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Weißwasser

Vom eigenen Laden ins Rathaus

Andreas Bänder war 18 Jahre lang Bürgermeister in Bad Muskau. Nun gibt er sein Amt auf eigenen Wunsch ab.

Andreas Bänder (re.) im Gespräch mit Reinhard Hanko vom Bürgeramt. Gemeinsam bearbeiteten und lösten sie in der Vergangenheit viele Anliegen der Bad Muskauer Bürger.
Andreas Bänder (re.) im Gespräch mit Reinhard Hanko vom Bürgeramt. Gemeinsam bearbeiteten und lösten sie in der Vergangenheit viele Anliegen der Bad Muskauer Bürger. © Foto: Joachim Rehle

Von Sabine Larbig

Bad Muskau. Irgendwie ist es schwierig, sich Bad Muskau ohne Andreas Bänder als Bürgermeister vorzustellen. Immerhin ist er seit 1. August 2001 im Amt. Mit fünf gewählten Stadtratsgremien hat er in dieser Zeit zusammengearbeitet, Höhepunkte und Rückschläge in der Stadtentwicklung erlebt, persönliche Sternstunden, aber auch schlaflose Nächte. Nun aber gibt Andreas Bänder auf eigenen Wunsch sein Amt auf. Am 30. August ist sein offiziell letzter Arbeitstag im Rathaus. Weil sein Nachfolger erst am 1. September gewählt wird, führen die Amtsgeschäfte zwischenzeitlich die offiziellen Stellvertreter des Stadtchefs.

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Dass Andreas Bänder einmal das höchste Wahlamt in seiner Heimatstadt – und dazu so lange Zeit – begleiten würde, hätte er selbst am wenigsten für möglich gehalten. Immerhin sah sein Lebensplan anders aus. „Als junger Mann wollte ich zur Handelsmarine. Weil ich aber immer zuviel diskutierte, war die Beurteilung von der Schule leider zu schlecht“, bekennt der 66-Jährige.

Ungeplante Polit-Karriere

Doch Andreas Bänder war schon damals offen für Neues, erlernte kurzerhand das Brauhandwerk in Weißwasser und wechselte später zur Brauerei Bad Muskau, wo er bis zur Wende und Brauereischließung Abteilungsleiter war. An eine politische Karriere dachte der Muskauer damals nicht, wohl aber an einen beruflichen Neustart. Mit der Geschäftseröffnung im April 1990 in Bad Muskau erfüllte er sich einen Wunsch, der ihm in der DDR nie gewährt wurde: selbstständiger Einzelhändler sein. Und er trat damit in die Fußstapfen des Großvaters und Vaters, die ein Fotogeschäft in der Schmelze in Bad Muskau hatten. „Irgendwann fragte mich mal eine Bekannte im Laden, ob ich in die CDU eintreten wolle. Ich überlegte und tat es“, erinnert sich Andreas Bänder, durch dessen Entscheidung sich sein Leben und das der Familie wieder einmal verändern sollte. Denn schon kurz darauf, im Jahr 1998, wurde er als CDU-Kandidat in den Stadtrat gewählt. Drei Jahre später schaffte er als Bewerber seiner Partei bei der Bürgermeisterwahl auf Anhieb den Sprung ins höchste Amt der Stadt.

„Ich dachte damals sehr lange über die Kandidatur nach, bis meine Frau meinte: Mach das, Du schaffst das! Doch wir hatten beide den Aufwand und die Auswirkungen auf unser Leben unterschätzt. Wir schafften es, weil mir meine Frau immer den Rücken stärkte, wofür ich ihr sehr dankbar bin, und weil sie unser Geschäft weiterführte, bevor es unser Sohn übernahm“, erzählt Andreas Bänder, den die Bürger letztlich bei drei Wahlen hintereinander zum Bürgermeister machten. Nun, nach 18 Jahren Kommunalpolitik mit allen Facetten, freut er sich auf den Ruhestand und viel freie Zeit. Die will er künftig mit seiner Frau und der Familie genießen, in Haus, Garten und bei Spaziergängen mit dem Hund verbringen. Lange Urlaubsreisen sind nicht geplant. „So ein 14-Tage-Urlaubsmensch bin ich nicht. Mit meiner Frau mache ich lieber Städtereisen, für die wir nun Zeit haben.“

