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Radebeul

Vom Sprayer zum Bildhauer

Der Naunhofer Tillmann Richter beschließt den ersten Teil des Kunstsommers am Roten Haus. Am Wochenende lädt er zu Workshops und Führungen ein.

Der Bildhauer Tillmann Richter in seiner Ausstellung, die derzeit im Roten Haus in Friedewald zu sehen ist.
Der Bildhauer Tillmann Richter in seiner Ausstellung, die derzeit im Roten Haus in Friedewald zu sehen ist. ©  Norbert Millauer

Moritzburg. Die Skulpturen – sie symbolisieren die vier Elemente – erinnern in ihrer teils opulenten, teils üppig ausgeführten Art unweigerlich an barocke Vorbilder. Tatsächlich liebt der Naunhofer Tillmann Richter diese Epoche. Wegen der Dynamik, die in den Kunstwerken dieser Zeit sichtbar ist. „Mit den vier Figuren wollte ich verschiedenen Frauentypen und die Vorzüge des Körpers zeigen.“ Die Frauenleiber kommen aus den Elementen und verschwinden auch wieder in diesen.

In seiner Ausstellung im Roten Haus am Dippelsdorfer Teich, durch die der Bildhauer am Samstag und Sonntag, jeweils von 16 bis 18 Uhr, Interessierte führen will, sind Arbeiten aus den vergangenen 20 Jahren zu sehen. „Meiner Sturm- und Drangzeit“, wie der 38-Jährige sagt. Da die meisten der in dieser Zeit entstandenen Skulpturen und Plastiken verkauft sind, holte er sich für die Schau einige als Leihgaben zurück.

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Ein Kunstwerk fällt auf, weil es nicht so recht zu den anderen passen will. Die Figur hängt neben der Treppe und ist – unverkäuflich. „Der Ikarus ist mein erstes Stück.“ Entstanden ist er 1999 in der 12. Klasse am Großenhainer Gymnasium. „Den Köper habe ich aus einem Stück feuerverzinkten Draht geformt, die Brandstellen der Blechflügel stammen von einem Schweißgerät.“ Normalerweise hat Ikarus seinen Platz unterm Apfelbaum im heimischen Garten.

Künstlerische Ambitionen hatte Tillmann Richter allerdings schon deutlich früher. „Als 14-Jähriger habe ich zusammen mit zwei Freunden gesprayt. In Kinderzimmern und auf legalen Flächen, die es damals schon in der Stadt gab.“ Einer seiner Sprüher-Freunde von damals ist Sebastian Bieler, der beim diesjährigen Kunstsommer am Roten Haus als Erster von drei Künstlern seine Arbeiten präsentierte. Doch während Bieler trotz Studium an der HfBK in Dresden dem Sprayen treu blieb, stand für Tilmann Richter nach dem Praktikum bei einem Bildhauer fest, was er künftig machen würde.

Zunächst absolvierte er bei dem Großenhainer Steinbildhauer Hartmut Witschel eine Lehre als Steinmetz. Für seine Spezialisierung zum Bildhauer zog es ihn dann allerdings für zwei Jahre nach Italien. Aus gutem Grund. „Hier in der Region arbeitet man ja vor allem mit Sandstein.“ Im Marmordorf Laas in Südtirol konnte Tillmann Richter dann auch mit diesem teuren Material Erfahrungen sammeln.

Eine faszinierende Arbeit aus Holz und Marmor ist ein Mitbringsel dieser Studienreise. Es heißt Fischfang und besteht aus einem Stück Schwemmholz aus der Etsch mit einem Sockel aus weißem Marmor. „Mit war sofort klar, was ich aus dem Holz machen kann.“ Aufzwängen könne man dem Material nichts. Und so hat Tillmann Richter das Holz, dort wo erforderlich, behutsam bearbeitet und so die darin bereits vorhandenen Formen herausgeholt – einen Adler, der einen Fisch fängt. Steht es nicht in der Ausstellung, kann sich Sebastian Bieler daran erfreuen. „Ich habe dafür eine Arbeit von ihm bei mir zu Hause.“

Den Schritt, sich als Künstler selbstständig zu machen, ist der Naunhofer bisher nicht gegangen. Er arbeitet als Bildhauer bei der Firma Witschel. „Es ist eine spannende Zeit, wo viele schöne Aufträge auf einen lauern.“ Und so finden sich seine Arbeiten auf Schloss Moritzburg ebenso wie am Berliner Stadtschloss oder im Großen Garten in Dresden. Bei diesen sei neben dem handwerklichen Können auch sehr oft viel Kreativität gefragt. So habe er gerade den Auftrag für das Anfertigen eines Putto für die Balustrade der Moritzburger Schlossterrasse bekommen. „Der trägt einen Hasen über der Schulter. Allerdings gibt es von ihm nur noch ein Foto der Vorderansicht.“

Ins Auge fallen in der Ausstellung auch die teils wunderschön marmorierten Sandsteinsockel, auf denen die Kunstwerke stehen. „Sie gleichen bei den Vier Elementen die mindere Qualität des Materials aus“, sagt der Künstler mit einem Augenzwinkern. Die vier Plastiken sind aus Gips und verkäuflich. „Wenn es einen Käufer gibt, der die Kosten für einen Bronzeguss übernimmt, würde ich das gern machen.“