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Von der Jugend, für die Jugend

Weitgehend in Eigenregie wollen junge Riesaer die Rumpelkammer zum Treffpunkt umbauen. Kann das funktionieren?

Shania, Clara und Maya zeigen einen Entwurf für die Raumaufteilung im künftigen Jugendladen. Der soll in der ehemaligen Rumpelkammer am Alexander-Puschkinplatz entstehen.
Shania, Clara und Maya zeigen einen Entwurf für die Raumaufteilung im künftigen Jugendladen. Der soll in der ehemaligen Rumpelkammer am Alexander-Puschkinplatz entstehen. © Sebastian Schultz

Riesa. Viel Zeit bleibt nicht. Nach der Scheckübergabe und ein paar kurzen Glückwünschen soll am liebsten direkt weitergearbeitet werden. Es gibt schließlich noch eine ganze Reihe von offenen Fragen, die die Planer des Jugendladens im Riesaer Stadtzentrum beantworten müssen, um ihr Projekt auch zu verwirklichen. Was mit den 30.000 Euro aus dem Wettbewerb „Ab in die Mitte“ geschehen soll, ist nur eine davon.

Schon seit Anfang 2019 trifft sich die Gruppe aus jungen Riesaern etwa einmal im Monat, um die Idee voranzubringen. Die war ursprünglich aus dem Projekt Demografiewerkstatt entstanden. „Wir wollten einen Jugendtreff, der auch von Jugendlichen geführt wird“, sagt eine von ihnen. Mittlerweile ist mit der Rumpelkammer auch ein Domizil gefunden, das einmal Anlaufstelle für die Jugend sein könnte. An den Tafeln im Klosternordflügel hängen schon die Grundrisse der Immobilie. Aber gibt es nicht eigentlich schon solche Angebote in der Stadt? 

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Riemix und Offenes Jugendhaus sind nicht allzu weit weg, beide wollen Anlaufstelle für junge Menschen in der Stadt sein. „Das Offene Jugendhaus ist nicht so bekannt“, sagt Nadine Eleser dazu. „Außerdem richten sich die Angebote eher an 16- bis 18-Jährige.“ Für die Jüngeren gebe es dort ihrer Erfahrung nach nicht so viele Angebote, sagt die 15-Jährige.

 Im Jugendladen soll das anders werden; die Jüngsten, die an den monatlichen Treffen teilnehmen, sind 13 Jahre alt, die Ältesten schon im Erwachsenenalter. Was genau den Jugendladen inhaltlich ausmachen soll, das scheint noch relativ vage. Einige Veranstaltungsideen haben sie aber schon gesammelt, sagt Nadine Eleser – etwa Koch- und Zeichenworkshops. 

Beim Treffen am Montagnachmittag ging es für sie und die anderen Jugendladen-Macher nun aber vor allem darum, sich auf ein Raumkonzept für die ehemalige Kneipe zu einigen. Gut möglich, dass der unverhoffte Geldsegen aus dem Wettbewerb beispielsweise in neue Möbel oder eine Küchenzeile fließt.

Nachdem das Raumkonzept nun steht, soll voraussichtlich im Februar die Stadt den Mietvertrag unterzeichnen, sagt Fabian Brenner. Der Mitarbeiter des Kinder- und Jugendrings in Sachsen moderiert die Treffen. Neu ist diese Idee der Jugendbeteiligung nicht. „Aber in Riesa haben wir die komfortable Situation, dass wir eine willige Stadtverwaltung haben, die das mitträgt.“ Gleichzeitig ist durch die Förderung für das Projekt auch der finanzielle Spielraum gegeben.