Rückblickend auf seine Amtszeit, meint Andreas Bänder, schlügen zwei Herzen in seiner Brust. „Ich habe viel Schönes als Bürgermeister erlebt, aber auch Stunden, die man sich nicht hätte antun müssen.“ Für manche schlaflosen Nächte hätten beispielsweise die stürmischen Zeiten rund um die Kita-Übernahme nach der Insolvenz des Trägervereins gesorgt, rund 30 amtsbedingte Gerichtsverhandlungen in nur zehn Jahren oder Zeiten schlechter Haushaltslage und der damit verbundenen Probleme. „Aber ich habe auch persönliche Sternstunden erlebt“, verrät Bänder. „Eine war die Fertigstellung des Neuen Schlosses, in dessen Ruine ich als Kind spielte und für deren Wiederaufbau ich meine ersten 20 Westmark spendete, obwohl ich nicht daran glaubte.“ Damals, kurz nach der Wende, ging es Andreas Bänder wie vielen Bad Muskauern. Letztlich erlebten er und sie aber nicht nur ein aufgebautes Schloss sondern auch die Aufnahme des Pückler-Parks in die Welterbeliste, den Neubau von Schule und Kita, Sanierung von Hermannplatz und Markt und den Wiederaufbau vieler Bauten im fürstlichen Park, wie Brücken oder Gärtnerei. Erfolge, die auch der Beharrlichkeit und dem persönlichen Engagement von Bürgermeister Bänder zu verdanken sind. Und weil er sich von Kindheit an für die Geschichte der Stadt interessierte, war er trotz wenig Freizeit von Anfang an mit Feuereifer im Förderverein Fürst-Pückler-Park aktiv. Der trug und trägt mit dazu bei, dass das historische Bad Muskau seit Jahrzehnten immer mehr erstrahlt.

In Sachen Stadtpolitik, meint Bänder, hinterlasse er dem Nachfolger ein bestelltes Feld. Auch, weil der Freistaat die Liegenschaften des Parks übernahm und viel für Entwicklung von Park und Stadt tat. „Aber es wurmt mich, dass die Kurortentwicklung so viele Jahre ohne Erfolg verlief“, sagt Bänder der auch weiß, dass der Neue im Amt noch Probleme wie Haushaltslage, Stadtentwicklung, Infrastruktur oder die bislang wenig erfolgreiche Herstellung der alten Stadtstruktur lösen muss.

Unerfüllte Träume

„Ein Rathaus am Markt war übrigens ein Traum von mir. Vielleicht wird er irgendwann mal wahr. Und ehrlich gesagt hätte ich gerne noch bei der Villa Pückler, dem Parkhaus oder dem Niederländischen Hof die Einweihungsbänder durchschnitten.“ Als persönliche Niederlagen empfindet er das, was bisher nicht gelang, jedoch nicht. „Wenn man sieht, was in Bad Muskau bereits geworden ist und wie hier die letzte Kommunalwahl für meine Partei ausfiel, kann ich als Bürgermeister nicht alles falsch gemacht haben.“ Dem Nachfolger rät er aber: „Wichtig ist eine engere Zusammenarbeit mit den Gewerbetreibenden. Die habe ich leider nicht so gepflegt, gebe ich selbstkritisch zu.“ Auch das Ehrenamt sei ein Pfund, mit dem man wuchern könne. „Es sollte immer geehrt werden und vielleicht ist ja bald auch etwas finanzieller Spielraum im Haushalt dafür da.“ Vor allem aber müsse ein Bürgermeister immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen haben und diese verinnerlichen. „Und ich wünsche meinem Nachfolger, dass er im Stadtrat einen ebenso kultivierten und sachorientierten Umgang mit- und untereinander erlebt wie ich. Dies gilt auch für die Zusammenarbeit in der Verwaltung, deren Mitarbeitern ich herzlich für die vielen Jahre der Unterstützung, vertrauensvollen und zielorientierten Zusammenarbeit und des angenehmen Arbeitsklimas danke.“

Abschied auf Zeit

Für die Verwaltungsmitarbeiter schmeißt der scheidende Chef natürlich eine Dankeschön-Abschiedsfeier. Sonst erfolgt der Wechsel im Bürgermeisterbüro ohne großen Trommelwirbel, aber strukturiert, geordnet, durchplant. So, wie es Andreas Bänders Art ist. Er zieht sich übrigens nicht ganz von der Bildfläche zurück. Bereits am Wahlsonntag hilft er bei der Stimmenauszählung mit. Dem Förderverein Fürst-Pückler-Park bleibt er als aktives Mitglied und aktuell stellvertretender Vorsitzender treu. Ebenso dem Fußball und dem Verein Rot-Weiß Bad Muskau, dessen Präsident er ist. „Ich mache vieles weiter. Nur im Hintergrund und mit weniger Zeitaufwand.“

Eines ist jedoch fakt: Andreas Bänder wird in Bad Muskau auch im Ruhestand so bekannt sein und bleiben wie der sprichwörtliche Hund. Und sicher wird er weiter zu mancher Einweihungen – für die er als Stadtchef den Weg ebnete – eingeladen. Vielleicht darf er dann sogar das eine oder andere Einweihungsband durchschneiden.

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