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Vom Tischler, der Künstler wurde

Walter Drozdz war einer der vielfältigsten Künstler der Stadt. Das zeigt das Museum jetzt bei einer Schau zu seinem 90.

Von Jens Hoyer

Der Mann mochte auch Holz. Im Nachlass von Walter Drozdz fanden sich gedrechselte Püppchen. Ein Engel, eine Frau in der Tracht der Spreewälderinnen, andere sorgfältig bemalte Trachtenfiguren. Selbst bei diesem Ausflug ins holzverarbeitende Gewerbe ist er seiner Kunst treu geblieben, sagte Thomas Drozdz, Sohn des Döbelner Malers. Walter Drozdz hatte durchaus eine Beziehung zu Holz und stellte sich nach seiner eigentlichen Arbeit gern mal an die Drechselbank. Er hatte Tischler gelernt, überlebte den 2. Weltkrieg knapp in einem Strafbataillon und war ab 1945 Solemeister im Bergbau. Mit fast 30 Jahren nahm er 1953 ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig auf. Das Döbelner Stadtmuseum widmet dem Künstler eine Ausstellung. In diesem Jahr wäre sein 90. Geburtstag gewesen. Vor zehn Jahren ist Walter Drozdz gestorben.

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Sein künstlerischer Nachlass, etwa 170 Drucke, Aquarelle, Tuschezeichnungen, Ölbilder und Plastiken, wird im Stadtmuseum als Dauerleihgabe der Erben verwahrt. Die Werke zeigen die Vielseitigkeit des Künstlers, der sein Brot zehn Jahre lang als Grafiker beim VEB DBM und später als freischaffender Maler und Grafiker verdiente. Er gestaltete Prospekte für verschiedene Betriebe der Region, Reliefs für öffentliche Gebäude, Porzellanmünzen und Ersttagsbriefe für Sammler. Seine vielleicht bekannteste Arbeit wird man wohl weniger mit Walter Drozdz in Verbindung bringen – er hatte die Banderolen für die berühmte Döbelner Salami entworfen, die seinerzeit bei Pikant hergestellt wurden und in der DDR eine Art essbare Währung war.

Auch der Döbelner Heimatfreund Heinz Schauer hatte Drozdz lange gekannt. „Ich persönlich habe mehrere Jahre mit ihm zusammenarbeiten dürfen“, erzählte er. „Wir haben uns um die Gestaltung lokaler Geschichtsschriften gekümmert, wie zum Beispiel der Festschrift zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt im Jahr 1981.“ Die vorerst letzte Ausstellung mit Bildern von Drozdz im Museum war noch zu seinen Lebzeiten im Jahr 1996.

Im Nachlass des Malers finden sich flüchtig hingeworfene Skizzen. Sein Vater habe gerne den Skizzenblock dabei gehabt und auch am Strand und beim Urlaub im Gebirge gezeichnet, sagte Thomas Drozdz. Walter Drozdz ist gern gereist, hat sich inspirieren lassen. Es gibt auch Aktstudien und Porträts – eines sieht dem amerikanischen General Custer sehr ähnlich. Sein Vater habe ein Faible für den Wilden Westen gehabt, erzählte der Sohn. Viele der Grafiken zeigen Döbelner Motive. Andere lassen sich nicht so einfach zuordnen. „Mein Vater hatte die Angewohnheit, seinen Bildern keinen Titel zu geben“, meint Thomas Drozdz.

Bei der Ausstellung werden für allem Drozdz’ Arbeiten auf Papier gezeigt, sagte Kathrin Fuchs vom Stadtmuseum. „Wir versuchen, den Bogen von seinem Früh- bis zum Alterswerk zu spannen.“ Es seien noch so viele Werke im Magazin, dass sich auch in Zukunft noch einige Ausstellungen zusammenstellen lassen.

Eröffnung der Ausstellung morgen um 19.30 Uhr im Stadtmuseum durch den Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer. Markus Kapeghy spielt auf der Gitarre.