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Vom Junge-Techniker-Virus infiziert

Der Klittener Frank Spreer lernte als Kind eine Techniker-Station kennen. Das Thema ließ ihn nie los. Jetzt wurde er 60 Jahre alt – und macht weiter.

Frank Spreer war 2002 bis 2017 Vorsitzender des Vereins Station Weißwasser.
Frank Spreer war 2002 bis 2017 Vorsitzender des Vereins Station Weißwasser. © Andreas Kirschke

Sie ist das zweite Zuhause von Frank Spreer – die Station Junger Naturforscher und Techniker in Weißwasser. Weitläufig, mitten im Grünen, erstreckt sich das Gelände. „Der Standort ist passend. Ideal für verschiedene Arbeitsgemeinschaften, für Projekte, für Klassenfahrten, für Übernachtungen. Er sollte unbedingt erhalten bleiben“, sagt der Klittener.

Von 2002 bis 2017 war er Vorsitzender des Vereins Station Weißwasser. Von 1989 bis 2017 leitete er gemeinsam mit Sigmar Geier die AG PC-Technik. Vor kurzem feierte er mit Frau Karola (55) und Familie seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Grund blickte Frank Spreer zurück und erläutert, wie es zu seiner Passion kam.

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Angefangen hat es mit Modellbau

Frank Spreer wuchs in Vorpommern zwischen Neubrandenburg und Stralsund auf. Vorbein (Gemeinde Sassen) heißt sein Heimatort im Kreis Demmin. Seine Eltern arbeiteten als Diplom-Landwirte. Mutter war in der Hauptbuchhaltung tätig. Vater war Bauleiter einer Meliorationsgenossenschaft. „In Sassen ging ich zur Schule. Dort gab es eine AG Modellbau“, erzählt er. Frühzeitig fand der Junge Zugang. Im Projekt „Unser Dorf“ fertigten die Schüler ein Modell im Maßstab 1:120 vom Guts- und Rund-Dorf Sassen an. Zuerst zogen sie mit Kompass, Maßband, Notizblock und Bleistift durchs Dorf, fertigten eine Zeichnung des Ortes an. Aus Holz entstand später maßstabsgetreu ein Modell. Es wurde dauerhaft in der Sassener Schule ausgestellt.

In der Kreisstadt Demmin bestand zugleich eine Station Junger Naturforscher und Techniker. „Dort gab es unglaublich viele AGs“, entsinnt sich Frank Spreer. „Flugzeug-Modellbau und Schiffs-Modellbau, aber auch Matheclub, Fußball, Volleyball, Ringen, Biozirkel. Wie viele Schüler schnupperte ich überall hinein. Schließlich blieb ich im Biozirkel hängen.“ Der Leiter und Biologie-Lehrer weckte Wissensdurst und Forschergeist in den Schülern. Er hörte gut zu und ermutigte die Kinder mitzudenken und kritisch Inhalte zu hinterfragen. Oft ging es hinaus in die Natur. Die Schüler lernten, selbstständig und sorgfältig Pflanzen zu bestimmen. Mitunter gab es kleine zusätzliche Chemie-Experimente. „Unser AG-Leiter ließ uns viele Freiräume. Er hatte die Gabe, im richtigen Moment Hinweise an uns zu geben“, sagt Frank Spreer heute. „Das hat mich sehr begeistert.“ Das sollte ihn für später prägen.

Kraftwerk lockte mit Lehrstelle

Als es dann um die Lehre ging, folgte der technikbegeisterte Frank Spreer dem Werben des Kraftwerks Boxberg. Hier, im damals größten Braunkohle-Kraftwerk in Mitteleuropa, waren bis zu 4.600 Mitarbeiter beschäftigt, lernte er Instandhaltungsmechaniker. Im Vier-Schicht-System kam Frank Spreer danach zum Einsatz. In die Lausitz verliebte er sich erst nach und nach. „Viel Sand, Kiefern, sehr flaches Land – daran musste ich mich erst gewöhnen“, sagt der Klittener heute. Im Kraftwerk Boxberg kam Frank Spreer vielfältig zum Einsatz. Die Reparaturen reichten vom einfachen Wasserhahn bis zur hochkomplexen Dampfturbine.„Unser Verantwortungsbereich betraf alle Reparaturen im laufenden Betrieb, die im Kraftwerk anfielen: am Kessel, an den Armaturen und an den Pumpen“, erinnert er sich.

An der Volkshochschule holte Frank Spreer das Abitur nach. In der Freizeit engagierte er sich in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), programmierte dabei im Kraftwerk Boxberg Computer wie den KC 85 und den KC 87. Zur Wendezeit bestand keine GST mehr. Frank Spreer und sein Kollege Sigmar Geier wechselten in die Station Junger Naturforscher und Techniker in Weißwasser. „Sie waren froh, dass sie mit der PC-Technik ein weiteres Fachgebiet bei den AGs ergänzen konnten. Das war zu jener Zeit sehr gefragt“, entsinnt sich der Klittener. Von 1989 bis 2017 leiteten Spreer und Geier zusammen die AG PC-Technik, die meist von vier bis sechs Schülern der 9. und 10. Klassen besucht wurde. Sie zeigten den Jugendlichen das „Innenleben“ des Computers, durchdrangen tiefgründig Themen wie „Basic“, „Turbo-Pascal“ und „Excel“. Frank Spreer gab den Schülern Grundwissen mit. „Mir ging es darum, dass sie selbstständig nach Lösungen suchen, nicht gleich aufgeben, sondern weiterforschen bis zum Ergebnis“, meint der Klittener heute im Rückblick. 

Parallel dazu betreute er in der Freien Oberschule Boxberg das Ganztagsangebot „Umwelt und Technik“. Vier Schüler der 6. bis 10. Klassen nahmen regelmäßig teil. Oft fuhr er mit den Jugendlichen auf Exkursion. So lernten die Schüler zum Beispiel die Grubenwasser-Reinigungs-Anlage Tzschelln kennen oder das Wehr Ruhlmühle. Nach der Katastrophe in Fukushima (Japan) am 11. März 2011 diskutierte Frank Spreer intensiv mit den Schülern. Wie ist ein Kernkraftwerk aufgebaut? Wie kam es zur Ka-tastrophe? Bis zur Wende arbeitete er als Schlosser im Kraftwerk Boxberg, dann ging er zum Betreiberpersonal. Seit 1995 war er Anlagen-Fahrer für die Firma Rocal. Diese verarbeitet Rauchgas umweltschonend zu technischem Anhydrit.

Weiter Helfer trotz Krankheit

Seit 2002 war Frank Spreer schließlich Vorsitzender des Vereins Station Weißwasser. Maßgeblich entwickelte er das inhaltliche Konzept der Station mit. Die Mitglieder des Vereins engagieren sich für eine niveau-volle Freizeitgestaltung, kombiniert mit außerschulischer, nichtformaler Bildung in der Stadt und in der Region.Bedingt durch Frühverrentung wegen seiner Krankheit Parkinson musste Frank Spreer 2017 den Vorsitz abgeben. Der Station bleibt er trotzdem treu. Jeden Dienstag weilt er hier. Er unterstützt mit Rat und Tat das Büro-Computer-Netzwerk mit Servern, PCs und Software. Das ist ihm Herzenssache und hat ja auch seinen Lebensweg maßgeblich bestimmt.

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