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Von Bike-Park bis Barfuß-Pfad

Junge Leute vermissen in Schirgiswalde-Kirschau so manches. Einige Wünsche sollen jetzt wahr werden.

© dpa

Was wünschen sich junge Leute in Schirgiswalde-Kirschau? Was können sie selbst dafür tun? Um solche Fragen geht es derzeit in der Stadt. Sie beteiligt sich am Projekt „Jugend bewegt Kommune“. Die SZ sprach dazu mit Anikó Popella von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, unter deren Regie das Projekt läuft.

Frau Popella, in Schirgiswalde-Kirschau gab es jetzt eine Veranstaltung, bei der junge Leute sagen konnten, was sie in ihrer Stadt stört und was sie sich wünschen. Haben sie diese Chance genutzt?

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Ja. Erst hatten wir etwas Sorge, dass keiner kommt, weil kurz vor der Veranstaltung noch niemand da war. Aber pünktlich zum Beginn tauchten etliche Kinder und Jugendliche auf. Gezählt habe ich nicht, aber es waren schätzungsweise um die 25.

Was wünschen sich die Kinder und Jugendlichen denn in ihrer Stadt?

Die Kinder wollen vor allem, dass die vorhandenen Spielplätze besser ausgestattet werden. Sie haben dazu auch ganz konkrete Vorstellungen, wünschen sich zum Beispiel einen Barfuß-Pfad.

Und die Jugendlichen?

Ganz oben steht bei ihnen der Wunsch nach einem Ort, wo sie sich aufhalten können, ohne dass sich jemand gestört fühlt. Bisher treffen sie sich an verschiedenen Plätzen, vor allem Bushaltestellen. Der Jugendklub in Crostau ist zu. Das Jugendhaus in Kirschau hat Flutschäden und wird nur von ein paar älteren Jugendlichen genutzt.

Mehr Wünsche gibt es nicht?

Doch. Übereinstimmend vermissen sowohl Kinder als auch Jugendliche Möglichkeiten, um was mit ihren Fahrrädern zu machen. Sie wünschen sich zum Beispiel eine Bike-Strecke. Und sie bedauern, dass der Kälberstein-Cup nicht mehr stattfindet, bei dem vor einigen Jahren Wettkämpfe im Mountainbiken und Downhill-Fahren ausgetragen wurden. Ein junger Mann äußerte, dass es schön wäre, wenn es eine kleine Hobby-Werktstatt gäbe, wo man an Fahrräder, Mopeds und anderen Dingen schrauben kann, eventuell sogar unter Anleitung.

Das klingt alles nach recht realistischen Ideen. Werden sie umgesetzt?

Beim Treffen ging es auch darum, wie die Wünsche Realität werden können. Ein Beispiel: Viele Kinder und Jugendliche hätten gern eine große Röhrenrutsche. Sie haben aber Verständnis dafür, dass in der Körse-Therme, die als Gesundheitsbad und zum Entspannen gedacht ist, der Lärm, der von so einer Rutsche ausgeht, stört. Im Gespräch kamen wir dann darauf, dass eine Röhrenrutsche nicht unbedingt Wasser braucht, sondern auch auf einem Spielplatz stehen könnte – was die Umsetzung schon wesentlich realistischer macht.

Wer kümmert sich denn um die Realisierung der Wünsche?

Im Rahmen des Projektes „Jugend bewegt Kommune“ ist eine Steuerungsgruppe gebildet worden. Zu ihr gehören zum Beispiel der Bürgermeister, der Verein Valtenbergwichtel, der im Oberland Jugendarbeit macht, andere Vereine und engagierte Bürger. Die Gruppe schaut jetzt, welche Ideen der jungen Leute sich wie umsetzen lassen, und bemüht sich um die Realisierung. Ihr nächster Treff ist am 26. September.

Wird die Jugend bei der Realisierung ihrer Wünsche einbezogen?

Auf jeden Fall! Anliegen der Aktion „Jugend bewegt Kommune“ ist es ja, dass junge Leute in die Gestaltung der Städte und Dörfer einbezogen werden. Es soll nicht so sein, dass sich Erwachsene was für die Kinder und Jugendlichen überlegen und es ihnen dann fertig vorsetzen. Denn Fakt ist: Wenn die jungen Leute mitbestimmen und mitgestalten können, wenn sie in ihren Heimatorten positive Erfahrungen machen, dann identifizieren sie sich stärker damit und ziehen später seltener weg. Das stärkt die Dörfer und kleinen Städte.

Für welche Projekte gibt es denn am ehesten die Hoffnung auf Realisierung?

Zum einen für den Barfuß-Pfad. Er könnte auf dem Spielplatz am Schirgiswalder Gondelteich entstehen, der ohnehin bald umgestaltet werden soll. Zum anderen für einen Jugendtreff. Die Stadt plant seit Längerem, ein ungenutztes Umgebindehaus im Zentrum von Kirschau als neues Jugendhaus herzurichten. Das soll bald losgehen.

Gespräch: Katja Schäfer

Kontakt zur Regionalstelle Sachsen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung unter Telefon: 0351 32015650 oder [email protected]