Riesas Oberbürgermeister Marco Müller (CDU, 2.v.l.) nahm stellvertretend den Gewinn aus dem Wettbewerb "Ab in die Mitte" von  IHK-Geschäftsführer Thomas Ott entgegen. 
Riesas Oberbürgermeister Marco Müller (CDU, 2.v.l.) nahm stellvertretend den Gewinn aus dem Wettbewerb "Ab in die Mitte" von  IHK-Geschäftsführer Thomas Ott entgegen.  © Sebastian Schultz
Die Jugendlichen gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung sowie der Jury von "Ab in die Mitte". 
Die Jugendlichen gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung sowie der Jury von "Ab in die Mitte".  © Sebastian Schultz
Die ehemalige Rumpelkammer am Alexander-Puschkinplatz in Riesa. Bald unterschreibt die Stadt den Mietvertrag für einen Jugendladen. Wenn beim Umbau alles glatt läuft, könnte der Laden noch 2020 eröffnen.
Die ehemalige Rumpelkammer am Alexander-Puschkinplatz in Riesa. Bald unterschreibt die Stadt den Mietvertrag für einen Jugendladen. Wenn beim Umbau alles glatt läuft, könnte der Laden noch 2020 eröffnen. ©  Archiv / Brühl
Die Planung - und später auch der Betrieb des Ladens - ist in erster Linie Sache der Jugendlichen. Seit Monaten treffen sie sich regelmäßig, um das Vorhaben zu verwirklichen. Die Stadtverwaltung und ein Vertreter der Kinder- und Jugendhilfe leisten nur Unterstützung. 
Die Planung - und später auch der Betrieb des Ladens - ist in erster Linie Sache der Jugendlichen. Seit Monaten treffen sie sich regelmäßig, um das Vorhaben zu verwirklichen. Die Stadtverwaltung und ein Vertreter der Kinder- und Jugendhilfe leisten nur Unterstützung.  © Sebastian Schultz

Als Konkurrenz zum von Outlaw betriebenen Offenen Jugendhaus oder dem Aufladen von Sprungbrett in Weida soll der Jugendladen nicht verstanden werden. „Die sind von der Erwachsenenseite gedacht und organisiert“, erklärt Fabian Brenner. „Hier ist es umgekehrt. Vom Auf- und Zuschließen bis zum Saubermachen, die Verantwortung liegt bei den Jugendlichen.“

Auch beim Umbau der Rumpelkammer sollen sie mit anpacken, soweit das möglich ist und keine Fachfirmen nötig sind – etwa beim Malern. In welcher Form Erwachsene dann im laufenden Betrieb Unterstützung geben sollen, das muss in der nächsten Zeit noch festgelegt werden.

Konkurrenz hin oder her: Sprungbrett-Chef Andreas Näther steht der Idee des Jugendladens insgesamt positiv gegenüber. Sie sei „ein Mehrwert in der Jugendarbeit“, sagt er – sofern diese Idee nicht verwässert werde. „Die spannende Frage ist jetzt, ob die Gesellschaft das auch so ermöglicht, oder ob der Jugendladen am Ende doch abdriftet in eine betreute Einrichtung. Denn davon haben wir hier schon genug.“ Derzeit jedenfalls seien Outlaw und Sprungbrett nur in beratender Funktion in dem Projekt involviert. Geht es nach ihm, dann soll sich das auch nicht wesentlich ändern.

Ganz andere Sorgen haben dagegen wohl einige Nachbarn des künftigen Jugendladens geäußert. Fabian Brenner berichtet von einer Begegnung mit einer Hausbewohnerin, als die Jugendlichen sich erstmals die Immobilie anschauten. „Die Frau war wohl froh, als die Kneipe raus war und hatte nun Angst, dass bald wieder bis in die Nacht gefeiert wird.“ Das sei aber auch nicht die Idee des Ladens.

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„Es ist explizit kein Jugendclub, sondern eher ein Café. Wir denken da an Öffnungszeiten am Nachmittag, bis in den frühen Abend.“ Den ganzen Nachmittag Remmidemmi, das haben sich übrigens auch die Jugendlichen nicht gewünscht, als es ums Raumkonzept ging. „Da waren Wünsche dabei wie eine Dart-Ecke oder eine Küche“, erzählt Brenner, „aber auch ein Ruhebereich, in dem sie für die Schule etwas ausdrucken oder arbeiten können. Das hat uns Erwachsene dann doch überrascht.“

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