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Vom Lehrling zum Verlagsleiter bei der SZ

Ohne Leute wie ihn wäre die Zeitung viel teurer. Das wissen nur nicht viele. Dabei ist der Regionalverlagsleiter einer der wichtigen Dompteure im großen Zeitungszirkus. Er muss zusehen, dass genügend...

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Von Frank Seibel

Ohne Leute wie ihn wäre die Zeitung viel teurer. Das wissen nur nicht viele. Dabei ist der Regionalverlagsleiter einer der wichtigen Dompteure im großen Zeitungszirkus. Er muss zusehen, dass genügend Kunden ausreichend große Annoncen schalten; denn sie sind, neben dem Verkaufspreis, ein ganz wichtiges finanzielles Standbein. Er muss dafür sorgen, dass die Zeitung in der Region präsent ist, dass der Treffpunkt mit seinen vielen Angeboten funktioniert – und wenn in der Redaktion das Licht ausfällt, muss er im Zweifelsfall auch noch dafür herhalten und für Erleuchtung sorgen.

Klaus-Peter Mai macht das alles heute zum letzten Mal. Obwohl: Nicht ganz. Denn heute ist vor allem Abschied angesagt. Von Kunden, von Kollegen, von Menschen des öffentlichen Lebens in Görlitz und Umgebung. Mit knapp 62 Jahren kann der gebürtige Görlitzer sagen: „Ich habe fertig.“

Die Sächsische Zeitung kennt er von der Pike auf, durchaus nicht nur als Kaufmann. Technik und Gestaltung waren es, die ihn 1955 reizten, in der Luisenstraße seine Lehre als Schriftsetzer anzutreten. Damals wurde die Lokalausgabe der SZ noch nicht in Dresden gedruckt, sondern hier in Görlitz. Mit 17 Jahren schon hat er als Metteur den Bleisatz für die Kreisseiten der SZ zusammengefügt.

Doch weil Klaus-Peter Mai schon immer mindestens genauso neu-gierig war wie es von den Redakteuren erwartet wird, ließ er die Setzerei in der Luisenstraße bald hinter sich. An der Fachhochschule Leipzig hat er von 1960 bis 1963 Drucktechnik studiert und anschließend in verschiedenen Funktionen im Grafischen Gewerbe gearbeitet. 1979 hat er noch ein Ingenieur-Studium an der Humboldt-Universität in Berlin angehängt – Rationalisierung war sein Metier.

Seit 1992 arbeitete er wieder bei der Sächsischen Zeitung, zunächst in Dresden und seit 1996 als Regionalverlagsleiter in Görlitz. Die vielschichtige Erfahrung kam dem Zeitungsmann – und der Zeitung – zu gute, als sich der wirtschaftliche Rahmen in der Region grundlegend veränderte. Die Regionalzeitung steht schließlich voll im Wind, wenn es der Wirtschaft schlecht geht. So gibt es neben dem weinenenden natürlich ein lachendes Auge heute. Schließlich ist Klaus-Peter Mai seit zwei Jahren auch Opa – und für diese Rolle hat er nun wesentlich mehr Zeit.