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Hoyerswerda

Vom Schnupperkurs zur EM-Bronze

Familie Krupper aus Schleife ist judoverrückt. Der 14-jährige Jesse startet jetzt auch noch im Sumoringen durch.

Judo ist zu einem Selbstläufer geworden in der sportverrrückten Familie Krupper in Schleife: Diana und Uwe Krupper unterstützen ihre Kinder Ashley, Jesse und die Zwillinge Amelie und Amy dabei. Doch ohne Oma Monika Lange würde all das nicht funktionieren.
Judo ist zu einem Selbstläufer geworden in der sportverrrückten Familie Krupper in Schleife: Diana und Uwe Krupper unterstützen ihre Kinder Ashley, Jesse und die Zwillinge Amelie und Amy dabei. Doch ohne Oma Monika Lange würde all das nicht funktionieren. © Foto: Constanze Knappe

Schleife. Sumoringen gehört zu den traditionellen asiatischen Kampfsportarten. Landläufig denkt man da an regelrechte „Schränke“, die trotz ihrer Körpermasse aber wendig und kräftig sind. Jesse Krupper entspricht mit seinen 55 Kilogramm so ganz und gar nicht dem Idealbild eines japanischen Sumoringers. Und doch ist der 14-Jährige aus Schleife drauf und dran, die Sumowelt zu erobern. Nach nur einem halben Jahr Training wurde er 2019 Dritter im Einzel bei den Junioren-Europameisterschaften. Zwar verlor er im Teamwettbewerb seinen Kampf gegen einen fast doppelt so schweren Altersgefährten aus Lettland, doch dank der taktischen Aufstellung reichte es auch für das Team zu Bronze.

Sport mag der Schüler, solange er denken kann. Die Gene sind ihm offenbar in die Wiege gelegt. Seine Mutti Diana spielte Faustball im Nationaltrikot der DDR. Das sei eine große Auszeichnung gewesen, sagt sie. „Wir waren auch in Österreich. Aber weiter ging es damals nicht“, so die heute 46-Jährige. Ihr Mann Uwe Krupper (49) hat Fußball gespielt und geangelt. Beiden ist wichtig, dass die Kinder sich bewegen, nicht nur vor dem Computer sitzen. „Sport ist eine gute Art, die Energie zu nutzen“, finden sie und bestärken ihre Kinder darin.

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Mit Spaß und Talent zum Sumo

Als Jesse sechs Jahre alt war, fing er mit Judo an. Er wollte, wie er erzählt, seinem großen Bruder nacheifern. Julian, inzwischen 18, besucht die Sportschule in Jena. Judo trainiert Jesse beim KSC Asahi in Spremberg. Dort fand im vorigen Jahr ein Tag des Sumo statt. Der Schleifer Schüler nahm an einem Schnupperkurs teil und hatte Spaß daran. Und offenbar auch Talent, denn er wurde zum Training eingeladen. Wenige Wochen später wurde er im März 2019 Deutscher Vize-Meister der Junioren im Sumo, schnitt beim „Silbernen Roland“, einem Sichtungsturnier des Brandenburgischen Judo-Verbands, ebenfalls als Zweiter ab. Damit empfahl sich Jesse Krupper für die Sumo-Nationalmannschaft. Im September nahm er an der Junioren-EM im ungarischen Szigetszentmiklos bei Budapest teil. Darauf vorbereitet hatte ihn Nationaltrainerin Sandra Köppen-Zuckschwerdt.

Sumo steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Und dennoch konnte das Sumo-Team Germany der Junioren zwei Europameistertitel und sieben Bronzemedaillen mit nach Hause bringen. Der Spremberger Verein ist mittlerweile brandenburgisches Landesleistungszentrum.

„Eine verrückte Entwicklung“, findet Diana Krupper. Und dass das alles ganz schön schnell ging. Natürlich waren die Eltern in Ungarn dabei. Sie erlebten mit, wie sich ihr Spross mit „Kämpfertypen“ aus den osteuropäischen Ländern auseinandersetzte. „Bei dem Erfolg war es nur logisch, weiterzumachen“, sagen sie. Anfang Januar 2020 war Jesse abermals zu einem Wettbewerb in Budapest. Ende März muss er sich bei den Deutschen Meisterschaften beweisen, wenn er im September bei den Junioren-EM in Bukarest dabei sein will.

