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Von der Rolle

Peinliche Toilettengeschichte im Görlitzer Curie-Gymnasium: Weil einige Schüler sich einen herben Streich erlaubt hatten, wurde fünf Tage das Klopapier entzogen.

© dpa

Von Daniela Pfeiffer

Das Klo ist verstopft. Damit fängt eine zugegebenermaßen ziemlich delikate Geschichte an, die sich an einem Ort ereignet hat, der eigentlich für Vorzeigeschüler stehen sollte: dem Joliot-Curie-Gymnasium. Für etwa fünf Millionen Euro ist das traditionsreiche Schulhaus gerade saniert worden, die Schüler sind erst vor wenigen Wochen eingezogen. Der Stolz auf das Neue währt bei einigen scheinbar nicht lange.

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Was genau vorgefallen ist – darüber redet niemand. Fakt ist: Jemand muss auf der Jungentoilette so viel Papier ins Becken gestopft haben, dass es verstopfte. Die Schulleitung entscheidet sich daraufhin zu einem drastischen Schritt: In der betroffenen Toilette soll es fünf Tage lang kein Klopapier geben. Wen ein größeres Bedürfnis plagt, der muss sich Klopapier im Sekretariat holen. Ob es tatsächlich ein Schüler tut, ist nicht bekannt.

Die Reaktionen unter den Schülern sind gemischt. Einige erwähnen die ungewöhnliche Maßnahme der Schulleitung daheim gar nicht erst, andere erzählen es den Eltern und finden es unmöglich. Offiziell gibt es an die Eltern zunächst keine Information. Erst einen Tag vor Ablauf der fünf Tage wird zumindest der Elternrat in seiner Sitzung informiert. Dort hört auch Renate ten Hagen, die Elternratsvorsitzende, von dem Vorfall. Die Söhne hatten daheim nichts erzählt.

„Da ist mir erst mal die Kinnlade heruntergeklappt“, gibt ten Hagen zu. „Das ist vollkommen unmöglich. Wie kann die Schule zu so einer Maßnahme greifen“, wundert sie sich. Weil das Verbot aber schon da so gut wie abgelaufen war, hat sie sich entschieden, das Ganze stillschweigend zu schlucken und auf sich beruhen zu lassen. Trotzdem sagt sie: „Das geht natürlich nicht. Ganz klar. Es ist schon ein massiver Eingriff in die Privatsphäre der Kinder. Ich bin nicht sicher, ob der Elternrat darüber nicht hätte sofort informiert werden müssen.“ Mit Schulleiter Wolfgang Mayer hat sie danach gesprochen. Wie man besser hätte reagieren sollen, dazu ist beiden keine richtige Antwort eingefallen.

Gegenüber der SZ will sich die Schulleitung nicht äußern. „Aus unserer Sicht hat der Anlass nicht die Bedeutung, darüber zu berichten“, antwortet der stellvertretende Schulleiter Andreas Müller auf eine SZ-Anfrage. „Wir sind auf dem Weg, eine saubere und hygienische Schule zu bleiben. Dabei vergessen manche Schüler hin und wieder, was sie zu Hause gelernt haben.“ Weil eine „juristische Aufarbeitung“ kaum möglich sei, würden andere Lösungen gesucht. Darüber wolle man aber nur intern beraten.