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Vom Lehrling zum Chef

Der Bautzener Lukas Keßner ist erst 26 Jahre alt und leitet schon einen Traditionsbetrieb. Seine Stempel sind sogar in Ministerien zu finden.

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© Wolfgang Wittchen

Von Frances Scholz

Schwarz, klein, aus Holz und im Jahr 1945 hergestellt. Das ist der älteste Stempel, den Lukas Keßner in seiner Dresdner Firma Stempel- und Schilderfabrik Albert Walther besitzt. Das ganze Gegenteil ist da ein moderner Stempel mit integriertem Stempelkissen, wie man ihn heute in vielen Büros verwendet.

Doch nicht nur in einfachen Büros findet man Stempel der Dresdner Firma. Auch wer Post aus Flensburg vom Kraftfahrtbundesamt bekommt, dessen Brief wurde mit einem Exemplar aus Dresden abgestempelt. „Außerdem sind wir noch siegelberechtigt für verschiedene Staatsministerien oder den Bundesadler“, sagt Lukas Keßner. Doch nicht nur Stempel werden in seiner Firma hergestellt. Auch Schilder sind im Angebot. „Wir machen zum Beispiel die Beschilderung für die Deutsche Bundesbank“, sagt der 26-Jährige.

Gegründet 1888

Er lebt in Bautzen und pendelt täglich auf Arbeit nach Dresden. „Ich fühle mich in Bautzen wohl. Dresden ist mir zu hektisch und außerdem brauche ich etwas räumlichen Abstand zur Firma, sonst bin ich ständig dort“, scherzt Lukas Keßner. Dass er sich so für Stempel begeistert, ist bei ihm kein Wunder. „Ich bin in einer Stempelfirma groß geworden und war viel mit im Laden“, sagt der gebürtige Löbauer. Sein älterer Bruder Marcus arbeitet mittlerweile leitend im 150 Jahre alten Familienunternehmen Stempel und Schilder Rudolf Schmorrde in Löbau.

Auch die Dresdner Firma Albert Walther ist ein Traditionsbetrieb und wurde im Jahr 1888 gegründet. Dessen früherer Geschäftsführer arbeitet viele Jahre eng mit den Löbauer Stempelunternehmen zusammen. „Als der Inhaber dann 2006 keinen Nachfolger fand, kaufte mein Vater die Dresdner Firma“, sagt Lukas Keßner.

In dieser Zeit beginnt er seine Lehre bei Albert Walther und arbeitet danach in verschiedenen Bereichen, wie der Buchhaltung oder dem Verkauf. „Das war eine gute Erfahrung, denn so habe ich einen Einblick in alle Abteilungen bekommen.“ Im Februar dieses Jahres wird Lukas Keßner dann zum Betriebsleiter der Dresdner Stempel- und Schilderfirma. „Das ist aber nicht plötzlich passiert. Der vorherige Betriebsleiter hat mich Schritt für Schritt auf meine neue Aufgabe vorbereitet und immer mehr Verantwortung an mich abgegeben. So konnte ich langsam reinwachsen“, sagt der Bautzener. Der endgültige Schritt, die Firma dann zu leiten, sei nicht schwierig gewesen. „Trotzdem ist es ein anderes Gefühl. Ich bin mit der neuen Aufgabe nicht überfordert, aber es ist doch eine große Herausforderung“, sagt er.

Das liegt vielleicht auch daran, dass Lukas Keßner der jüngste im Betrieb ist. Doch die Zusammenarbeit mit seinen elf Mitarbeitern klappt gut. „Auch, wenn viele fast doppelt so alt sind wie ich, macht mir die Arbeit mit ihnen viel Spaß. Es ist toll, gemeinsam neue Produkte zu entwickeln und Abläufe in der Firma zu verbessern“, sagt der Betriebsleiter. Viele seiner Freunde können seine Berufswahl aber oft nicht verstehen. „Sie arbeiten eher in großen Industriekonzernen und fragen immer, was ich in einem Handwerksbetrieb will. Aber genau das finde ich gut, denn ich mache etwas, was nicht jeder macht.“

Besonders gut gefällt ihm auch die Arbeitsatmosphäre in der Firma. „Unsere Räume sehen noch aus wie vor 40 Jahren, obwohl sie alle renoviert sind. Das hat schon einen besonderen Flair.“ Die Technik zur Herstellung der Stempel und Schilder ist auf dem neusten Stand. „Vieles läuft automatisiert und mit Lasertechnik.“ Kunden hat die Dresdner Firma nicht nur in Deutschland. Tschechien ist der zweitgrößte Markt. Auch nach Österreich, Luxemburg oder die Schweiz werden viele Stempel und Schilder von Albert Walther geliefert. Bestellt werden die unterschiedlichsten Exemplare. „Zum Beispiel stellen wir Stempel für Hochzeiten, Vereine, Firmen, Notare, sächsische Kommunen, Kreisverwaltungen oder für den Landtag her“, zählt Lukas Keßner auf.

Jährlich werden in Löbau und Dresden durchschnittlich 250.000 Stempel gefertigt. Dass der Stempel mal aussterben könnte, daran glaubt der junge Unternehmer nicht. „Zu jeder Firmengründung gehört einfach ein Stempel dazu. Auch bei Schildern ist das so“, sagt er. Für die Zukunft hat Lukas Keßner nur ein Ziel. „Ich möchte das jetzige Niveau halten. Aber auch durch neue Investitionen die Firma voranbringen und über die Grenzen hinausschauen“, sagt er.

Doch erst mal gibt es etwas zu feiern. „Am 11. Juni veranstalten wir ein großes Fest zum 150-jährigen Bestehen von Rudolf Schmorrde und 127 Jahren Albert Walther.“ Dafür wird die Löbauer Messehalle gemietet und Bergsteiger Reinhold Messner ist eingeladen. Lukas Keßner ist stolz auf die beiden Firmengeschichten und er hat den Schritt, in einem Handwerksbetrieb zu arbeiten nie bereut. „Ich würde keinen anderen Beruf machen wollen.“