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Dresdner Volleyballerinnen lassen sich nass machen

Für den neuen Kalender posieren die Frauen in knapper Bademode. Für Lenka Dürr ein ungewöhnlicher Einstieg beim neuen Verein.

Lenka Dürr lässt sich für den neuen DSC-Kalender nass machen.
Lenka Dürr lässt sich für den neuen DSC-Kalender nass machen. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Der erste Arbeitstag beginnt im Kellergeschoss – und wird unverhältnismäßig nass. Volleyball-Profi Lenka Dürr, der Königstransfer für den Dresdner SC, muss beim alljährlichen Fotoshooting im Wellnessgewölbe des Wyndham Garden Hotels auch viel Haut zeigen, obwohl ihr das eher unangenehm ist. Während sich andere zum Beispiel auf Instagram recht feizügig zeigen, verzichtet die 28-Jährige bis auf wenige Ausnahmen auf solche Motive.

Doch die 22. Auflage des DSC-Kalenders, der am 9. November zu 1.000 Stück erscheinen soll, wird „Splash“ heißen. Das wichtigste Element für die Aufnahmen soll deshalb Wasser sein. Dazu passt nackte Haut. Die knappen Outfits der Damen werden vom Sponsor „Sunny Dessous“ zur Verfügung gestellt. Lenka Dürr sitzt im weißen Bademantel vor dem Spiegel, wird geschminkt, die langen dunkelblonden Haare werden zu einem kunstvollen Zopf gebündelt. Drunter trägt Dürr einen brombeerfarbenen Body.

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„Ich bin nervös, man weiß ja nicht, wie das so abläuft. Da muss die Chemie stimmen“, sagt die 217-fache Nationalspielerin vor den Aufnahmen. Von dem für sie ausgewählten Kleidungsstück ist sie allerdings angetan. „Ich bin eigentlich niemand, der sich so zeigt, sondern eher eine schüchterne Person. Aber damit bin ich doch ganz froh, ein guter Kompromiss zwischen Haut und Textil.“ Beim Shooting taut Dürr zusehends auf – und das, obwohl sie nicht nur die strengen Anweisungen von Fotografin Amelie Jehmlich befolgen muss, sondern auch noch regelmäßig von links und rechts mit einem Eimer Wasser begossen wird. Dürr scheint es zu gefallen, sie hält sich manchmal den Bauch vor lachen.

Emma Cyris
Emma Cyris © Robert Michael/dpa

Das wird anders, als sie über ihre Entscheidung spricht, aus der Nationalmannschaft zurückzutreten. „Es waren elf Jahre komplett mit Volleyball gefüllt“, erklärt sie. Nach der Saison mit ihrem jeweiligen Verein standen immer Reisen und Spiele mit der Auswahl an. Das schlaucht – Körper und den Geist. „Es war ein innerer Ruf, eine Stimme. Es geht immer auch um den Menschen. Das Leben klopft an, das ist sicherlich so“, sagt sie. Lenka Dürr fühlte sich in dieser Hinsicht in den letzten Jahren also zu kurz gekommen. „Die jahrelange Doppelbelastung möchte ich in der Form nicht mehr weiter betreiben, weil ich noch ein paar Jahre im Verein erfolgreich und auf hohem Niveau Volleyball spielen möchte.“

Das wird Trainer Alexander Waibl gern vernehmen. Und Dürr hat auch mehr Freiräume für ihr Privatleben. In dem spielt der neue Co-Trainer des Dresdner SC eine große Rolle. Mit Konstantin Bitter ist die beste Liberospielerin Deutschlands seit Anfang 2019 liiert. Allerdings bezieht das Paar in Dresden zwei Wohnungen. „Wie wir die dann nutzen, ist uns überlassen“, erklärt die Junioren-Weltmeisterin von 2009. Ihren Maine-Coone-Kater Marlin holt die angehende Sportwissenschaftlerin nach.

Milica Kubura beim Fotoshooting.
Milica Kubura beim Fotoshooting. © Robert Michael/dpa

Ihre Wohnung im heimischen Kaufbeuren behält sie dennoch. Denn das Engagement in Dresden ist zeitlich begrenzt, zunächst auf zwei Jahre fixiert. Auf ihrer Position hat es in Dresden allerdings zuletzt sehr, sehr langfristige Lösungen gegeben. Kerstin Tzscherlich spielte von 1999 bis 2013, Myrthe Schoot danach bis 2018. „Ich ziehe das nicht bis Ende 30 durch, das könnt ihr vergessen“, erklärt sie scherzhaft. Dass sie hier in Dresden bereits als Königstransfer tituliert wurde, verwundert Lenka Dürr dennoch. „Ich sehe das nicht so, aber das ehrt mich sicher, wenn andere Leute das anerkennen. Meine Rolle ist auf dem Feld allein schon nicht so angelegt, da agiere ich ja doch eher im Hintergrund“, stellt sie fest.

Allerdings ist Lenka Dürr eine Spielerin, die ins Team von Trainer Alexander Waibl einen enormen Input an Erfahrung auf ganz hohem Niveau einbringt. Lange spielte sie in Vilsbiburg, dann zwei Jahre in Baku, danach in Wroclaw, beim Schweriner SC zuletzt beim rumänischen Topklub Targoviste. Dann stand sie vor der Saison 2018/19 förmlich auf der Straße, fand keinen zu ihren Ansprüchen passenden Verein. „Das war schon beschissen. Ich dachte, jetzt geht gar nix mehr. Es war nicht das Angebot dabei, bei dem ich mich wohlgefühlt hätte. Ich lasse mich nicht für Dumpingpreise verscherbeln, dafür bin ich mir selber zu wertvoll“, betont Dürr.

Mareen von Römer
Mareen von Römer © Robert Michael/dpa

Also hielt sie sich in Vilsbiburg fit, half verletzungsbedingt für einige Wochen aus – und wartete. Bis das Angebot des DSC kam. Dabei war sie vorher oft hier – bei Freundinnen wie Christiane Fürst oder Corina Ssuschke-Voigt. „Dresden und ich – das war Liebe auf den ersten Blick“, sagt sie. Da wusste sie noch nichts vom freizügigen Kalendershooting. Aber im Ernst: Die junge Frau fühlt sich hier schon heimisch. Und sie ist mit den Vorstellungen an die Elbe gekommen, um Titel zumindest mitzuspielen. „Ich denke, deshalb hat der DSC bei mir angefragt. Sie wollen ganz oben mitspielen, das ist auch mein Anspruch“, betont die zweifache Vize-Europameisterin.

In der Wir-Form spricht sie über sich und ihren Verein noch nicht. Aber das wird bei Dürr nur Tage brauchen. „Ich will voll anpacken, auch etwas von mir weitergeben. Ich mache das, so lange sich das gut anfühlt“. Das kann sie am Ende auch über ihren ersten offizieller Arbeitstag für den DSC sagen. Als sie wieder trocken ist.

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