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Vom Schulalltag in Ralbitz

Ralbicy. Die sorbischeSchule besteht 30 Jahre. Jetzt fand eine Feier mitganz vielen Ideen statt.

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Von Andreas Kirschke

Was eigentlich heißt auf Sorbisch Kartoffeln? „Neple“. „Kulki“. „Bìrny“. Wort um Wort sprudelt aus den Kindern. Wórša Šo³cic lacht. Zur Lesung ihres Büchleins „K wobjedu snìhowe kulki“ (Zum Mittag Schneebälle) beim Fest der sorbischen Sprache weckt sie Fantasie in den Kindern. Die Autorin spielt selbst mit den Wörtern. Sie entwickelt erfrischenden Humor. Zwischenstation für die 4. Klasse bei der 30-Jahr-Feier der Sorbischen Schule Ralbitz.

„Mir liegt daran, dass die Kinder die Liebe zum Lesen entwickeln“, sagt die Bautzenerin. Als Redakteurin für die Zeitschrift „Serbska Šula“ (Sorbische Schule) weilte sie früher oft in Ralbitz. Fantasie und Sprachgefühl der Kinder erstaunen sie. „Man kann sich gut unterhalten. Man versteht auch leichter Polnisch und Tschechisch“, sagt Sophia Wornarjec. „Wir sind froh, dass uns nicht jeder verstehen kann“, fügt Køešæan Bjeñš spitz hinzu. Wie die anderen Grundschüler verweilen sie an vielen Stationen. Tomaš Nawka vom Sorbischen Museum stellt einen Dudelsack vor. Dichter Beno Budar zeigt alte katholische und evangelische Gesangbücher. Monika Dyrlichowa steht Rede und Antwort zu „DŸìæiznak“, der Kinderbeilage der sorbischen Zeitung Serbske Nowiny. Frieder Löbner, Metallblasinstrumentenmachermeister, hat Tuba, Waldhorn, Posaune und Trompete mitgebracht. Manch Schüler versucht sich darauf, Lehrerin Weronika Statnikowa setzt sogar die Posaune an.

Emsig hat sie mit den Schülern das bunte Abendprogramm vorbereitet. Auch ein neuer Tanz gehört dazu. „Einen ganzen, alltäglichen Schultag zeigen wir“, erzählt sie. Mädchen ihrer Klasse 9/1 haben extra einen Tanz einstudiert. Eben sind sie auf dem Weg nach Horka. Auf den Spuren der sorbischen Jüdin Hana. Die 9/2 wandelt in Horka auf den Spuren des Dichters Jurij Chežka. Andere Klassen befassen sich mit Dr. Jurij M³ynk und Jurij Šen, mit Geschichte und Gegenwart Zernas und Rosenthals, mit sorbischen Auswanderern, mit der Ostroer Schanze oder mit Volkserzählern und -dichtern wie Romuald Domaška und Mik³awš Bjedrich. „Auf den Spuren unserer Vorfahren“ heißt das Gesamt-Thema der Exkursionen. „Jede Klasse erstellt eine Dokumentation“, sagt Micha³ Šolta, Lehrer für Technik und Informatik.

Schule als Sprachgrundlage

Aufwendig hat Geschichtslehrer Uwe Macka mit der Zuarbeit vieler Kollegen im Klubraum eine Ausstellung organisiert. Vom Bau der Schule erzählt sie. Von den Kontakten nach Melnik (Tschechien) und Sulejowik (Polen). Eine Tafel widerspiegelt Gedanken zur Bildung in Ralbitz. Jurij Frencl, früher Bürgermeister, vermerkt: „Wir haben vor 30 Jahren unsere Kraft für den Bau der Schule geopfert. Und deshalb kämpfen wir um ihren Erhalt.“

„Viele Schüler lernten früher Deutsch erst in der Schule. Als zweite Muttersprache“, entsinnt sich Marija Domašcyna, die wie Borbora Weberowa und Rejza Wiæazowa von Anfang an hier unterrichtet. „Heute wird in den Pausen oft deutsch gesprochen“, sagt sie. „Man muss nachhaken.“ Wird es schwerer für die sorbische Sprache, sich im Alltag zu behaupten? Marija Domašcyna verneint. „Eltern sind sehr positiv eingestellt.“ Auch zum zweisprachigen Konzept. Früher nahm man deutsche Kinder in die sorbischen Muttersprachklassen auf. „Das war schwere Arbeit. Gerade in den ersten beiden Schuljahren“, sagt Grundschulleiterin Rejza Wiæazowa. „Durch das zweisprachige Konzept ist es leichter geworden. Wir können intensiver, auch in Gruppen arbeiten. Nur eines steht fest: Mit Druck erreicht man gar nichts.“