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Lehrer wird im Ruhestand zum Künstler

Rainer Dietmar Hennig aus Weißwasser kam erst spät zum Malen. Jetzt stellt der Autodidakt im SKC Schleife aus.

Auch den Badepark in Bad Muskau hat Rainer Dietmar Hennig auf einem seiner Bilder verewigt.
Auch den Badepark in Bad Muskau hat Rainer Dietmar Hennig auf einem seiner Bilder verewigt. © Constanze Knappe

Die unterschiedlichen Stimmungen der vier Jahreszeiten, das ist es, was Rainer Dietmar Hennig fasziniert. Ob blühende Bäume an einem Rapsfeld bei Gablenz oder die bunte Färbung Laubs im herbstlichen Muskauer Park, es treibt den inzwischen 75-Jährigen, diese Momente im Bild festzuhalten. Einen Eindruck dessen vermittelt eine Ausstellung im Sorbischen Kulturzentrum (SKC) in Schleife. 29 Bilder des Weißwasseraners sind dort unter dem Titel „Zwischen Spree und Neiße“ zu sehen. Zum allerersten Mal präsentiert er seine Arbeiten in einer Soloausstellung.

Die ältesten Arbeiten sind von 2010, das Gros jedoch entstand in den vergangenen fünf Jahren. Wie die Kirche in Schleife im winterlichen Weiß, die bei den Besuchern bisher am besten ankommt. Es sei aber ein Irrtum, dass man für ein Winterbild alles bloß weiß machen muss, so Rainer Dietmar Hennig. Wie die Morgensonne durch die Brücke auf den Rakotzsee strahlt, das habe etwas Magisches. Fast wie beim Zauberlehrling. Wie viele verschiedene Grün es gibt, das fasziniert ihn. Und es reizt ihn immer wieder. Die Brücke im Kromlauer Park ist sein Lieblingsmotiv, das gibt er unumwunden zu. Schon mehr als 20-mal habe er sie gemalt.

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Rainer Dietmar Hennig ist Hobbymaler. Das betont er immer wieder. Damit angefangen habe er erst vor 15 Jahren. Der gebürtige Thüringer ist gelernter Funkmechaniker und studierter Lehrer für Polytechnik und Werken. Bis 1990 hat er in Weißwasser unterrichtet, bis 2004 war er Schulleiter an der 4. Mittelschule in der Glasmacherstadt, bis 2010 Schulleiter in Niesky. Eigentlich hätte es für ihn im Ruhestand auch andere Hobbys geben können, so erzählt er. Zum Beispiel irgendwas mit Elektronik, doch die gebe es ja heutzutage überall zu kaufen. Dass er sich der Malerei zuwandte, liege wohl auch an der kreativen Ader in seiner Familie. Nur sei er eben nicht musikalisch veranlagt wie die Verwandtschaft.

Auch die weniger schönen Seiten

Zunächst grafisch tätig, hat er sich dann mehr und mehr an Farbe getraut. Zwar angeleitet durch Gerd Hallaschk, mit dem er seit vielen Jahren befreundet ist, oder durch den Rohner Künstler Jörg Tausch, sei er im Großen und Ganzen aber nach wie vor ein Autodidakt. Ein Hobbymaler eben. Um sich darin zu vervollkommnen, besucht Rainer Dietmar Hennig seit mehr als zehn Jahren Malkurse an der Volkshochschule. Er bedient sich unterschiedlicher Techniken, arbeitet mit Pinsel oder Spachtel, malt in Aquarell, Acryl, Öl oder Pastell. Womöglich liege es ja an seinem Beruf als Lehrer, da habe er ja auch immer gerne mit Kreide an die Tafel gemalt, sagt er lachend.

Inspirationen holt er sich auf Spaziergängen in der nahen und weiteren Umgebung seiner Heimat. Die Ausstellung zeigt ein Spektrum zwischen Lausche und Muskauer oder Kromlauer Park wie die Hochzeitsbuche am Herrenpark (Acryl) oder die Herbststimmung am Halbendorfer See (Ölpastell), die Alte Wasserkunst in Bautzen, den Wasserturm in Weißwasser oder den Turm am Schweren Berg. Auf der Suche nach einem Motiv ist er zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten unterwegs, wegen der jeweils anderen Lichteffekte. „Ich möchte zeigen, wie schön die Natur ist“, sagt er. Dann fügt er hinzu: „Wenn wir sie nicht zerstören.“ Und so finden sich in der Ausstellung auch „die etwas ketzerischen Sachen“, wie er selber sagt. Wie das Tagebaugeschehen „Unter der herrlichen Lausitzer Natur“ oder „An der schönen braunen Spree bei Neustadt“. Menschen wird man auf Hennigs Bildern vergeblich suchen. Das sei nicht so sein Ding.

Wann immer es ihn drückt, wenn er sich in ein Motiv verliebt hat, geht es los. Erst bringt er eine Skizze zu Papier oder bearbeitet ein Foto am Computer, dann geht es ans Malen. Wenn seine Frau ihn sucht, findet sie ihn meist im Keller. Dort versucht er umzusetzen, was ihm in der Natur gefallen hat. Zuweilen ist er drei Tage am Stück mit Pinsel und Farben zugange, dann wieder dreimal an einem Tag. Jedes Jahr entstehen so um die zehn bis zwölf Bilder. Durch die Corona-Beschränkungen hatte er zwar mehr Zeit zum Malen, es fehlten andererseits aber die Anregungen.

Fast alle aus dem Zirkel an der Volkshochschule haben schon ausgestellt. Vor einigen Jahren hatte ihn SKC-Leiterin Sylvia Panoscha gefragt, ob er in Schleife ausstellen würde. „Ich habe das vor mir hergeschoben, weil ich mich noch nicht so weit fühlte, dass ich meine Bilder zeigen könnte“, begründet der Hobbymaler seine damalige Absage. Inzwischen war er an Ausstellungen des Malzirkels beteiligt, in der Volkshochschule selber wie auch im Kreiskrankenhaus Weißwasser. Nun also seine erste öffentliche Einzelausstellung: Bis 30. August werden seine Bilder im SKC gezeigt. Wegen der Corona bedingten Hygieneauflagen gibt es keine Vernissage. Stattdessen plane man, so hatte Sylvia Panoscha vor der Schau angekündigt, eine Finissage.

Sonderausstellung „Zwischen Spree und Neiße“ mit Malerei von Rainer Dietmar Hennig im SKC Schleife, Friedensstraße 63. Geöffnet: Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr sowie Sonntag 13 bis 17 Uhr.

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