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Vom Anfang des Altwerdens

Würde und Humor helfen, auf die zurückgelegte Lebenszeit dankbar zurückzublicken.

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Von Stefan Schwarzenberg

Kennen Sie das auch von sich? Älter wurden immer nur die Anderen. Wir hielten uns lange noch für ziemlich jung. Richtig alt war für uns lange eine bestimmte „magische“ Grenze, ein gewisses Alter, von dem wir uns jahrzehntelang noch „Lichtjahre“ entfernt glaubten. Zum Beispiel: der fünfzigste Geburtstag. Wer den erreichte, der gehörte zum „Mittel-Alter“. Der wurde dann auch ernsthaft nicht mehr mit „Junger Mann“ oder „Junge Frau“ auf der Straße angesprochen. – Doch das galt ja, Gott sei Dank, nicht für uns – wir zählten uns zu den Jungen! Doch irgendwann geschieht es in jedem menschlichen Leben: Wir entdecken erstaunt und vielleicht auch überrascht: Wir sind um Jahrzehnte älter geworden und der fünfzigste Geburtstag ist gar nicht mehr weit.

Mir ging das jetzt „plötzlich“ so: In diesem Sommer stand auf einmal der Abi-Ball unserer vierten Tochter an und kurze Zeit später feierten meine Frau und ich Silberhochzeit. Das ging mir, ehrlich gesagt, doch ein bisschen schnell. Aber es war nicht mehr wegzudiskutieren. Da war er unwiderruflich da. Dieser Zeitpunkt, wo das Älterwerden angefangen hatte. Was tun? Mit Wehmut zurückblicken auf die Zeit der Jugend, die aber doch nicht immer nur eine tolle oder schöne Zeit war? – Wir haben es in der Hand: Wir können auch mit Würde und Humor älter werden, auf die zurückgelegte Lebenszeit dankbar zurückblicken. Und im Ernst: Wollen Sie wirklich noch einmal zwanzig sein? Wir waren schließlich als Jugendliche auch manchmal ganz schön naiv und es fehlte uns natürlich an Lebenserfahrung.

Dann kam der große Einschnitt mit der friedlichen Revolution 1989 und der Einheit Deutschlands. Ab 1990 Leben in einem völlig anderen System. Unsere Generation hat den Vorteil, dass das Älterwerden sich auf zwei sehr unterschiedliche Gesellschaftssysteme verteilt. Wir sind noch in der DDR-Zeit großgeworden und konnten und mussten uns dann im wiedervereinigten Deutschland auch beruflich neu zurecht finden.

Kann man also das Älterwerden und schließlich auch das Altwerden mit Gelassenheit und Ruhe angehen wie so manche andere große Aufgabe in unserem bisherigen Leben auch? Ich denke, dass das möglich ist. Mir hilft dabei ein Wort aus der Bibel (Psalm 31, Vers 16): „Meine Zeit steht in deinen Händen!“ Das bedeutet für mich: Ich muss nicht ängstlich auf die Zahl der mir vielleicht noch verbleibenden Lebensjahre starren wie auf einen Abreißkalender, der immer dünner wird. Stattdessen weiß ich, dass mein Leben einen Halt, einen Sinn und schließlich auch ein Ziel hat: ewiges Leben bei Gott! Und diese Perspektive beleuchtet schon jetzt jede Phase meines Lebens. Selbst wenn jetzt bei mir noch dieses Jahr der fünfzigste Geburtstag ansteht – was macht das schon? Älter werden ist gar nicht so schlimm, wie wir manchmal befürchten …!