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Döbeln

Vom Krankenpfleger zum Hotelchef

Um die Nachfolge des Familienbetriebs in Roßwein zu sichern, hat Benjamin Tegeder den Beruf gewechselt. Personal fehlt überall.

Obwohl Benjamin Tegeder als Krankenpfleger eigentlich aus einer ebenfalls um Personal ringenden Branche kommt, hat er seinen Beruf an den Nagel gehängt, um die Nachfolge für den Familienbetrieb zu sichern.
Obwohl Benjamin Tegeder als Krankenpfleger eigentlich aus einer ebenfalls um Personal ringenden Branche kommt, hat er seinen Beruf an den Nagel gehängt, um die Nachfolge für den Familienbetrieb zu sichern. © Dietmar Thomas

Roßwein. Arbeiten, wenn andere Feierabend haben, Gäste bedienen, wenn sich Freunde und Familie am Wochenende treffen. Diese Arbeit wollen immer weniger junge Menschen machen. 

Personal- und Nachwuchsmangel sind die entscheidenden Gründe, warum das Hotel- und Gaststättengewerbe in der Region mit immer größeren Problemen zu kämpfen hat. In den Jahren 2012 bis 2017 haben in Mittelsachsen 141 Gastrobetriebe ihre Türen schließen müssen. Damit sind etwa 14 Prozent der gastronomischen Einrichtungen im Landkreis verloren gegangen.

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„Es findet sich einfach keiner. Der Markt ist leer gefegt“, sagt Sabine Firley. Im Roßweiner Waldgasthof „Zur Margarethenmühle“ wird aktuell händeringend ein Koch gesucht. „Wir suchen schon lange, bislang leider ohne Erfolg“, berichtet sie. Gemeinsam mit ihrem Mann Henry Firley leitet sie den Familienbetrieb. Mithilfe von zehn Mitarbeitern werden in der Gaststätte und im Hotel Gäste täglich betreut und bedient. „In der Saison wird es oft ganz schön eng. Wir selbst sind von früh

5 Uhr bis in den späten Abend auf den Beinen. Wenn es nötig ist, springen auch unsere Kinder mal mit ein, die sich aber beruflich eigentlich ganz anders orientiert haben“, berichtet Sabine Firley. Auch auf die Hilfe von Studenten können sie zwar zeitweise zurückgreifen. Eine dauerhafte Lösung sei das aber natürlich nicht. Auch der Blick in die Zukunft bereitet dem Gastronomenpaar Sorgen. „Schon seit einigen Jahren können wir keine Nachwuchskräfte ausbilden. Es bewirbt sich schlichtweg keiner mehr“, berichtet die Roßweinerin.

Mit diesem Problem ist der Landgasthof natürlich nicht allein. Auch im Hotel „Döbelner Hof“ will aktuell nur eine junge Frau künftig in der Branche ihren Lebensunterhalt verdienen. Im nächsten Jahr schließt sie ihre Ausbildung ab. Doch Lehrlings-Nachfolger gibt es in dem Haus für das neue Ausbildungsjahr nicht.

„Eigentlich haben wir in den vergangenen Jahren immer mindestens einen Kochlehrling und eine Auszubildende zur Hotelfachfrau gehabt. In diesem Jahr hat sich leider kein Einziger beworben“, berichtet Hotelchefin Petra Kempe. Zwar sei das Haus mit einem relativ jungen Mitarbeiterstamm aktuell gut aufgestellt, „aber in zwei, drei Jahren kann das schon ganz anders aussehen“, sagt sie noch.

Gemeinsam mit der mittelsächsischen Regionalkammer der Industrie- und Handelskammer (IHK) bemüht sich der Chemnitzer Berufsverband Dehoga deshalb, mit gemeinsamen Projekten, der Teilnahme an Messen und Besuchen in Schulen um das Interesse von potenziellen Nachwuchskräften. Viel Überzeugungsarbeit müsse dabei geleistet werden, denn der Beruf mit den familienunfreundlichen Arbeitszeiten sei einfach nicht mehr attraktiv genug, bestätigt auch Cindy Krause von der IHK Mittelsachsen. 

Ein großes Problem sei zudem, vor allem auch in der ländlichen Region Nachfolger für Gaststätten- und Hotelbetriebe zu finden, ergänzt Julia Büttner von der Dehoga Chemnitz. „Wenn eine Übergabe von einer Generation zur anderen innerhalb der Familie nicht funktioniert, ist es fast aussichtslos, neue Betreiber für solche Häuser zu finden“, sagt sie.

Im Landhotel „Zum Nicolaner“ in Großweitzschen hat das auf ungewöhnliche Weise funktioniert. Die Geschäfte des Familienbetriebes leitet Uta Tegeder. Als neuen Inhaber hat sie ihren Sohn Benjamin gewinnen können. Dabei kommt der junge Mann beruflich aus einer Branche, die ebenfalls um jede einzelne Fachkraft kämpfen muss. „Ich bin eigentlich Krankenpfleger“, berichtet er. Doch um die Nachfolge des Familienunternehmens zu sichern, habe er den Sprung ins kalte Wasser und in eine völlig neue berufliche Herausforderung gewagt.

Insgesamt 15 Mitarbeiter stehen in dem Betrieb in Lohn und Brot. Obwohl es das Team schaffe, durchgängig von Montag bis Sonntag den Gaststättenbetrieb offen zu erhalten, musste der Mittagstisch – außer sonntags – mittlerweile gestrichen werden.

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