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Vom Wirtschaftsglück der Brücks

Sie ist die erste Frau in einer langen Reihe von Männern, die das traditionsreiche Meißner Unternehmen Brück&Sohn geführt haben: Annette Brück, geboren 1956, bekannt für ihren Optimismus. Seit die gelernte...

Von Petra-Alexandra Buhl

Sie ist die erste Frau in einer langen Reihe von Männern, die das traditionsreiche Meißner Unternehmen Brück&Sohn geführt haben: Annette Brück, geboren 1956, bekannt für ihren Optimismus. Seit die gelernte Druckformenherstellerin und Fotografin 1987 mit 31 Jahren das Geschäft vom Vater übernommen hat, trägt der Papierwaren-Laden auf der Burgstraße ihre Handschrift. Alles, was hier verkauft wird, hat sie selbst ausgesucht. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Aber was ist schon selbstverständlich im Hause Brück?

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Krisenfest: Das Geschäft trägt den Verlag

210 Jahre besteht Brück&Sohn in diesem Jahr. Die Firma hat seit 1793 eine wechselvolle Geschichte hinter sich, und weil es nie einfach war, sich wirtschaftlich zu halten, werden alle Feste gefeiert, wie sie fallen. Auch das 210jährige Jubiläum, das in aller Regel nicht begangen wird. „Wir sind aber über fünf oder zehn weitere Jahre froh, die wir feiern können“, sagt Annette Brück.

Das klingt weder ängstlich noch skeptisch, sondern einfach gelassen. Die Firma hat viele Höhen und Tiefen glücklich überstanden. „Es ist immer irgendwie weitergegangen“, erzählt Annette Brück. Mal ging es dem Ladengeschäft gut und dem Verlag schlecht, mal war es andersrum. Aber stets trug der eine Geschäftszweig den anderen, und so ließen sich zahlreiche Krisen überstehen. Politische Krisen, die Otto Julius Brück 1849 als Revolutionsteilnehmer nach Dresden ziehen ließen. Wirtschaftliche Krisen, wie Inflation und Weltwirtschaftskrise, die Wilhelm Walter Brück umschiffen musste. Er hat die Firma auch durch zwei Weltkriege gebracht. „Ihn bewundere ich sehr, er hat es am schwersten von allen gehabt“, sagt Annette Brück über ihren Großvater.

Aber nicht das Alter der Firma allein ist das Besondere. „Einzigartig ist vor allem in unserer Branche, dass unser Haus immer in Familienbesitz war“, sagt Annette Brück. Inzwischen ist für die Brücks die Tradition ein wirtschaftliches Plus. Geschichte wird zum Markenzeichen, im Hause Brück besonders gepflegt. Im Archiv unterm Dach finden sich persönliche Nachlässe der Brücks sowie allerhand Gerät rund ums Gewerbe Buchdruck und Papierhandel – alles Utensilien, die Helmut Brück aus der Stadt heranschleppt und aufarbeiten lässt.

Dass Brück es nostalgisch mag, ist bekannt. Immerhin amtiert er seit langem als lebendes Abbild von Ludwig Richter und radelt durch die Stadt. Auch das hat Tradition bei den Brücks, die waren immer in der Stadt präsent. Es gab sogar einmal einen „Spaßmacher-Brück“.

Der Einsatz für die Stadt Meißen hat Tradition. Brücks waren schon immer engagiert, als Stadträte oder städtische Originale wie der sehr beliebte Otto Julius Brück, der als Erzähler beliebt und als „Der alte Brück“ im Volksmund bekannt war. Überdies gehörte er zu den Gründern des „Meißner Creditvereines“. Das ist heute die Volksbank. „Das persönliche Interesse an der Stadt und an ihrem Geschick treibt uns dazu an, uns immer wieder für sie einzusetzen“, sagt Annette Brück. Deshalb mischen die Brücks in verschiedenen Vereinen mit und versuchen, Dinge wie den Adventskalender am Rathaus auf die Beine zu stellen. Oder stellen ihren als Glückskäfer umgestalteten VW Beetle in die Stadt mit dem Werbe-Slogan „Zum Glück gibt´s Brück“. Damit haben sie es nicht nur auf die Titelseiten ihrer Branchen-Zeitschriften gebracht sondern auch auf die von regionalen Wirtschaftsmagazinen. Denn im Jubiläumsjahr haben sich die Brücks um den „Oskar für den Mittelstand“ beworben.

Der Umsatz wächst

um sieben Prozent

Echte Honoratioren mit Backenbärten, Taschenuhr und Vatermörder waren die früheren Brücks. Verewigt auf Ölgemälden hängen sie in Annette Brücks Arbeitszimmer. Wenn sie diesen Stuhl wie geplant in ein paar Jahren mit ihrer Tochter Anna tauscht, wird die junge Frau Annette Brücks Porträt aufhängen. Tradition verpflichtet, sagt Annette Brück. Die Bilder ihrer Vorfahren würden sie täglich mahnen, mit dem, was sie hinterlassen hätten, pfleglich umzugehen. Das will sie auch weiterhin tun, und die Zahlen unterstützen sie: Im Jubiläumsjahr hat die Firma laut Helmut Brück eine Umsatzsteigerung von sieben Prozent, Tendenz wachsend.