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PLUS Meißen

Vom Entfesselungskünstler zum Porzellanerfinder

Escape-Rooms gibt es in vielen Städten – weltweit. Es sind reale Räume, in denen Menschen zu Spielfiguren werden. Wie das aussieht, hat die SZ in Meißen beobachtet.

Schummrig ist es im Labor vom Porzellanerfinder Böttger - nachempfunden im neuen Escape-Room in Meißen. Als Figur in einem Spiel wird man in die Zeit um 1700 versetzt.
Schummrig ist es im Labor vom Porzellanerfinder Böttger - nachempfunden im neuen Escape-Room in Meißen. Als Figur in einem Spiel wird man in die Zeit um 1700 versetzt. © Uta Büttner

Meißen. ONE WAY… das ultimative Escape-Abenteuer in Meißen. So steht es geschrieben im Schaufenster in der Fleischergasse 12. Fünf Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren betreten den „Laden“. Hell und modern ist der Empfangsraum eingerichtet. Sie lachen und scherzen, schon voller Spannung, was sie wohl erwartet. Semone Vogt begrüßt die Gruppe. Ihr gehört der „Laden“, in dem ganz außergewöhnliche Dinge verkauft werden: eine Zeitreise in die Vergangenheit, Spannung, Rätselspaß, akzentuiert mit ein klein wenig Grusel.

Semone Vogt klärt die Mädchen vor dem Spiel auf. „Ihr werdet in die Zeit von Johann Friedrich Böttger versetzt. Jede von euch ist ein kleiner Böttger, der von August dem Starken als Gefangener gehalten wird.“ Um das Spiel zu gewinnen - das bedeutet, den Escape-Room wieder verlassen zu dürfen -, müssen mehrere Rätsel gelöst werden. „Ihr habt 66 Minuten Zeit, um die Zutaten zum Porzellan zu finden. Das ist euer Tor zur Freiheit. Ihr müsst euch fokussieren und alle Sinne einsetzen“, sagt die Inhaberin.

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Der Rekord liegt bei 56 Minuten. Den wollen Paula, Anna, Antonia, Sarah und Maike an diesem Tag brechen. Es geht los. Jede bekommt Handschellen angelegt. Klick, die erste Hand von Maike ist gefesselt. Dann soll sie die zweite hinhalten. „Oh, beide?!“, fragt sie überrascht. Kichernd und ahnend, dass es nicht ganz einfach wird, lassen sich die Mädchen fesseln. „Handschellen allein reichen aber nicht. Wie ihr wisst, war Böttger sehr widerspenstig. Deshalb gibt es verschärfte Haftbedingungen“, sagt Semone Vogt. Ahnungslos, in Handschellen führt sie die Mädchen in einen Raum. Dort werden sie angekettet. Das Gefängnistor wird geschlossen. Stille kehrt ein. Ein leises Wimmern von Böttger ist zu vernehmen. Dann ertönt die Stimme August des Starken. Gold möchte er haben. Die Sanduhr wird gedreht: Die Zeit läuft.

Rätsel- und Gruselspaß

Die Mädchen finden sich in einem kleinen Kerker wieder. Im Halbdunkel ist kaum etwas zu erkennen. Zunächst heißt es, sich zu befreien. Aber wie? Anna sagt leicht verzweifelt: „Ich seh' uns schon ne Stunde hier sitzen.“ Die fünf lesen, was an den Wänden steht, versuchen das Rätsel zu finden und zu lösen, um die Schlüssel für die Handschellen zu bekommen. Vergebens. „Ich glaub', wir sitzen morgen noch hier“, meint Paula. Dann die erlösende Erkenntnis. Geschwind befreien sich die Mädels. Während die Letzte noch ihre Handschellen abnimmt, hat Sarah schon flink den Schlüssel für die Gefängnistür ergattert. Der Weg ist frei - in das Labor von Böttger.

Eine Zeitreise in das Jahr 1705. Im schummrigen Schein sind Schreibtisch, Schrank, Chemikalien und allerlei Utensilien schwach zu erkennen. Keine Zeit, um lange zu überlegen. Schnell werden Bilder und Sachen, die an den Wänden hängen, abgenommen. Vielleicht finden sich Rätsel dahinter. Schubladen und Truhen sind verschlossen. Wo sind die Schlüssel? Scheinbar chaotisch wuseln die Mädchen durch den Raum. Lesen einen Brief. Versuchen die Rätsel, die sie gefunden haben, zu lösen. „Oh Gott, das sind so viele Rätsel auf einmal“, sagt Maike. Dann ertönt eine Fanfare, eine dumpfe Stimme ertönt. Der kleine Hinweis von Semone Vogt hilft weiter. Maximal sechs Hilfestellungen gibt es während des Spiels, immer dann, wenn die Protagonisten gar nicht mehr weiterkommen.

Zwei Zutaten für das Weiße Gold wurden inzwischen gefunden. „Uns fehlt übrigens noch eine dritte Zutat“, bemerkt Sarah. Sie und Antonia sehen sich derweil ein altes Fotoalbum an. „Was macht ihr“, fragt Anna. Maike und Paula hocken auf dem Fußboden, versuchen des Rätsels Lösung einer Karte zu ergründen. Und wieder ertönt die Fanfare mit einem Hinweis. „Das ergibt doch aber gar keinen Sinn“, entgegnet Paula. Die Mädchen haben sich aufgeteilt. „Leute, wir haben die nächste Kiste geöffnet“, ruft Maike. Eine Kiste mit Loch kommt zum Vorschein. Maike fasst hinein. Plötzlich ein Schrei. Alle springen wie von der Tarantel gestochen zur Seite.

Die Mädchen nähern sich dem Spielende. Die Zutaten sind gefunden. Die Mischung macht's am Ende. Dann flackert das Licht – das Signal zum Sieg. Und zum Rekord. Gerade einmal 53 Minuten haben die Mädchen gebraucht. Sie sind begeistert über den Escape-Room. „Er ist so authentisch historisch und individuell. Der Meißen-Bezug ist gut. Und die Rätsel passen besser zusammen als in manchen anderen Escape-Rooms“, so lauten die Fazite der Mädchen.

www.escape-meissen.de

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