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Vom rechten Weg abgekommen

Eine Meißnerin tritt öffentlich für Recht und Gesetz ein. Jetzt kommt sie damit selbst in Konflikt.

Auf Demonstrationen der Initiative Heimatschutz trat die Angeklagte für Recht und Gesetz ein. Jetzt kommt sie damit selbst in Konflikt.
Auf Demonstrationen der Initiative Heimatschutz trat die Angeklagte für Recht und Gesetz ein. Jetzt kommt sie damit selbst in Konflikt. © hübschmann

Meißen. Die Angeklagte war Mitinitiatorin der "Initiative Heimatschutz" in Meißen.  Regelmäßig trat sie bei Kundgebungen öffentlich für das Einhalten von Recht und Gesetz ein. Sie selbst nimmt es damit offenbar nicht so genau. Jedenfalls nicht am Ostersonnabend dieses Jahres.  Da verursacht sie um 23.15 Uhr mit ihrem Peugeot praktisch kurz vor der Haustür in einer engen Einfahrt einen Unfall. 

Keine große Sache an sich. Als die Polizei eintrifft, nehmen die Beamten Alkoholgeruch wahr. Etwa eine Stunde nach dem Unfall wird ihr Blut abgenommen. Der Test ergibt einen Blutalkoholwert von 1,86 Promille. Dabei ist sie so betrunken nicht nur ein kleines Stück mit dem Auto gefahren, sondern von Dresden nach Meißen.  

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Sie dürfte also etwa gegen 22.30 Uhr die Fahrt begonnen haben. Rechnet man das zurück, hatte sie bei Fahrtbeginn wohl einen Blutalkoholwert von fast zwei Promille.   

Alkoholwert einer Gewohnheitstrinkerin

Nun sitzt die 41-Jährige, die als Beruf "Dozentin" angibt und die sich sonst so gern in der Öffentlichkeit präsentiert, vor Gericht und ist verdammt öffentlichkeitsscheu. Auf keinen Fall will sie gefilmt oder fotografiert werden. 

Ihr Verteidiger Frank Hannig  setzt sogar durch, dass die Verhandlung teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt wird. Bei der Aussage seiner Mandantin würden "intime Details" eine Rolle spielen, argumentiert er. Und so wird die öffentliche Verhandlung wegen einer Trunkenheitsfahrt im Verkehr teilweise nicht öffentlich geführt. 

Die Frage ist: Rechtfertigen "intime Details" es, sich stark betrunken ins Auto zu setzen und rund 30 Kilometer zu fahren?  Die Antwort ist eindeutig: nein.  Das macht Staatsanwalt Lorenz Haase unmissverständlich deutlich. Auch wenn der Fall eine "Vorgeschichte" habe, habe sie einen erheblichen Alkoholwert gehabt, den üblicherweise nur Gewohnheitstrinker erreichen, sagt er. 

Sie habe damit eine erhebliche Gefährdung für die Allgemeinheit dargestellt, sagt er, und fordert eine Geldstrafe von 1.200 Euro. Der Fahrerlaubnis soll entzogen, der Führerschein, eingezogen und nicht vor Ablauf von weiteren neun Monaten wieder erteilt werden. Bereits am Tattag wurde der Führerschein vorläufig eingezogen.   

Verantwortungsvolle Täterin?

Der Verteidiger hingegen bescheinigt seiner Mandantin, eine "verantwortungsvolle Täterin" gewesen zu sein. Schließlich habe sie vorgehabt,  in Dresden zu übernachten, die Tat sei also nicht geplant gewesen. Und überhaupt, sie sei ja trotz der Alkoholisierung heil nach Hause gekommen. 

Seine Mandantin sei schon ohne Gericht hart bestraft. So habe sie ihr Kleingewerbe aufgeben und ihr Auto verkaufen müssen, so der Verteidiger.  Sein Vorhaben, dass nur ein Fahrverbot ausgesprochen wird, scheitert. Das hatte schon der Staatsanwalt zuvor deutlich gemacht. 

Denn bei Trunkenheitsfahrten mit mehr als 1,1 Promille sieht das Gesetz zwingend einen Entzug der Fahrerlaubnis und eine Führerscheinsperre von mindestens sechs Monaten vor. 

Richter Michael Falk verurteilt die Angeklagte wegen Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe von 800 Euro, berücksichtigt dabei, dass die Frau 600 Euro und damit mehr als die Hälfte ihres Nettoeinkommens für Miete bezahlen muss. 

Die Fahrerlaubnis wird eingezogen, der  Führerschein eingezogen und nicht vor Ablauf von weiteren acht Monaten wieder erteilt. Automatisch bekommt sie ihn aber nicht zurück. 

Wer mit mehr als 1,1 Promille  Alkohol im Blut mit dem Auto fährt und damit die Grenze der absoluten Fahruntauglichkeit  erreicht oder gar überschreitet, muss zur medizinisch-psychologischen Untersuchung,  im Volksmund auch "Idiotentest" genannt. Und so wird es für die Angeklagte eine teure Angelegenheit, dass sie vom rechten Weg abgekommen ist. 

Übrigens: Von Dresden nach Meißen fahren S-Bahnen, auch noch um diese Zeit. Und sogar fast bis vor die Wohnungstür der Angeklagten. Diese hat das Urteil ebenso wie die Staatsanwaltschaft akzeptiert, es ist damit rechtskräftig. 

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