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Vom Ende des Gärtnerdorfes

Gompitz. Auch der Ortsteil feiert 800. Geburtstag. Heidi Schmidt schreibt seine Geschichte.

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Von Stefan Rössel

Eigentlich ist die 60-jährige Heidi Schmidt Lehrerin. Mit dem 800-Jahr-Jubiläum des Ortsteils Gompitz ist sie ganz unversehens auch zur Geschichtsschreiberin geworden. Britta Schönberg, die ehemalige Ortsvorsteherin, hatte sie vor zwei Jahren gebeten, an einer Festschrift für das Ereignis mitzuarbeiten. Da sie genügend Zeit hatte – ihre 74. Mittelschule war 2003 geschlossen worden –, übernahm Heidi Schmidt die Aufgabe gern und gründlich. 112 Seiten umfasst die „Festschrift 800 Jahre Gompitz 1206–2006“, die pünktlich zur Jubiläumswoche Anfang Juli vorgelegt wurde.

Es steckt Herzblut in dem Büchlein. Das ist gewiss in großem Maß der Person der Herausgeberin geschuldet. Heidi Schmidt hat ihr Leben lang in Gompitz gelebt – zuerst am Dorfplatz, jetzt in der Ockerwitzer Allee. Als Kind ist sie in Gompitz zur Schule gegangen. Als Lehrerin unterrichtete sie in der Gorbitzer Uthmannstraße, wo auch die Gompitzer Kinder hinkamen.

Plötzlich ist alles anders

Das zweite wichtige Thema, das ihr neben der Heimatverbundenheit in die Wiege gelegt wurde, sind die Gärtnereien. Sie stammt aus einer Gärtnerfamilie und schildert den Aufstieg der Berufsgruppe in Gompitz lebendig, den Niedergang sogar aus eigenem Erleben. Es war nur ein Jahrhundert lang, dass Gärtnereien die Wirtschaft und das Leben des Ortes prägten. 1888 wurde der erste Betrieb in dem noch vorwiegend bäuerlichen Dorf gegründet.

Die politische Wende ab 1989 hatte für die Gärtnereien tiefe Einschnitte zur Folge. Plötzlich gab es eine Schwemme von importiertem Obst und Gemüse auf dem Markt, wie Heidi Schmidt schildert. Zahlreiche Gärtner gaben seither ihre Betriebe auf. Stattdessen siedelten sich Gewerbegebiete an, und die Wohnbebauung nahm zu. „An die Stelle des Gärtnerschiebbocks ist der Einkaufswagen getreten“, bringt es die Autorin auf den Punkt und fasst zusammen: „Letztlich stellte der Wandel nach 1989 die Existenz der Gärtner offenbar vor größere Probleme als zwei Weltkriege.“ Zum Jubiläum wurde sogar ein Gedenkstein für die alten Gärtnereien gesetzt.

Zwei Jahre lang hat Heidi Schmidt an dem neuen Überblick zur Dorfgeschichte gearbeitet. Im ersten sammelte sie das Material im Hauptstaats- und Stadtarchiv sowie dem Kirchenbuchamt. Danach ging sie an die Niederschrift. „Daran habe ich jede Woche zwei Tage lang gesessen“, berichtet sie. Dabei weist sie immer auch auf die Schönheiten des alten Ortes hin.

www.ortschaft-gompitz.de