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Ein Weltstar als Talente-Chefin

Christiane Fürst ist zurück in Dresden und hat ein Angebot erhalten, dass sie selbst überrascht hat. Eine Investition auch in ihre Zukunft.

Christiane Fürst zog einst von Dresden aus und wurde eine der erfolgreichsten Volleyballerinnen Europas. Jetzt kehrt sie zurück zu ihren Wurzeln.
Christiane Fürst zog einst von Dresden aus und wurde eine der erfolgreichsten Volleyballerinnen Europas. Jetzt kehrt sie zurück zu ihren Wurzeln. © dpa/Sebastian Kahnert

Ihre erste Amtshandlung ist eine haarige Angelegenheit. Für ein möglichst perfektes Foto von Nachwuchs-Volleyballerin Sarah Straube streicht Christiane Fürst dem 17-jährigen Talent schnell noch ein paar Strähnchen zurecht.

Künftig wird Fürst tiefgründigere Arbeiten erledigen. Die erfolgreichste Dresdner Volleyballerin aller Zeiten wurde am Dienstag als erste hauptamtliche Geschäftsführerin des Ausbildungsvereins VC Olympia Dresden vorgestellt. In Personalunion wird die 34-Jährige zugleich den Volleyball-Bundesstützpunkt Dresden leiten. Beide Aufgaben übernimmt sie zum 1. November 2019. Die Entscheidung für die dreifache Champions-League-Siegerin ist eine für die Zukunft, auch wenn der Kontrakt mit der 345-fachen Nationalspielerin vorerst nur bis Ende 2020 gilt. „Natürlich ist die Zusammenarbeit auf eine sehr langfristige Perspektive ausgerichtet“, sagt VCO-Vize Thomas Kettmann. Der VC Olympia greift mit der Verpflichtung von Fürst einer gravierenden Strukturveränderung im deutschen Volleyball vor.

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Volleyball-Bundesstützpunkte sind nur bis 2020 gesichert

„Eine hauptamtliche Stelle benötigen wir als Anforderung für den Bundesstützpunkt. Die mit Christiane zu besetzen, ist für uns die bestmögliche Lösung“, erklärt Kettmann. Die Installation einer hauptamtlichen Position an jedem der vier Volleyball-Bundesstützpunkte für den Frauenbereich ist nicht verpflichtend. „Das wird aber kommen, ist bislang noch ein weiches Kriterium“, erklärt der bisherige ehrenamtliche Chef Maik Vogt. Nur bis 2020 sind die Bundesstützpunkte im Volleyball gesichert. Wie darüber im nächsten Olympiazyklus entschieden wird, vermag niemand seriös zu formulieren.

Über kurz oder lang, sagt Vogt, werden die durch öffentliche Gelder unterstützten Zentren in der heutigen Form aufgelöst. „Die Verantwortung für die Ausbildung des Nachwuchses wird immer mehr zu den Erstligisten verschoben werden –  ähnlich wie im Handball oder Basketball“, verrät Vogt. Es wird darauf hinauslaufen, dass Volleyball-Erstligisten künftig für den Erhalt der Lizenz verpflichtend Nachwuchsleistungszentren – oder wie immer das Projekt dann benannt wird – installieren müssen. „Für den DSC sind wir die ideale Basis, während sich andere Vereine da komplett umstrukturieren müssen. Da sind wir drei, vier Jahre voraus“, sagt Vogt. Mit 23 Meistertiteln im Nachwuchs gilt Dresden als erfolgreichster deutscher Nachwuchsstandort.

Der VCO ist der Ausbildungsverein für den fünffachen deutschen Meister DSC und kann mit seiner Juniorinnen-Mannschaft als Bundesstützpunkt per Ausnahmegenehmigung ohne Auf- und Abstiegsrecht in der 2. Bundesliga mitspielen. Aus spielrechtlichen Gründen durfte der Nachwuchs aber nicht unter dem Titel DSC II antreten, sodass 1999 das Projekt VC Olympia (anfangs noch Pirna) gegründet wurde. Damals mit an Bord: die 14-jährige Christiane Fürst. Die startete acht Jahre später eine Weltkarriere: zweimal Vize-Europameisterin, dreimal Klub-Weltmeisterin, nationale Titelträgerin in Deutschland (natürlich mit dem DSC), Italien, der Türkei und zuletzt Pokalsiegerin in Japan. Auf ihrer Position im Mittelblock galt sie als weltbeste Spielerin.

Nun soll die Weltenbummlerin wieder im Dresdner Volleyball einsteigen – als Macherin. Dafür braucht Fürst sicher Zeit – und die bekommt sie auch. „Ich werde mich in den nächsten Monaten damit beschäftigen, die ganzen Strukturen kennenzulernen, die Mädels, die Trainer. Das ist schon mal eine große Aufgabe. Mir fehlen elf Jahre VCO-Geschichte“, sagt Fürst.

Geschäftsführerin beginnt noch mal ein Fernstudium

Schritt für Schritt soll Fürst, die einen Magister für Geschichte und Sprachwissenschaft in der Tasche hat, an das operative Geschäft herangeführt werden. „Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe. Ich kann da reinwachsen“, erklärt die junge Mutter, deren Sohn Gabriel Constantin Ende November ein Jahr alt wird. „Ich bin sehr dankbar für dieses Angebot, mit dem ich nicht gerechnet habe“, sagt sie offen. Um sich besser für die neue Aufgabe zu rüsten, hat Fürst zudem jetzt ein Fernstudium für BWL und Wirtschaftspsychologie begonnen.

„Wir sind der großen Überzeugung, dass Christiane ein extremer Gewinn ist für den Verein“, sagt Kettmann. Mit ihrem unglaublichen Erfahrungsschatz will und soll die ehemalige Leistungssportlerin „auf jede Befindlichkeit von jeder Nachwuchsspielerin reagieren können, die Mädels einfach auf ihrem Lebensweg begleiten“, formuliert sie. „Wir haben für uns beschlossen, dass wir eine Struktur aufbauen, in der wir selbstständig und selbstbestimmt agieren können“, sagt Kettmann.

Auf diesem Weg ist Fürst ein zentraler Baustein. „Rückenwind vom Verband und von der Kommune sind wichtig, aber wir müssen davon ausgehen, dass der nicht stärker wird“, baut Kettmann vor. Eine Vision vermag Fürst noch nicht zu formulieren. Dabei springt ihr der Klub-Vize zur Seite. „Eine deutsche Volleyball-Nationalmannschaft zu Olympia zu bringen, die ein stark Dresden geprägtes Gesicht hat", sagt er. So wie damals also, bei der Generation von und mit Christiane Fürst.

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