merken
PLUS Hoyerswerda

Vom Shirt zum Kuscheltier

Upcycling ist nicht neu, aber schwer in Mode.

Zwei der Teilnehmer des Upcycling-Kurses mit ihren selbstkreierten und -gefertigten Kuscheltieren.
Zwei der Teilnehmer des Upcycling-Kurses mit ihren selbstkreierten und -gefertigten Kuscheltieren. © Foto: Angela Donath

Von Angela Donath

Upcycling ist in aller Munde, hierzulande ist es nichts Neues. Relativ neu ist lediglich der Begriff, früher sagte man einfach: Aus alt mach neu – und man tat es einfach. Wollpullover wurden aufgetrennt und neu gestrickt, Blumentöpfe bemalt und so zu hübschen Übertöpfen umfunktioniert, aus diversen Flaschen entstanden unter geschickten Händen Blumengefäße oder Lampen. Was einst einem gewissen Mangel geschuldet war, erlebt heute aufgrund des gewachsenen Umweltbewusstseins eine Renaissance. Dass Rohstoffe knapper werden und daher wertvoll sind, weiß jedes Kind.

Anzeige
Wir gegen Corona!
Wir gegen Corona!

Gemeinsam mit den Landkreisen und kreisfreien Städten hat die Staatsregierung weitere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie beschlossen.

So ist es kein Wunder, dass sich der Gedanke zur Nachnutzung auch in den Ferienangeboten der KulturFabrik Hoyerswerda wiederfindet. Am Mittwochnachmittag trafen sich hier die Ferienkinder, um aus alten Textilien neue und vor allem eigenkreierte Kuscheltiere zu gestalten. Die Vorlagen dafür hatte Kursleiterin Petra Finke mitgebracht, auf dem großen Tisch im Kreativraum standen außerdem eine Nähmaschine, Tüten mit Stoffresten, mit ehemals schicken T-Shirts, mit Knöpfen, Scheren und mit Material zum Ausstopfen.

Miriam, Emily und Kurt staunten nicht schlecht. „Was, daraus soll ein Stofftier werden? Wie soll das denn gehen?“ Learning by doing war jetzt gefragt. Die Kinder suchten eine Schablone für ihr Kuscheltierchen aus, steckten diese auf doppelt gelegten Stoff fest und begannen, unter größter Konzentration, den Stoff am Schablonenrand zuzuschneiden. „Das ist doch ganz lappig, wie soll man denn mit so was spielen?“, lautete die anschließende Frage. Petra mahnte zur Geduld. Schnell steppte sie die Stoffteile aufeinander, doch nun lautete der nächste bange Einwurf: Das sieht aber nicht so schön aus. Ist das nicht verkehrt herum?

„Ja, ich habe hier unten ein Loch zum Wenden gelassen, ihr müsst jetzt den Stoff hier durchziehen. Dann habt ihr saubere Nähte.“ Das leuchtete ein, inzwischen hatten sich auch die mitgebrachten Omis anstecken lassen, jeder und jede hatte plötzlich irgendetwas zu wenden, zu schneiden und zu sticheln.

Beim Wenden von Armen und Beinen halfen Kugelschreiber und beim nun folgenden Ausstopfen mit Füllresten auch. Anschließend musste die Naht mit der Hand verschlossen werden, schließlich sollte das Füllmaterial nicht wieder herausrieseln. „Nähen kann ich nicht!“ Kurt sagte es mit Überzeugung und wer ihm zusah, wusste: Das Kind hat recht. Miriam lag die Nadel leichter in der Hand, trotz aller Widrigkeiten waren bald alle Nähte geschlossen. Die Zeit war vergangen wie im Fluge und so mancher Erwachsener dachte sicher: Ach, gleich fertig, bloß noch die Augen! Darüber denken Kinder jedoch ganz anders. „Nein, die Knöpfe nicht als Auge – die dort bitte. Und kann meine noch ’ne Hosentasche haben? Und meins diese Herzchen unter die Augen? Die Omi brauchte für ihr Stoffpüppchen dringend noch ein Halsband und kollektives Knöpfe-Annähen hatte man sich wohl auch einfacher vorgestellt.

Die Kinder staunten dennoch nicht schlecht, was man alles selbstmachen kann. Sogar Knöpfe annähen, wer hätte das gedacht! Nach gut zwei Stunden waren die Designerstücke fertig und die Jungdesigner dank Petras Anleitung stolz wie Bolle.

Einen zweiten Kurs gibt es am morgigen Dienstag, der ist sehr gefragt. Wer das Glück hat, einen Nähplatz zu erwischen: 3 Euro für das Material sind Pflicht, ein ehemaliges Lieblingsshirt zum Nachnutzen wäre gut. Keine Gedanken muss man sich um eventuell mangelnde Fertigkeiten machen. Miriam, Emily und Kurt wussten auch nicht, welche Talente in ihnen schlummern.

Mehr zum Thema Hoyerswerda