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Riesa

Volltrunken durchs Dorf

Eine Gruppe junger Leute feiert mit Bauarbeitern. Dann kommt es zu Schlägen – und einer wilden Autofahrt.

Der Bunker in Nünchritz wird gern von jungen Leuten zum Feiern angemietet. Eine dieser Partys fand im März 2018 aber ein jähes Ende, als am Friedrich-von-Heyden-Platz Bauarbeiter mit ihrem Auto für Furore sorgten.
Der Bunker in Nünchritz wird gern von jungen Leuten zum Feiern angemietet. Eine dieser Partys fand im März 2018 aber ein jähes Ende, als am Friedrich-von-Heyden-Platz Bauarbeiter mit ihrem Auto für Furore sorgten. ©  Sebastian Schultz

Nünchritz. Nach der Party ist vor der Party – das zumindest dachte sich eine Gruppe junger Männer und Frauen im März vergangenen Jahres. Die Truppe hatte die Nacht von Sonnabend auf Sonntag im Bunker in Nünchritz durchgefeiert, nun ging es ans Aufräumen. Auch dabei leerten die Mittzwanziger das eine oder andere Bier. Die Stimmung war noch immer ausgelassen. 

Irgendwann bemerkten sie die Bauarbeiter, die auf der angrenzenden Baustelle eine kleine Grillparty veranstalteten, und luden die Männer aus Osteuropa zu sich ein. Die beiden Gruppen verstanden sich, tranken gemeinsam kroatischen Schnaps und hörten stundenlang Musik. Doch gegen Abend wurde einer der Osteuropäer plötzlich aggressiv und teilte mit Schlägen gegen Partybesucher aus. Der Gastgeber, der den Bunker zu seinem Geburtstag gemietet hatte, schickte die Bauarbeiter daraufhin vom Gelände. Dann rief er die Polizei.

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Der Schläger und ein anderer Mann stiegen eilig in einen VW Caddy. Doch statt sich aus dem Staub zu machen, drehten sie mit Wagen ihrer Baufirma unzählige Runden um den Friedrich-von-Heyden-Platz. Mindestens eine Viertelstunde lang rasten die Männer laut Zeugen mit dem Dienstwagen über die Straßen, teils fuhren sie mit zwei Rädern auf dem Gehweg. Am Steuer saß aus Sicht der Staatsanwaltschaft Filip M.*, ein 29-jähriger Slowene. Sein Problem: Bei einer Blutentnahme stellte die hinzugerufene Polizei einen Alkoholwert von 2,2 Promille fest. Deshalb muss sich der Bauarbeiter nun wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr verantworten.

Vor Gericht beteuert Filip M. aber seine Unschuld. Er lässt seinen Verteidiger erklären: Nach dem Streit am Bunker habe er das Grundstück verlassen und auf der Baustelle auf seine Frau gewartet. In dem Caddy, der derweil um den Friedrich-von-Heyden-Platz kreiste, habe Filip M. deshalb nicht gesessen. Dass die Polizei letztendlich ihn für den Fahrer hielt, müsse eine Verwechslung sein. Der eigentliche Fahrer sei ein ihm nicht näher bekannter mazedonischer Arbeiter, der bei der Party dabei gewesen sei. Der habe das Auto gefahren, sei nach Eintreffen der Polizei aber geflüchtet. Diese habe dann zufällig Filip M. in der Nähe des Autos angetroffen, weil der sich zu diesem Zeitpunkt als Einziger auf dem Grundstück aufgehalten habe.

Eine Version, die bei den Polizisten, die zum Ort des Geschehens gerufen wurden, für Zweifel sorgt. „Auf mich wirkte der Angeklagte, als habe er sich auf dem Grundstück verstecken wollen“, sagt einer. „Und im Gras direkt neben der offenen Fahrertür fanden wir ein Handy.“ Filip M. behauptete erst, dass das Telefon nicht ihm gehöre, bekannte sich später aber doch zu ihm.

Ob tatsächlich Filip M. hinter dem Steuer des Caddys saß und volltrunken seine Runden durch Nünchritz drehte, wagen die jungen Leute, die ihn und seine Kollegen zuvor zum gemeinsamen Feiern eingeladen hatten, heute nicht mehr zu beurteilen. Keiner von ihnen erkennt den Slowenen vor Gericht wieder. Kurz nach dem Vorfall hatte einer der Partybesucher noch angegeben, dass der Fahrer des Wagens jener Mann gewesen sei, der sich zuvor als Filip vorgestellt hatte. Für den Verteidiger von Filip M. reicht das nicht: Er will noch den Onkel von M. als Zeugen hören. Der hatte damals nicht nur die Schläge verteilt, sondern auch auf dem Beifahrersitz des Caddys gesessen.

*Name von der Redaktion geändert.