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Vom Literaturfest ausgesperrt?

Martin Bahrmann, der seit vielen Jahren mitwirkt, ist in diesem Jahr nicht auf dem Programm. Und er hegt einen Verdacht.

Bei nahezu allen Literaturfesten war er als Vorleser dabei: FDP-Stadt- und Kreisrat Martin Bahrmann.
Bei nahezu allen Literaturfesten war er als Vorleser dabei: FDP-Stadt- und Kreisrat Martin Bahrmann. © Claudia Hübschamnn (Archiv)

Meißen. Seit Freitagvormittag ist das Programm zum 11. Literaturfest im Internet einsehbar. 120 Lesungen, die vom 3. bis zum 6. September an verschiedenen Leseorten in Meißen stattfinden, sind darin aufgeführt. Ein buntes Programm, das Vorfreude auf das Lesefest weckt, ist den Organisatoren um den Meißner Foto-Künstler und SPD-Stadtrat Daniel Bahrmann gelungen.

Sein Namensvetter Martin Bahrmann, der bis auf eine krankheitsbedingte Ausnahme bei allen Literaturfesten in Meißen aus verschiedenen Werken der Weltliteratur vorlas, wollte auch in diesem Jahr seinen Beitrag zum Gelingen des Events beitragen. Einem der Leitthemen dieses Jahres entsprechend – dem 300. Geburtstag von Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, dem die bekannten Lügengeschichten vom Baron von Münchhausen zugeschrieben werden – hatte Martin Bahrmann den Essay-Band „Wahrheit und Lüge in der Politik“ von Hannah Arendt ausgewählt, als er sich um die Teilnahme als Vorlesender bewarb.

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Im nun veröffentlichten Lesefest-Programm sucht man die Lesung mit Martin Bahrmann vergeblich. Er sei von den Organisatoren nicht berücksichtigt worden, erfuhr er, als er nachfragte. Begründet wurde das mit dem Hygienekonzept, das zu einer Reduzierung der Lesungen geführt habe. Martin Bahrmann, der für die FDP im Kreistag ist und im Meißner Stadtrat die sogenannte Großfraktion anführt, findet die Auswahl allerdings verwunderlich: Warum wurde ausgerechnet er von der Liste der Vorlesenden gestrichen? Diese Frage stellt sich schon, wenn man in das Programm schaut. Es kündigt zum Beispiel mehrere Lesungen an, die Mitglieder und Stadträte der Bürgerinitiative Meißen bestreiten. Die Meißner CDU-Landtagsabgeordnete Daniela Kuge darf gleich zweimal auf die Lesebühne.

Und Martin Bahrmann erinnert sich jetzt an eine E-Mail, die er im Mai von Daniel Bahrmann erhalten hatte. Damals hatte der Liberale eine Aktion der Meißner SPD kritisiert. Weil zu dieser Zeit noch nicht klar war, ob das für Juni abgesagte Literaturfest in den September verschoben werden kann, hatten sie gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Frank Richter Videos von Lesungen mit Prominenten im Internet veröffentlicht und um Spenden für die Produktion weiterer solcher Online-Lesungen gebeten.

Dass die Meißner Sozialdemokraten mit dem Logo des Literaturfestes Parteispenden sammeln, hatte Martin Bahrmann beklagt. Unter der Überschrift „Literaturfest von SPD gekapert?“ hatte die SZ in ihren Print- und Online-Ausgaben darüber berichtet. Woraufhin der Sozialdemokrat Bahrmann seinem Namensvetter von den Liberalen per Mail schrieb: „Inwieweit Personen, die dem Ansehen des Literaturfestes Schaden zufügen, beim Literaturfest teilnehmen können, muss jetzt erst einmal genau geprüft werden.“ Martin Bahrmann sieht darin eine von Daniel Bahrmann angekündigte und nun vollzogene Maßregelung wegen seiner kritischen Meinungsäußerung. 

Davon könne keine Rede sein, entgegnet Walfriede Hartmann, die im Organisatorenteam des Literaturfestes für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich zeichnet. Sie weist noch einmal darauf hin, dass das diesjährige Literaturfest-Programm wegen der coronabedingten Hygieneauflagen nur 120 statt der sonst üblichen 200 Lesungen aufweist. Nicht nur Martin Bahrmann sei bei der Programm-Aufstellung nicht berücksichtigt worden.

Dass einzelne Bewerber um die eingeschränkte Zahl der Leseplätze keine Berücksichtigung fanden, dürfe nicht zu einem Kleinkrieg führen, warnt Walfriede Hartmann. Und sie verweist auf die Lange Nacht der Kunst, Kultur und Architektur. Bei dieser Meißner Traditionsveranstaltung gehöre es inzwischen zum guten Ton, dass sie durch „individuelle Initiativen am Rande“ bereichert wird.

Darüber denkt Martin Bahrmann bereits nach. Einige Vorleser hätten ihm angeboten, beim Literaturfest an ihrer Stelle zu lesen, sagt er. Aber er möchte das nun veröffentlichte Programm nicht durcheinanderbringen. „Da mache ich lieber etwas Eigenes“, fügt er hinzu.

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