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Vom Niesreiz und seinen Folgen

Die SZ erzählt Geschichten aus dem alten Rödertal. Heute: Vor 100 Jahren wollte man in Radeberg das öffentliche Niesen verbieten.

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© dpa/dpaweb

Von Hans-Werner Gebauer

Wer musste nicht schon einmal plötzlich niesen. Plötzlich und unerwartet kommt das Kribbeln in der Nase, und ehe man es sich versieht, führt die Reizung der Nasenschleimhäute zu jenem einmal leisen oder explosionsartigen Geräusch, im Allgemeinen als Niesen bekannt. Ich traute kürzlich meinen Ohren nicht, als mir jemand erzählte, er habe gelesen, modern wäre es richtig, in seine Armbeuge zu schnäuzen, um die freiwerdenden Erreger nicht an andere weiterzugeben. Das wird tatsächlich in manchem Tipp für die Gesundheit gefordert.

Doch es kommt noch dicker. „Gesundheit rufen“ ist ebenfalls nicht mehr zeitgemäß. Der moderne Knigge, wer immer das auch ist, fordert: Man sagt als das Niesen Wahrnehmender nichts mehr. Sollte man das Niesen wahrnehmen, ist der Vorgang als unbedeutend zu ignorieren. Durch ein schallendes „Gesundheit“ würde man ein Drama gesundheitlichen Verfalls herauf beschwören. So werden eben moderne Probleme konstruiert, ich habe nur noch nicht herausbekommen, ob es gar schon eine EU-Verordnung gibt.

Doch auch früher gab es um solche Dinge Diskussionen, so Ende 1913 im Radeberger Stadtrat. Lautes Niesen sollte gleich nächtlichem Hundegebell mit Bußgeld bedacht werden. Was einen Zeitgenossen zu diesem Gedicht veranlasste.