhilfe, die der Volleyball-Trainer auch in Dresden gern hätte.
Alexander Waibl blickt ein wenig neidisch nach Stuttgart. Dort bekommen Profi-Vereine eine Existenzhilfe, die der Volleyball-Trainer auch in Dresden gern hätte. © Ronald Bonß

Dresden. Alexander Waibl provoziert gern mal mit einer Ansage. „Ich bin schon gespannt, was die Stadt Dresden für uns bereitstellt“, sagte der Trainer der Volleyball-Frauen des DSC bei einem Medientermin. Er spielte damit darauf an, dass die Stadt Stuttgart professionelle Sportvereine wegen der Corona-Krise finanziell unterstützt. Die Landeshauptstadt Baden-Württembergs hat Ende Mai unter anderem zwei konkrete Hilfspakete für den Sport beschlossen.

Für strukturelle Hilfe wird eine Million Euro bereitgestellt. Mit der gleichen Summe sollen zudem die Bundesligisten der Stadt unterstützt werden, ausgenommen die Fußballer des VfB Stuttgart. Von dem Geld könnten in erster Linie die American Footballer, Baseballer, Handballer und Volleyballerinnen des MTV Allianz Stuttgart profitieren. Der wiederum ist ein direkter Gegner des DSC in der überschaubaren Spitze der Bundesliga.

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Unterstützung führt zur Wettbewerbsverzerrung

Falls die eine Million Euro Existenzhilfe zu gleichen Teilen aufgesplittet wird, könnten die MTV-Volleyballerinnen also mit 250.000 Euro rechnen, vermutlich sogar mit mehr. „Für die existenzielle Hilfe der Stuttgarter Bundesligisten gibt es keinen Verteilerschlüssel. Es wird eine Betrachtung und Prüfung der jeweiligen tatsächlichen Situation der Bundesligisten erfolgen müssen“, antwortet Horst Jesinger aus dem Amt für Sport und Bewegung der Stadt Stuttgart auf eine SZ-Anfrage. Kim Renkema, Sportdirektorin der Stuttgarter Volleyballerinnen, verdeutlicht: „Wir müssen natürlich genau nachweisen, welche Verluste wir aufgrund der Corona-Krise machen. Die städtische Hilfe wird wohl für uns erst mit der neuen Saison relevant.“

Wie hoch die Summe auch immer ausfällt, sie ist als Soforthilfe, als Subvention gedacht und unterscheidet sich daher maßgeblich von den Darlehenshilfen für den Sport in Sachsen. Auch die Profivereine Stuttgarts haben die infrage kommende staatliche Unterstützung zumindest beantragt. Das könnte in Summe, also mit dem Hilfspaket der Stadt, zu einer Wettbewerbsverzerrung führen. So ist wohl Waibls süffisante Anspielung gemeint.

Landeshauptstadt verweist auf Freistaat Sachsen

Oder kann Dresden ein ähnliches Hilfspaket auf die Beine stellen? Die Antwort ist kurz, knackig, nachvollziehbar – für den DSC vermutlich ernüchternd. „Wir sind mit den Vereinen im Gespräch. Es sind seitens der Vereine keine drohenden Insolvenzen angezeigt. Für die Vereine gibt es Hilfen vom Freistaat“, teilt der Geschäftsbereich Finanzen, Personal und Recht der sächsischen Landeshauptstadt auf SZ-Anfrage mit. Heißt im Klartext: Von der Stadt ist keine Soforthilfe für Dresdens Profivereine angedacht.

Was wiederum zumindest Jörg Dreßler, Geschäftsführer der American Footballer der Dresden Monarchs, nicht verwundert. „Wir pflegen mit der Stadt einen offenen und fairen Umgang und Austausch, sind mit der Unterstützung, die wir bisher erfahren haben, vollauf zufrieden“, erklärte der Manager des Erstligisten. Einen Wettbewerbsvorteil des Monarchs-Ligarivalen Stuttgart Scorpions sieht Dreßler nicht.

Darlehen verschafft Luft zum Atmen

Waibl relativiert seine forsche Forderung später und ordnet sie entsprechend ein. „Wir schaffen Integration und vermitteln Werte, die unsere Gesellschaft gut gebrauchen kann. Das kostet Geld. Das Geld bekommt der Fußball durch Fernsehanstalten, andere Sportarten nicht“, sagt der gebürtige Stuttgarter – und erläutert: „Deshalb muss das Geld woanders herkommen, wenn wir es in der derzeitigen Situation über Sponsoren und Zuschauer nicht erwirtschaften können.“ Stuttgart habe schon mal vorgelegt. Ihm sei auch klar, dass die finanzielle Situation der Städte unterschiedlich ist. Letztlich gehe es um politische Entscheidungen und Prioritäten. „Und ich hoffe, dass der Sport eine entsprechende Priorität bekommt“, betont Waibl.

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Den DSC-Volleyballerinnen bleibt wie allen anderen Profi-Teams Sachsens die Möglichkeit, Zuschüsse oder Darlehen aus dem Förderpaket des Freistaates zu beantragen. Dafür stehen insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung. Im Kern regelt die Förderrichtlinie die kurzfristige und unbürokratische Vergabe von Zuschüssen zur Existenzsicherung bis zu 10.000 Euro. Darüber besteht in Abhängigkeit vom Liquiditätsbedarf die Möglichkeit, ein zinsloses Darlehen bis zu 500.000 Euro zu erhalten. Ob der DSC davon Gebrauch machen muss und wird, ist derzeit aber offen. „Wir sind noch in den Gesprächen, aber ein Darlehen würde uns für die Liquidität helfen, uns Luft zum Atmen verschaffen“, betont Geschäftsführerin Sandra Zimmermann.

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