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Hoyerswerda

Von der Schule zur Ferienanlage

Die Gemeinde Lohsa verkauft die frühere Grundschule Weißkollm an einen Dresdener Investor.

Die ehemalige Schule in Weißkollm befindet sich seit Jahren in einer Art Dornröschenschlaf. Nun wird sie erweckt.
Die ehemalige Schule in Weißkollm befindet sich seit Jahren in einer Art Dornröschenschlaf. Nun wird sie erweckt. © Foto: Andreas Kirschke

Weißkollm. In die seit acht Jahren leerstehenden Gebäude der früheren Weißkollmer Grundschule „Fritz Kube“ soll wieder Leben einziehen. Dazu bekannte sich am Dienstag der Lohsaer Gemeinderat. Einstimmig beschloss er den Verkauf der Immobilie für 40 000 Euro an den Dresdner Investor perplex Holding & Consulting GmbH. Dieser will bis 2022 aus der früheren Schule eine Ferien- und Erholungsanlage gestalten.

Konkret entstehen sollen ein Drei-Sterne-Wellness-Hotel, ein offenes Café für Tages- und Wochenend-Gäste sowie ein Verleih für Fahrräder und Rollerblades. Die gesamte Investition beträgt 4,2 Millionen Euro. Sie soll in zwei Schritten realisiert werden. Insgesamt sollen 15 Dauerarbeitsplätze entstehen. Barrierefrei soll die Anlage sowohl Übernachtungsgästen als auch Tagesausflüglern offenstehen. Im ersten Schritt ist vorgesehen, dass 1,4 Millionen Euro in die Sanierung der Bausubstanz und in den Umbau mit Hotelcharakter fließen. Im zweiten Schritt sollen 2,8 Millionen Euro in den Neubau des Seminar-, Sport- und Wellness-Bereiches investiert werden.

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Gesamtfertigstellung bis 2022

„Wichtig ist jetzt, Baurecht zu schaffen“, unterstrich Geschäftsführer Daniel Scholze. „Wir hoffen, dass wir Mitte 2020 mit dem Bau beginnen können. Möglichst im Mai 2021 soll das Hotel fertig sein. 2022 soll die Eröffnung der Gesamt-Anlage folgen.“ Die Ferien- und Erholungsanlage, so Daniel Scholze, werde im Bereich Lohsa eine Alternative zum Camping- und Caravan-Urlaub sein. Mit dem Dreiweiberner See, dem Silbersee und dem Scheibesee liegen Bademöglichkeiten gleich in der Nähe.

Als wichtige Partner für die künftige touristische Vermarktung sieht Daniel Scholze unter anderem die Kartbahn Lohsa und die Energiefabrik Knappenrode. „Wir wollen ein Aktiv-Hotel etablieren – mit Wellness, Sport und Seminaren, mit verschiedenen Sport- und Freizeitmöglichkeiten“, unterstrich der Investor.

Millionen-Investitionen getätigt

Sein Unternehmen ist als Personal- und Arbeitsschutz-Dienstleister tätig. Der Jahresumsatz 2018 lag bei 38,5 Millionen Euro. In Hoyerswerda gehören der Gesellschaft rund 30 000 Quadratmeter Immobilien. Sie ist Eigentümer des Qualifizierungs- und Trainingszentrums (QTZ) im Industriegelände Straße E. Im Jahr 2012 investierte die Gesellschaft 850 000 Euro im QTZ in ein neues Verwaltungsgebäude. Seit dem Erwerb 2008 wurden dort in Summe mehr als 1,8 Millionen Euro investiert.

Jetzt will die Gesellschaft auch in Weißkollm aktiv werden. Im Verwaltungsausschuss der Gemeinde Lohsa am 14. Juni hatte Daniel Scholze das Konzept näher vorgestellt. Möglichst bis 1. März 2020 will der Investor auf eigene Kosten alle Maßnahmen einleiten, um Baurecht und erforderliche Baugenehmigungen zu erlangen. Die Gemeinde behält sich das Rückkaufsrecht vor. Berechtigt dazu ist sie im Fall der Nicht-Erfüllung der Verpflichtungen.

Schon viele Nutzungs-Ideen

Seit Ende des Schuljahres 2010/2011 steht die frühere Fritz-Kube-Grundschule leer. Seit dem Leerstand kämpft die Gemeinde um eine sinnvolle Nachnutzung des Objektes. Im Gespräch waren ein Wohnpark für Senioren, eine kleine Näherei, eine Senioren-Wohnstätte mit sozialer Betreuung, eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (mit Nachnutzung als Kinderheim) und zuletzt das Konzept für Betreutes Wohnen für Senioren im Haupthaus sowie für eine Physiotherapie im Nebengebäude. All diese Versuche blieben erfolglos. Seit Frühjahr 2018 war die Gemeinde erneut in konkreten Gesprächen mit Interessenten. Das Konzept des jetzigen Investors überzeugte sie.

Es geht um insgesamt 19 892 Quadratmeter Fläche. Das Wertgutachten vom 31. Oktober 2016 zur früheren Schule Weißkollm wies als Mindestkaufpreis 31 309 Euro aus. Ursprünglich entstand das Objekt 1953/1954 als Lehrlings-Internat für die Forstwirtschaft. Später wurde es eine Ausbildungsstätte für Kampfgruppen-Kommandeure. Sie war für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Im Jahr 1961 zog die Weißkollmer Schule in das Objekt ein. Sie trug seit 1979 den Namen des Antifaschisten und Aktivisten der ersten Stunde Fritz Kube (1899-1978). Er war Organisator der Bodenreform im Kreis Hoyerswerda 1945/1946. Seit dem Schuljahr 1992/1993 war das Objekt eine Grundschule. 1995 erhielt die Schule ein Nebengebäude. Darin befanden sich vier weitere Klassenzimmer und die nötigen sanitären Anlagen.

Kampf um den Erhalt der Schule

Die Schließung der Grundschule Ende des Schuljahres 2010/2011 nahmen die Weißkollmer nicht so einfach hin. Monatelang kämpften sie um den Erhalt. Die Schließung der Schule war für Ort und Gemeinde ein schmerzhafter Verlust.

Jetzt kommt neue Hoffnung auf. „Wenn das Konzept tatsächlich so umgesetzt wird, ist die Gemeinde eine große Sorge los. Wir verhindern eine dauerhafte Bauruine. Gleich in der Nähe haben wir Seen, touristische Anlagen und Radwege. Das kann für den Investor von Vorteil sein“, meinte am Dienstagabend Peter Spieß. Der 77-jährige Steinitzer ist seit 1990 Abgeordneter. Er ist der dienstälteste Gemeinderat in Lohsa. Dem neuen Gemeinderat wird er nicht mehr angehören.

Im Einklang mit der Natur

„Wird die Anlage noch erweitert?“, wollte Gemeinderat Steffen Mühl wissen. Zunächst gehe es jetzt darum, Baurecht zu schaffen, erklärte Daniel Scholze. Eine Erweiterung später gehe nur in Abstimmung mit den Behörden. „Wir wollen eine tragfähige Investition. Und das im Einklang mit der Natur“, verdeutlichte der Investor.

Gemeinderat Gotthard Kowark verwies auf den Fleiß der Weißkollmer Bürger. Über viele Jahre haben sie sich am Gebäude eingebracht. Er regte daher an, die 40 000 Euro aus dem Verkauf der früheren Grundschule für die Weißkollmer zurückzulegen und zu verwenden. Darüber, so betonte Bürgermeister Thomas Leberecht, muss der Gemeinderat entscheiden.

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