Viermal die Woche steht Training an. Denn auch Judo hat Jesse Krupper – seit Dezember im Besitz eines blauen Gürtels – noch nicht aufgegeben. Außerdem spielt er Fußball beim heimischen SV Lok Schleife. Manchmal müsse sie ihren Sohn „ein bisschen einbremsen“, sagt Diana Krupper. „Damit er das Wichtigste nicht vergisst – die Schule.“ Der Achtklässler lernt am Landau-Gymnasium in Weißwasser. Zwar hat er für die Berufswahl noch ein bisschen Zeit, aber schon ein klares Ziel vor den Augen. Jesse Krupper möchte Koch werden und irgendwann ein eigenes Restaurant führen. Das sei sein großer Traum. Aber nicht sein einziger. Denn er will auch zur Sumo-Weltmeisterschaft.

Bundestrainerin ist Vorbild

Weil er beim SV Lok Schleife selber Torwart ist, sieht er im Fußball in Nationaltorwart Manuel Neuer sein großes Vorbild. Im Judo ist es noch immer sein Bruder Julian. Im Sumoringen muss Jesse einen Moment nachdenken. „Vielleicht die Bundestrainerin“, sagt er. Sie ist sehr ehrgeizig, liebt wie Jesses Eltern und er selbst den Sport. Und sie lebt das auch, die Begeisterung für das Sumoringen. Sie formte das Nationalteam der Junioren zu einer Familie. Um den Kampfsport in Deutschland populärer zu machen, organisiert sie Schnupperkurse wie den in Spremberg, wo für Jesse alles begann. Die deutschen Frauen sind im Sumoringen recht erfolgreich, die Männer haben nicht wirklich eine Chance. Davon lässt sich der Bronze-Junge aber nicht beeindrucken. Was nicht ist, kann ja noch werden.

Zwischen halb zwei und halb vier ist er zu Hause. Da wird der erste Teil der Hausaufgaben gemacht. Dann geht es zum Training, bevor die übrigen Hausaufgaben dran sind. Wenn bei alldem noch ein bisschen Zeit bleibt, macht Jesse, was alle Jungs in seinem Alter gerne machen: Computer spielen, Fahrrad fahren oder einfach mit den Kumpels dem Fußball hinterherjagen.

Ohne Oma geht es nicht

Oft haben Kruppers ihren ältesten Sohn Julian zu Wettkämpfen begleitet. „So wurde Judo zum Selbstläufer“, sagt Diana Krupper. Soll heißen, auch Jesses Schwester Ashley (12) und selbst die Zwillinge Amy und Amelie (5) sind Judoka. Sie trainieren allesamt beim KSC Asahi, sogar mehrmals die Woche. Und da kommt Oma Monika Lange ins Spiel. Ohne ihre Unterstützung würde es nicht funktionieren. Diana Krupper arbeitet als Kinderkrankenschwester im Schichtdienst in Cottbus, ihr Mann Uwe als selbstständiger Malermeister und Restaurator überwiegend in Berlin. Monika Lange fährt die Enkel zum Training ins 14 Kilometer entfernte Spremberg. An manchen Tagen ist sie gleich mehrmals dorthin unterwegs. Ihr Kalender gleiche dem eines Generaldirektors, sagt sie schmunzelnd. „Dafür hat man Familie“, fügt sie hinzu. Möglich sei das aber nur, weil sie alle zusammen in Schleife leben und weil sie selbst noch Auto fahren könne.

Die Kruppers sind stolz auf ihre Kids. Selbst an Wochenenden steht immer etwas an. Meistens ist es Sport. Und wenn nicht, dann sind Diana und Uwe Krupper froh, dass sie auch Julian um sich haben und ihre älteste Tochter Virginia (20), die es in musikalische Richtung verschlagen hat.