SZ +
Merken

Von der Alm bis zum Dschungelcamp

Geising. In ihrer Scheunein Löwenhain baut Familie Walther fleißig am Umzugswagen für den Ski- und Eisfasching.

Teilen
Folgen

Von Karin Grießbach

Nach Feierabend und an den Wochenenden wird in zahlreichen Scheunen und Garagen rund um Geising gegenwärtig intensiv gesägt, gehämmert und geschraubt. Rund 40 Gruppen beteiligen sich alljährlich mit ihren fantasievollen Gefährten am Festumzug beim Ski- und Eisfasching.

Der Geruch von frischer Farbe schlägt mir entgegen, als ich die Scheune von Horst Walther in Löwenhain betrete. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Holger und Frank und Enkel David baut der pensionierte Zimmermann an einem Mottowagen. Bereits 1960 war der 73-Jährige mit einigen Freunden zum ersten Mal beim Festumzug dabei. Kein Jahr hat der Löwenhainer seitdem ausgelassen und mit Ideenreichtum und Witz lokale und mediale Ereignisse auf die Schippe genommen.

Seit 1976 eine eigene Gruppe

Von Kind an waren natürlich seine Söhne mit von der Partie, und so bildet die Familie seit 1976 eine eigenständige Umzugsgruppe. Mit ihren witzigen Kreationen parodieren sie dabei nicht nur lokale Ereignisse, wie den sich über Jahrzehnte hinziehenden Talsperrenbau in Lauenstein. Symbolisch trugen sie 2002 die D-Mark zu Grabe. Ein schier unerschöpfliches Reservoir für neue Ideen liefern die zahlreichen Fernsehprogramme, die dank moderner Technik heute auch im hintersten Winkel des Osterzgebirges über den Bildschirm flimmern. Von „Bauer sucht Frau“ bis zum „Dschungelcamp“, jeder bekommt sein Fett weg.

„Die besten Einfälle kommen mir oft kurz vor dem Einschlafen“, begründet Frank Walther, warum auf seinem Nachtisch immer Zettel und Stift liegen. Während der Bauphase kommen dann meist noch neue Einfälle. Nur selten wissen die vier Männer zu Beginn schon, was am Ende dann wirklich auf dem Wagen entsteht. Noch kann ich aus den herumliegenden Brettern und Tafeln nicht herausfinden, was sich die Löwenhainer in diesem Jahr ausgedacht haben. „Das ist bis zum 3. Februar streng geheim“, kommt Horst Walther meiner Frage zuvor.

Da der Rentner in seiner Scheune viele Aufbauten aus der Vergangenheit aufgehoben hat, steht den Männern ein riesiges Requisitenreservoir zur Verfügung und nur wenige Dinge müssen vollständig neu gebaut werden. „Das spart viel Zeit“, wissen die Söhne die Sammelleidenschaft ihres Vaters zu schätzen.

Heute wird ihr Wagen nicht mehr von Pferden gezogen. Im Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes hat Holger Walther bei der Landschaftspflege nicht nur beruflich mit Traktoren zu tun. Gemeinsam mit Sohn David bastelte der gelernte Elektriker auch privat sehr gern an alten Traktoren herum. So sorgen die beiden ebenfalls dafür, dass ihr Traktor den Hänger mit den Aufbauten beim Umzug ohne Pannen durch die Bergstadt zieht.

Die Frauen nähen Kostüme

Während die Männer in der Scheune hämmern und schrauben, sitzen Heidi und Viola Walther an ihren Nähmaschinen. Die Ehefrauen nähen lustige Kostüme, mit denen alle dann gemeinsam im Festzug mitlaufen. Verschiedene Bühnengruppen, die während der Prunksitzungen auftreten, bitten die geschickten Hobbyschneiderinnen ebenfalls jedes Jahr um Hilfe. So hatten nicht nur die Männer in den vergangenen Tagen alle Hände voll zu tun. „Es macht einfach Spaß“, bekomme ich zur Antwort auf die Frage, warum die Familie trotz all der Arbeit jedes Jahr wieder mitmacht.