merken
PLUS

Vom Ahorn bis zur Wild-Tulpe

Heinrich Uhlmann hat über Jahre die Standorte von Pflanzen dokumentiert. Nun ist sein Lebenswerk gedruckt.

Von Peggy Zill

Als ehemaliger Biologielehrer und ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter beschäftigt sich Heinrich Uhlmann schon seit Jahrzehnten mit Pflanzen. Nun hält der 75-Jährige sein Lebenswerk in den Händen. Auf 438 Seiten hat er die Fundorte von Farn- und Samenpflanzen in den Altkreisen Döbeln und Mittweida sowie den Randgebieten zusammengefasst.

Gesundheit
Gesund und Fit
Gesund und Fit

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

„Das ist ein kleiner Schatz“, sagt der Döbelner Naturschutzbeauftragte Siegfried Reimer, der für die Flora auch seine Funde beigesteuert hat. Die Region nördlich der Eisenbahnstrecke bei Döbeln sei vorher noch nie erfasst worden. „Dabei sind die alten Steinbrüche besonders wertvolle Standorte“, so Reimer, der das Buch nicht nur Botanikern, sondern auch Schulen und Naturschutzvereinen empfiehlt. So ein Buch, in dem die gesamte Pflanzenwelt erfasst ist, sei eine einmalige Sache und werde es in den nächsten 100 Jahren wohl nicht mehr geben. Denn Heinrich Uhlmann hat über Jahre sehr viel Arbeit in seine Flora-Recherchen gesteckt. „Nun musste es endlich abgeschlossen werden. Das war immer mein Lebenstraum, dass das Buch gedruckt wird“, so Uhlmann.

Über 1 000 Pflanzenarten sind aufgeführt, schätzt Uhlmann. Einen Großteil davon hat er selbst gesehen. Darunter sind auch viele seltene Arten wie der Alpen-Ziest. „Es ist schwierig, solche Vorkommen zu finden“, sagt Heinrich Uhlmann. In der Region Waldheim und in den Kalkbrüchen bei Berbersdorf konnte er einzelne Pflanzen entdecken. Alte Aufzeichnungen von Botanikern belegen, dass es den Alpen-Ziest auch in Kriebstein gegeben hat. „Dort habe ich ihn nicht gefunden, dafür habe ich vier andere Vorkommen in der Gegend entdeckt“, erklärt der Naundorfer, der in den vergangenen sechs Jahren auch häufig mit Siegfried Reimer unterwegs war, um die Standorte zu dokumentieren.

Seit 1960 macht sich Uhlmann schon Notizen. „Diese wegzuschmeißen, wäre eine Dummheit“, sagt der Rentner. „Ich wollte alles festhalten, damit diejenigen, die sich später dafür interessieren und bestimmte Pflanzen suchen, sie auch finden können.“ So erging es ihm zum Beispiel selbst mit der Wild-Tulpe, die bereits auf der Roten Liste steht, also bedroht und sehr selten ist. Aus alten Aufzeichnungen ging hervor, dass die Wild-Tulpe 1922 in einem Garten in Etzdorf gewachsen ist. Heinrich Uhlmann machte sich auf die Suche und entdeckte sie 2007 und 2008 auf einer Wiese. Manche Naturschützer behalten ihre Funde lieber für sich, weil die Gefahr besteht, dass die Pflanzen sonst ausgegraben werden. „Ich finde, man sollte Angaben machen. Nur so können Schutzmaßnahmen organisiert werden“, sagt Uhlmann.

Die Flora habe sich stark verändert. Aus Wiesen wurden Äcker und umgekehrt. „Durch die Düngung sind manche Vorkommen ganz verschwunden“, so Uhlmann. Die sogenannten Neophyten, Pflanzen, die hier eigentlich nicht heimisch sind wie der Riesen-Bärenklau, verdrängen andere Arten. Immer schwieriger wird es auch, Nachwuchs zu finden, der sich für den Naturschutz einsetzt. „Es wäre schön, wenn es mehr Botanik-Interessierte geben würde, weil wir sonst aussterben“, sagt Uhlmann.

„Flora des Mittelsächsischen Lößhügellandes“ wird in der christlichen Buchhandlung in Roßwein, Nossener Straße, für 15 Euro je Exemplar verkauft. Gedruckt wurden 200 Stück.