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Vom Charme der vertrauten Formen

Kultur. Der Kunstverein würdigt sein ältestesMitglied, den 80-jährigen Manfred Karwofsky, mit einer Ausstellung in der Galerie am Markt 3.

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Von Ulrike Körber

Manch ein Kunstfreund wird achselzuckend an seinen Nackten und seinen Landschaften vorbeigehen, andere Besucher bleiben vielleicht stehen und entdecken Motive aus der Umgebung, wieder welche sind möglicherweise begeistert von den einfachen, klaren Formen und Farben, die Manfred Karwofsky zu bieten hat. „Ich weiß, dass ich nicht alle erreichen kann mit meinen Bildern“, sagt der Coswiger Maler, der zurzeit in der Galerie am Markt 3 ausstellt. Er will auch gar nicht alle erreichen, aber doch die Mehrheit von jenen, die sich für Kunst interessieren. „Für eine kleine, besonders gut ausgebildete Kunstfan-Schicht zu malen, ist nicht in meinem Sinn“, sagt er. „Ich will all die anderen gewinnen.“

Er bleibt beim Gegenstand

Karwofsky ist 80 Jahre alt und ein bescheidener Mann, der nicht mit künstlerischen Effekten beeindrucken will – er malt was er sieht, Frauen, Männer, Landschaften – gegenständliche Bilder, deren Elemente wiedererkennbar sind. Er malt das Banale, einen Waldweg in Moritzburg im Herbst, eine Ansicht von Zadel. Bilder, die dem Betrachter vertraut sind, wo nichts verfremdet ist. Karwofsky schmunzelt: „Ich bezeichne mich eigentlich nicht gern selbst als Künstler, eher als Maler der mit seinen Bildern den Betrachtern das Sehen lehren will.“

Das ist der Punkt. Mit diesem Satz gibt Karwofsky preis, was seine Bilder versteckt zeigen: Er ist Kunsterzieher, hat über Jahrzehnte Schülern Elementares über das Zeichnen und Malen beigebracht. Zwar ist er seit 1990 aus dem Lehrbetrieb raus, doch etwas Schulmeisterliches ist seinen Bildern geblieben. Karwofsky weiß davon.

Was seinem Werk fehlt, ist eine ausgeprägte Handschrift, das Unverwechselbare. Bei einigen Arbeiten, wie den gemalten Akten, deutet sich das an. Andere, vor allem Grafiken wirken eher wie Fingerübungen, wie das bloße Spiel mit verschiedenen Techniken. Die Zeichentechnik beherrscht er allerdings. So kann Karwofsky mit leichter und sehr sicherer Hand in einem Wurf eine Figur hinzaubern, die anatomisch korrekt getroffen und ästhetisch anziehend ist, die er zwar charakterisiert – aber scheinbar doch nicht ergründen wollte. „Wenn man täglich unterrichtet, hat man nebenbei keine Zeit mehr, viel künstlerisch zu arbeiten. Hätte ich wie die anderen Künstler im Verein täglich malen können, wäre ich auch schon viel weiter, als ich jetzt bin“, sagt der 80-Jährige. Das klingt, als würde er versäumte Übungen nachholen wollen. Begonnen hat er damit. „Bevor ich zu den Künstlern im Verein Kontakt suchte, wollte ich erst etwas vorweisen können und meldete mich zum Aktzeichnen in der Jugendkunstschule an“, sagt er. Das war 2003. Zwei Jahre ging er dort regelmäßig hin.

Das Studium der menschlichen Figur gehört für ihn zum Grundlagenstudium der Malerei. Ohne das genaue Hinsehen könne seiner Meinung nach keine Kunst entstehen. Karwofsky hält nichts von abstrakter Spielerei. „So etwas mache ich auch, aber nur um mich mal wieder locker zu malen und mich dann erneut auf das Objekt zu konzentrieren.

Das Tätigsein ist wichtig

Für Karwofsky müssen Bilder dem Vergleich mit der Natur standhalten können, ohne dass sie ein bloßes Abbild sind. „Der größte Erfolg wäre für mich, wenn ein Betrachter sich durch meine Bilder zum Malen animieren lässt, wenn er von einem meiner Gemälde so beeindruckt ist, dass er hinaus in die Natur geht und vergleicht, ob ich die Stimmung getroffen habe und es selbst versucht“, sagt er. Da kommt der Lehrer wieder durch, der seit 15 Jahren, seit seiner Pensionierung, im häuslichen Arbeitszimmer malt, der nicht den Anspruch hat, große Kunst zu schaffen. „Für mich – in meinem Alter ist es nicht mehr das Ergebnis allein, das zählt, sondern das Tätigsein“, sagt Karwofsky. Er ist stolz, seine Acryl-Gemälde oder sensiblen Aquarelle in Meißen zeigen zu können. Seine Arbeiten haben den Charme des Einfachen, der vertrauten Formen.

Der Kunstverein würdigt mit dieser Schau sein ältestes Mitglied.

Die Ausstellung ist bis zum 7. Juli, dienstags bis sonnabends von 12 bis 16 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.