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Vom Arbeiterwohnheim zum Seniorendomizil

Das Prohliser Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt feiert in diesem Jahr Jubiläum. Seine Leiterin ist von Anfang an dabei.

Von Simone Werner

Schon von Weitem ist die markante rot-weiße Fassade des Prohliser Senioren- heims zu erkennen. Blumenrabatten schmücken den Eingang. Doch das war nicht immer so. Die heutige Heimleiterin Manon Schurtz ist von Anfang an dabei, arbeitet seit 25 Jahren in der Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Damals allerdings betrat die Krankenschwester jeden Morgen einen tristen, grauen Plattenbau.

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Ihren Dienst als Pflegekraft trat Schurtz am 1. April 1989 an. Eine große Herausforderung, wie sich herausstellte. „Bei der Eröffnung des Hauses fehlte die Hälfte des Personals. Händeringend wurde nach qualifizierten Mitarbeitern gesucht“, blickt sie zurück. Im pflegerischen Bereich fehlten Hilfsmittel, spezielle Betten beispielsweise kamen erst nach der Wende aus Westdeutschland nach Prohlis. Das Personal habe mit einfachsten Mitteln schwere körperliche Arbeit geleistet. Auch die technische Ausstattung ließ zu wünschen übrig: Mischbatterien fehlten und Malerarbeiten waren unvollendet.

Für die ersten Bewohner war das Haus dennoch ein Luxustempel mit fließendem Wasser, Aufzug und Farbfernsehen. Das kannten nicht alle DDR-Bürger. Ein Physiotherapeut und ein Arzt kümmerten sich um das Wohlbefinden. Eine kleine Bibliothek sowie eine Kegelbahn dienten der Freizeitgestaltung. Untergebracht waren die Bewohner in Ein-, Zwei- und Vierbettzimmern – damals ein Novum. Üblich waren Schlafsäle für bis zu 16 Personen. Das war ein Grund für die stets hohe Nachfrage. Ein anderer war der Preis: „105 bis 120 DDR-Mark mussten monatlich für einen Platz gezahlt werden“, erzählt Schurtz. Das war erschwinglich. Den Namen „Albert Schweitzer“ bekam die Einrichtung 1990. Zwei Jahre später übernahm die Awo die Trägerschaft. Danach wurden die Vierbett- in Einzelzimmer umgebaut. Die Heimleiterin erinnert sich: „Dafür haben wir viel Kritik geerntet. Aber die Qualität war uns wichtiger.“ 236 Einzel- und drei Doppelzimmer gibt es heute.

Seit der Sanierung 2005 erstrahlt das Pflegeheim in seinen heutigen Farben. Die Modernisierung war für Schurtz eine spannende und auch anstrengende Zeit, denn es wurde während des laufenden Heimbetriebes gebaut. Eine kleine Ausstellung im Foyer des Heimes erinnert heute daran – und bietet einen kleinen Rückblick in die Geschichte des Gebäudes. Das wurde 1979 in direkter Nachbarschaft zum Schloss gebaut und als Bettenhaus genutzt. Die beiden Gebäudeteile dienten fünf Jahre lang Bauarbeitern als Unterkunft. Das waren die Männer, die die Prohliser Plattenbauten errichteten. Ab 1976 wurden im bis dahin ländlichen Prohlis 10 000 neue Wohnungen gebaut. Als die Bauarbeiter die Großbaustelle verließen, zogen zunächst Studenten der TU Dresden und später Mitarbeiter aus Betrieben wie Pentacon und Robotron sowie vietnamesische Arbeitskräfte ein. Diese lebten dort in sehr einfachen Verhältnissen, erst 1987 wurde das Wirtschaftsgebäude mit einer Großküche und einem Kultur- und Speisesaal angebaut. Damals wurden die beiden Bettenhäuser zu einem Pflegeheim umfunktioniert.

Die Umbauarbeiten dauerten etwa zwei Jahre. Der 28. April 1989 war ein stark verregneter Tag – daran erinnert sich Manon Schurtz ganz genau. Denn an diesem Freitag zogen die ersten Bewohner in das neu eröffnete Feierabend- und Pflegeheim an der Georg-Palitzsch-Straße ein. Doch nicht alles lief wie geplant: „Bis zum Mittagessen war noch keiner von ihnen erschienen“, sagt Schurtz. Skepsis machte sich breit. Doch am Nachmittag hatten schließlich alle ihr Quartier bezogen. Bald darauf waren fast alle der 545 Plätze belegt.