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Von der Antike zum Barock

Nach der Ewigen Stadt zeigt Künstler Yadegar Asisi im Dresdner Panometer jetzt eine neue Version derStadt im 18. Jahrhundert.

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Von Tobias Wolf

Das Panometer in Dresden-Reick ist zur Baustelle geworden. Noch am vergangenen Sonntag konnten Besucher des alten Gasometers durch das antike Rom spazieren und auf den Spuren Kaiser Konstantins wandeln. Das ist nun vorbei. Binnen weniger Stunden wurde Anfang dieser Woche das Panorama-Bild der Ewigen Stadt entfernt und durch ein neues ersetzt.

Künftig ist dort wieder eine Stadtansicht von Dresden aus dem 18. Jahrhundert zu sehen. So zeigt das Barockbild nicht mehr nur den Vorabend des Siebenjährigen Krieges, sondern die ganze Epoche von 1695 bis etwa 1760. Asisi-Sprecher Karsten Grebe zufolge sei die Darstellung der Stadt nun weitgehend originalgetreu–dank der Hinweise vieler Dresdner sowie einiger Historiker. „Das Italienische Dörfchen hatten wir im ersten Bild noch mit reinen Fachwerkhäusern dargestellt“, sagt Grebe. „Tatsächlich war das Erdgeschoss aber immer aus massivem Mauerwerk.“

Dazu gibt es neue Szenen mit Menschen der Barockzeit. Unter anderem ist ein Treffen des russischen Zaren Peter I. mit dem sächsischen Hofgoldschmied Johann Melchior Dinglinger zu sehen. Letzterer hatte beispielsweise den juwelenbesetzten „Hofstaat zu Delhi“ geschaffen, der heute im Grünen Gewölbe ausgestellt ist. „Die beiden hatten damals tatsächlich Kontakt, und Dinglinger lieferte dem Zaren seine Kunstwerke sogar bis nach St. Petersburg“, sagt Grebe. Nicht weit von der Szene laden Arbeiter gerade die frisch eingetroffene Sixtinische Madonna aus einem Planwagen. Das Bild war in den Jahren 1512 und 1513 vom italienischen Renaissance-Maler Raffaelo Santi, genannt Raffael, geschaffen worden. 1754 kaufte es schließlich der Sohn Augusts des Starken, August III., für seine Sammlung. Aus Anlass seiner Krönung als polnischer König ehrte ihn der Komponist Johann Sebastian Bach mit der Kantate „Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen“.

Bach ist ebenfalls Bestandteil des Bildes. Die Szene zeigt ihn im Gespräch mit seinem Sohn Wilhelm Friedemann, der an der Dresdner Sophienkirche als Organist wirkte. Bei so viel Prominenz darf auch der Erfinder des europäischen Porzellans nicht fehlen. Offenbar trägt Johann Friedrich Böttger aber noch einen Vorläufer des später weißen Geschirrs vor sich her. Zog es die sächsischen Kurfürsten ins Grüne, bevorzugten sie den Wasserweg nach Pillnitz. Als Erinnerung daran liegt eine prunkvolle Gondel am Elbufer.

Ein Jahr lang hat Panorama-Künstler Yadegar Asisi an dem Bild gearbeitet, um die vielen neuen Details einzufügen. Eine Einschränkung macht er mit Blick auf das frühere Barockbild trotzdem. „Ein Panorama ist niemals wirklich fertig“, sagt der Künstler. „Deshalb gibt es jetzt ein neues Dresden-Bild.“

Eröffnet wird die Panorama-Ausstellung erst am 1. Dezember. Bis dahin muss der rund 900 Kilo schwere und 27 Meter hohe Polyesterstoff noch verspannt werden. Außerdem errichten Handwerker gerade die Wände für die Begleitausstellung, die ebenfalls neu konzipiert wurde. Darin wird unter anderem eine vergoldete Nachbildung der Originalbüste Augusts des Starken gezeigt. Auch die bereits bekannte goldene Sonne, die ursprünglich an einem Neustädter Gebäude hing, findet in vergrößerter Form wieder Platz in der Schau. Dazu hat ein Dresdner eine Original-Flohfalle aus Elfenbein zur Verfügung gestellt. Denn im 18. Jahrhundert sei Waschen verpönt gewesen, so Asisi-Sprecher Grebe. „Stattdessen hat man sich eher gekratzt oder nur trocken abgerieben, weil Wasser als unrein galt“, sagt er. Die regulären Eintrittspreise für das Panometer sollen unverändert bei zehn Euro liegen.